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| 18:54 Uhr

Unklare Eigentumsverhältnisse
Keine Sicherheit im Rasthof Kittlitz

 Seit 2015 steht der ehemalige Rasthof in Kittlitz leer. Bei einem Brand im April musste die Feuerwehr die Scheiben einschlagen, um an den Brandherd zu gelangen. Seitdem ist nichts zur Sicherung des Gebäudes passiert.
Seit 2015 steht der ehemalige Rasthof in Kittlitz leer. Bei einem Brand im April musste die Feuerwehr die Scheiben einschlagen, um an den Brandherd zu gelangen. Seitdem ist nichts zur Sicherung des Gebäudes passiert. FOTO: LR / Liesa Hellmann
Kittlitz. Im April hat es im ehemaligen Rasthof Kittlitz gebrannt, seitdem ist nichts zur Sicherung geschehen. Ortsvorsteher Volkmar Schloßhauer sorgt sich: „Wer haftet, wenn etwas passiert?“ Von Liesa Hellmann

„Mit den deutschen Gesetzen stimmt etwas nicht.“ Volkmar Schloßhauer, Ortsvorsteher von Kittlitz, sagt diese Worte nicht, um zu provozieren. Vielmehr kann er nicht verstehen, wie der ehemalige Kittlitzer Rasthof in seinen derzeitigen Zustand geraten konnte, ohne dass jemand eingriff. In Schloßhauers Worten: „Ich habe nicht geglaubt, dass es Jahre dauert, bis nichts passiert.“

Der ehemalige Rasthof beschäftigt den Ortsvorsteher seit längerem. Im Jahr 2015 meldete die Firma IBS-Steinführer GmbH, die den Rasthof betrieb, Insolvenz an. Der Gastbetrieb wurde eingestellt, seitdem steht das Gebäude leer. Menschen laden widerrechtlich Müll auf dem Gelände ab, niemand scheint sich für das Gelände zuständig zu fühlen.

Und das ist ein Problem. Denn am 14. April 2019 brach in dem ehemaligen Rasthof ein Feuer aus. Um an den Brandherd zu gelangen, musste die Feuerwehr mehrere Fenster einschlagen. Diese Scherben liegen noch immer vor und im Gebäude, ein rot-weißes Absperrband, das die beiden größten Scherbenhaufen umspannt, flattert im Wind.

Das Absperrband hat Volkmar Schloßhauer selbst angebracht, weil ansonsten niemand etwas für die Sicherung des Gebäudes tue, wie er sagt. Ob er das überhaupt durfte, weiß der Ortsvorsteher nicht. Denn Gelände und Gebäude sind in Privatbesitz – in wessen genau, ist die Frage, die den Kittlitzer Ortsbeirat, die Stadt Lübbenau und das Ordnungsamt umtreibt.

„Die Stadt Lübbenau arbeitet bereits seit über einem Jahr intensiv an einer generell-befriedigenden Lösung zum Sachverhalt. Aufgrund der schwierigen Rechtslage stellt vor allem die Klärung der Eigentumsverhältnisse eine komplexe und komplizierte Aufgabe dar“, teilt Christian Hütter, zuständig für öffentliche Ordnung und Brandschutz in Lübbenau, mit. Man habe jedoch einen Eigentümer ausfindig gemacht und ihm eine Frist gesetzt, innerhalb der eine Sicherung des Gebäudes erfolgen müsse. Wann die Frist ausläuft, wollte die Stadt nicht sagen.

Die Person, die die Stadt Lübbenau als Eigentümer annimmt, bestätigt, ein entsprechendes Schreiben erhalten zu haben. Sie sieht sich jedoch zu Unrecht belangt. Hintergrund ist, dass das Grundstück samt Rasthof 2016 an eine Berliner Immobilienfirma verkauft wurde. Diese ließ eine Auflassungsvormerkung ins Grundbuch eintragen, die verhindert, dass der bisherige Eigentümer das Grundstück an einen anderen Interessenten verkaufen kann, bis alle Formalien geregelt sind. Der Kaufpreis selbst sei aber seit 2016 nicht beglichen worden, sagt der letzte Geschäftsführer der IBS-Steinführer GmbH. Aus seiner Sicht sind die Eigentumsverhältnisse an dem Grundstück deshalb ungeklärt.

Volkmar Schloßhauer ist mit der Situation unzufrieden: „Es kann nicht sein, dass das Haus so stehen bleibt. Es muss eine Sicherung erfolgen. Sicherheit und Ordnung müssen wiederhergestellt werden.“ Schloßhauer hat bereits darüber nachgedacht, die Scherben, die vor den eingeschlagenen Fenstern liegen, in den Innenraum zu werfen. „Aber wenn dann doch jemand durch die Fenster klettert, ausrutscht und sich verletzt, wer haftet dann?“

Dass Verletzungsgefahr besteht, sollte jemand das Gebäude betreten, ist unzweifelhaft. Die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen beinhalten deshalb nicht nur eine Beräumung der Scherben, sondern auch das Absichern des Gebäudes gegen unbefugtes Betreten, so Christian Hütter. Sollte die Frist verstreichen, ohne dass der von der Stadt Lübbenau angenommene Eigentümer entsprechende Maßnahmen vornimmt, werde die Stadt tätig werden. „Dann wird die kostengünstigste und effektivste Variante zur Sicherung vorgenommen, und die Kosten werden dem Eigentümer auferlegt“, so Hütter. Am wahrscheinlichsten sei, dass Fenster und Türen mit Platten vernagelt werden.

Nicht nur der ungesicherte Rasthof ist Volkmar Schloßhauer ein Dorn im Auge. Zum Grundstück gehört auch eine Fläche, auf der häufig Lkw-Fahrer übernachten. Die Grünstreifen dort sind mit ausgedienten Lkw-Reifen und Abfällen vermüllt. Zum Müllsammeln könne er längst niemanden mehr aus Kittlitz überreden: „Wenige Tage später sieht es wieder so aus wie vorher.“