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| 02:32 Uhr

Kittlitzer fordern Polizeiwache für Lübbenau

In die Förderschule in Kittlitz sollen im Dezember die ersten von etwa 100 Flüchtlingen einziehen.
In die Förderschule in Kittlitz sollen im Dezember die ersten von etwa 100 Flüchtlingen einziehen. FOTO: Jan Gloßmann
Lübbenau. Bis zu 100 Flüchtlinge sollen ab Dezember in die heutige Förderschule im Lübbenauer Ortsteil Kittlitz einziehen. Das sind 30 weniger als bislang avisiert, stellt die Einwohner allerdings nicht zufrieden. Eine ihrer Forderungen könnte für neue Diskussionen sorgen. Jan Gloßmann

Wenn eine Veranstaltung eine Zusammenfassung braucht, dann gab es die für die Einwohnerversammlung in Kittlitz am Dienstagabend um 19.33 Uhr. Es war nicht die Botschaft von Landrat Siegurd Heinze, dass statt der bislang angekündigten 130 ab Dezember "nur" noch 100 Flüchtlinge ins Gebäude der Förderschule in Kittlitz ziehen sollen. Den Einwohnern ist auch diese Zahl zu hoch, sie nennen es seit Wochen ein Missverhältnis.

Um 19.33 Uhr sagt Lübbenaus Bürgermeister Helmut Wenzel - sicher auch nicht zum ersten Mal - dass man dieses Missverhältnis angesichts der Flüchtlingszahlen in Deutschland wohl "nicht wird auflösen können". Und es antwortet eine Kittlitzerin: "Aber genau das ist doch unser Problem."

An dieser Stelle steckt die Diskussion fest, die am Dienstagabend an Sachlichkeit gewonnen hat, auch wenn Ressentiments und Angst nicht verschwunden sind. Die Fragen der Kittlitzer bleiben die Gleichen wie in den vorhergehenden Runden. Warum Kittlitz? Warum so viele Flüchtlinge? Wie kommen die Leute in die Stadt? Wie sollen sie sich versorgen? Wer schützt uns im Notfall?

Die Antworten, die Landrat Heinze, Sozialdezernent Alexander Erbert und Bürgermeister Wenzel geben, sind klar - und aus Sicht der Kittlitzer wenig zufriedenstellend. Anderes war auch nicht zu erwarten. Kittlitz ist ausgewählt worden, weil es der einzige Ort mit einer dann verfügbaren kreiseigenen Immobilie ist, in der eine hohe Zahl von Flüchtlingen untergebracht werden kann. Geplant ist eine Nutzung für zwei bis drei Jahre - als Dauer-Unterkunft soll ab 2016 das OSZ-Gebäude in der Lübbenauer Neustadt zur Verfügung stehen. Es werde, so Heinze, eine Buslinie geben, die Leute werden sich selbst versorgen durch Einkauf in der Stadt, wo sie auch Arztbesuche oder Behördengänge sowie Kurse absolvieren. Dafür sprächen die Erfahrungen aus den anderen Heimstandorten in Sedlitz und Lauchhammer - wo freilich die Bedingungen günstiger sind als in Kittlitz. Darauf verwies der Sedlitzer Ortsvorsteher Steffen Philipp: "Bei uns ist das gewachsen. Seit Jahren haben wir keine Einbrüche oder Überfälle. Allerdings haben wir eine optimale Verkehrsanbindung. Für Kittlitz wird es ein Spagat." Philipp nahm Kreis und Stadt indirekt in Schutz: "Für mich versagt Berlin auf ganzer Linie."

So bleibt in Kittlitz die Forderung nach einer Polizeiwache im Ort, die kaum mehr als Frage formuliert wird. Landrat Heinze sagte, eine solche gebe es weder in Sedlitz noch in Lauchhammer. "Solch ein Antrag hat wenig Aussicht auf Erfolg. Außerdem kommen hier keine Mörder, Vergewaltiger, Diebe oder Messerstecher."

Da freilich wusste noch keiner von der Nachricht, dass in einem Heim in Teltow ein Asylbewerber aus Somalia niedergestochen und getötet worden war. Ein solcher Vorfall wird die Kittlitzer kaum beruhigen.

Zum Thema:
Hausherr mit Hausrecht: Landrat Siegurd Heinze (parteilos) hat am Dienstagabend von seinem Hausrecht in der Förderschule Kittlitz Gebrauch machen müssen. Er bat Landtagsabgeordnete der AfD, den Saal zu verlassen. Dieser Aufforderung kamen die AfD-Vertreter erst nach längerer Diskussion nach. Heinzes Begründung: Die Einwohnerversammlung sei nur für persönlich eingeladene Bürger aus dem betroffenen Ortsteil gedacht. Die Lübbenauer CDU-Abgeordnete Roswitha Schier und die Calauer Linken-Abgeordnete Kathrin Dannenberg verließen freiwillig das Gebäude, um die Situation nicht eskalieren zu lassen. Als Stadtverordnete hätte Roswitha Schier bleiben können.Mit Zustimmung der versammelten Kittlitzer durften zwei Medienvertreter an der Veranstaltung teilnehmen. Ton- und Bildaufnahmen im Saal waren jedoch untersagt.