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Kittlitz und die eigenen Wahrheiten

Dieser Zaun wurde schon vor Bekanntwerden der Heimpläne geplant – heute steht er TV-Deutschland-weit als Sinnbild für die Abschottung der Kittlitzer und ihrer Ängste vor dem Unbekannten.
Dieser Zaun wurde schon vor Bekanntwerden der Heimpläne geplant – heute steht er TV-Deutschland-weit als Sinnbild für die Abschottung der Kittlitzer und ihrer Ängste vor dem Unbekannten. FOTO: Jan Gloßmann
Lübbenau. Kittlitz kommt nicht zur Ruhe. Nahezu täglich gibt es Gerüchte – oder sie werden gestreut – und Mutmaßungen, was die Pläne für das Flüchtlingsheim im Lübbenauer Ortsteil alles bewirken und auslösen. Es wird immer schwerer, die Wahrheit zu finden. Jan Gloßmann /

Einer weiß schon, dass bald Syrer kommen werden. Ein anderer hat gehört, dass die Wohnstätte für Behinderte umziehe. Die Diskussion um das geplante Flüchtlingsheim in Kittlitz liefert in diesen Tagen Beispiele, wie lange gefällte Entscheidungen, aber auch bloße Mutmaßungen zur Bestätigung aktueller eigener Ängste und Ansichten umformuliert werden.

So weiß ein Nutzer des Netzwerkes Facebook unter der Adresse des Rasthofes zu berichten, Originalzitat: "Im Herbst werden Syrier im Behindertenheim (Kinder müssen raus) untergebracht…"

Man muss solche Sätze in diesen Tagen mit Vorsicht genießen und auseinander klamüsern. Das Behindertenheim wird von der Arbeiterwohlfahrt Südbrandenburg betrieben als Wohnstätte. Einziehen sollen die Flüchtlinge in das Gebäude der Förderschule gleich nebenan. Eigentümer dort ist der Landkreis Oberspreewald-Lausitz, der auch für die Unterbringung der Flüchtlinge und Asylbewerber zuständig ist - aus Kostengründen nutzt er vornehmlich eigene Immobilien (daher fiel die Wahl auch auf Kittlitz). Bis zu 130 Plätze sollen in dem Gebäude hergerichtet werden. (200, wie auch jemand für Kittlitz gehört haben will und dies im Brustton der Überzeugung verkündet, sollen es dann ab Ende 2016 im OSZ-Gebäude in der Lübbenauer Neustadt sein.)

Dass die Kinder "raus müssen" hat allerdings nichts mit den zum Jahresende ankommenden Flüchtlingen zu tun. Der Umzug der kompletten Förderschule im Sommer ins Haus der Pestalozzi-Schule in der Neustadt geht auf einen Beschluss des Kreistages vom Spätsommer 2013 zurück. Der Kreis will beide eigenständigen Schulen in einem dann wieder besser ausgelasteten Gebäude unterbringen.

In diesem Zusammenhang ist vor etwa eineinhalb Jahren eine weitere Überlegung angestellt worden. Um einen Teil der Kinder und Jugendlichen in der Nähe ihrer Schule zu haben, sei über eine Verlagerung der Wohnstätte nachgedacht worden. Das bestätigt der Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt, Wolfgang Luplow. "Diese Überlegungen stehen aber nicht im Zusammenhang mit der vorgesehenen Flüchtlingsunterkunft." Sie werden nunmehr jedoch überdacht, um "nicht ein falsches Signal zu senden". Denn in Kittlitz ist das Gerücht von der "Schließung der Wohnstätte" wissbegierig aufgenommen und verbreitet worden. Sozusagen als weiterer vermeintlicher Beleg für die verbreitete Angst vor den Flüchtlingen.

Luplow sagt jetzt: "Als weltoffener und verantwortungsbewusster Verband stellen wir Überlegungen an, unsere Erfahrungen als Träger von Flüchtlingsunterkünften am Standort Kittlitz anzubieten." Das hänge letztlich aber von den Rahmenbedingungen ab, die der Landkreis vorgibt. So sei die Arbeiterwohlfahrt kein Wachschutz, man biete aber eine "seriöse und kompetente Betreuung von Flüchtlingen". Dem Verein gehört zudem einiges an Gelände um die heutige Förderschule, so dass es gute Voraussetzungen für die soziale Betreuung gebe.