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| 14:58 Uhr

Film ab!
Klein-Hollywood in Calau

In den Sommermonaten gab es Kinoveranstaltung in der Stadtkirche Calau.
In den Sommermonaten gab es Kinoveranstaltung in der Stadtkirche Calau. FOTO: LR / Matthias Nerenz
Calau. Kinoangebot begeistert nicht nur die eingeschworene Filmgemeinde.

Licht aus! Film an! So könnte das Motto des ehrenamtlichen Kinoprojektes der evangelischen Kirchgemeinde Calau sein, welche seit 2013 zu abwechslungsreichen filmischen Highlights regelmäßig einlädt. Zehnmal im Jahr werden Filmbegeisterte in die Gemeinderäume direkt neben der Calauer Stadtkirche eingeladen. Hierbei geht es dem Kinoteam weniger darum, den aktuellen Trends in der Filmszene nachzugehen oder den neuesten Blockbuster zu zeigen, wie Susanne Ziegler, Initiatorin des Calauer Projektes, versichert. Es handele sich vielmehr um Programmkino, welches sich dem Facettenreichtum der Filmwelt verschrieben hat. Dabei werden Komödien und Dramen, aber auch mindestens einmal im Jahr eine Dokumentation dem interessierten Zuschauer präsentiert.

Das Kino-Plakat macht neugierig auf die nächste Vorstellung.
Das Kino-Plakat macht neugierig auf die nächste Vorstellung. FOTO: LR / Schwadt

Das für die Stadt Calau so erfreuliche Kinoangebot kam jedoch eher zufällig zustande, wie Ziegler die ersten Jahre des Projektes Revue passieren lässt. Sie selbst ist gebürtige Calauerin und kehrte vor einigen Jahren in ihre Heimatstadt zurück. Sie schwärmt heute noch vom alten, städtischen Kino, welches jedoch mit dem Ende der DDR geschlossen wurde. Wie viele andere kleinere städtische Kinos, so habe sich auch der Betrieb des Kinos in Calau nach der Wende nicht mehr gerechnet. Dass es kein Kino mehr in Calau gab, während zu DDR-Zeiten selbst in den Dörfern ein Kinovorführer vorbeischaute, um beispielsweise Winnetou-Klassiker abzuspielen, bedauerte Ziegler sehr. „Ein Kino sollte endlich wieder nach Calau kommen“, dachte sie sich. Durch einen glücklichen Kontakt mit dem aus Güstrow stammenden Jens-Hagen Schwadt schien dieses Vorhaben in greifbare Nähe zu gelangen.

Jens-Hagen Schwadt vom Filmklub Güstrow e.V. macht es sich seit mittlerweile mehr als 20 Jahren zur Aufgabe, dem Problem der kino-hungernden ländlichen Gebiete Deutschlands energisch zu begegnen. Ausgehend von Güstrow entwickelte er ein Konzept, in dessen Rahmen Ortschaften ohne Kino mit Filmen versorgt werden. Schwadt kümmert sich insbesondere um die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Filme, die er nach Verhandlungen mit Filmverleih oder direkt mit den Filmemachern in seinen Abspielring aufnimmt. Die Organisation der Filmabende sowie des Abspiel-Equipments liegt hingegen in den Händen der betreffenden Abspielorte. Der Verleih der Filme läuft über das von Schwadt initiierte Projekt „Dorfkino einfach machbar“, was Modellcharakter auch für andere ländliche Regionen aufweist. So konnte Schwadt mit seinem Kino-Konzept nicht nur die ländlichen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns begeistern. War es im Jahr 2013 mit der Calauer Abspielstätte die Fünfzigste des Projektes und die Erste im Land Brandenburg, sind es mittlerweile mehr als 80 Ortschaften bundesweit, die in den Genuss des neuen Kinoangebots gekommen sind.

Dabei sind die Spielorte zumeist über Kirchengemeinden und Kulturvereine organisiert. Das „Kino in Calau“, so wie es in Erinnerung an das alte Kino Calaus genannt wird, fand seine Heimat von Beginn an in der Evangelischen Kirchgemeinde. Hierbei stand Pfarrerin Kathrin Schubert der Kino-Idee sofort aufgeschlossen gegenüber, wie Ziegler dankend erwähnt. Schnell fand sich in der Folge ein engagiertes Kino-Team, das sich an den betreffenden Filmabenden vor Ort um Bestuhlung, Abrechnung und das Wohlergehen der Besucher kümmern. Der Lohn dieser ehrenamtlichen Arbeit ist die Freude in den Gesichtern der Kinogäste nach einem abgespielten Film, wie Ziegler erfreut schildert.

In Calau ist es mittlerweile zur guten Tradition geworden, das mittlerweile treue Stammpublikum, aber immer wieder auch Neugierige, so gut wie jeden Monat ins heimische Kino zu laden. Ein besonderes Highlight stellen hierbei die Sommermonate Juli und August dar, wie Susanne Ziegler erläutert. Denn in der warmen Jahreszeit werden die Filmvorführungen in den Kirchturmeingang der Stadtkirche Calaus verlagert und erhalten dadurch ein sehr eindrucksvolles Ambiente. Aber auch die beginnenden kalten Monate des Jahres bieten sich für einen Kinobesuch an. In einer herzlich-warmen Atmosphäre wird neben dem Filmgenuss auch für eine Verköstigung in Form von Getränken und Snacks gesorgt. Damit dieses Kinoprojekt jedoch auch weiterhin der Region erhalten bleibt, sind engagierte Mitstreiter immer willkommen.

Auch für diesen Monat steht eine filmische Besonderheit auf dem Programm. Am 19. Oktober um 19.30 Uhr wird zum Film „Schweigendes Klassenzimmer“ geladen, der erst im Februar 2018 seine Weltpremiere auf der 68. Berlinale erlebte. Der Film basiert auf einem Buch von Dietrich Garstka und thematisiert eine ostdeutsche Abiturklasse, die sich mit den Opfern des Ungarnaufstandes von 1956 solidarisierte. In diesem Sinne dürfen Filmbegeisterte auf die kommende Vorstellung im Klein-Hollywood Calaus gespannt sein: Licht aus! Film an!