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Kino-Zeitreise in Lübbenau

Wie Lübbenauer einst ihren ersten Kinobesuch erlebt hatten, das haben Spreewaldstädter während der Veranstaltung „Stadtgeschichte in Wort und Bild“ erfahren. Gemeinsam mit der AG Zeitgeschichte erinnerten Autoren an die Eröffnung des „Deutschen Lichtspieltheaters“ im damaligen „Deutschen Haus“ . Von Birgit Keilbach

Es ist der 11. Mai 1919. Voller Erwartung sitzen die Besucher auf den Stühlen im Saal der Gaststätte "Deutsches Haus" und schauen gespannt zur Leinwand. Sie wollen die Eröffnung des "Deutschen Lichtspieltheaters" in Lübbenau miterleben. Plötzlich betritt der Ortspolizist den Saal. "Haben Sie die Veranstaltung überhaupt angemeldet„", fragt er den Kinobetreiber. Auch müsse er kontrollieren, ob die Brandschutzbestimmungen eingehalten seien, erklärt der Ordnungshüter in blauer Uniform mit der Pickelhaube auf dem Kopf.
So ähnlich könnte es sich vor 87 Jahren abgespielt haben, was Gabriela Müller als Kinobetreiberin und Peter Lippold als Ortspolizist am Donnerstag im kleinen Konferenzraum des Lübbenauer Rathauses inszenieren. In der Reihe "Stadtgeschichte in Wort und Bild" lassen sie gemeinsam mit Fritz Heese und Wolfgang Ader sowie mit Unterstützung der AG Zeitgeschichte der Lübbenaubrücke ein Stück Kinogeschichte der Spreewaldstadt wieder lebendig werden.
"Wer weiß schon, dass der Ortspolizist früher immer mit im Kino saß und neben dem Brandschutz auch über die Einhaltung der Zensur wachte", sagt Peter Lippold. Zensurkarten mussten ausgefüllt werden, darin waren die Filminhalte zu dokumentieren.
Was wäre ein Blick in die Kinogeschichte ohne Filme“ Gleich mehrere davon flimmern über die Leinwand im kleinen Konferenzsaal. Sie nehmen die Zuschauer mit auf eine Zeitreise in das Leben der Lübbenauer zwischen den Jahren 1928 und 1973. Historisches Material, das zumeist aus privatem Besitz stammt, ist von Rudi Babben für die heutige Technik aufgearbeitet worden. Kinder fahren im Kahn zur Schule, ein Ochse wird auf dem Wasser transportiert, mit Sense und Harken macht sich eine Familie auf den Weg ins Heu, der Postbote stakt seinen Kahn von Haus zu Haus. Meerrettich, Gurken, Zwiebeln werden verpackt und auf die gleiche Weise transportiert. Die ortskundigen Zuschauer verfolgen das Geschehen aufmerksam. "Das ist die Schule in Lehde." "Das ist Dolzke Nr. 10." "Nein das ist Kaupen", sind leise Kommentare zu den gezeigten Szenen zu hören. Zwischen den einzelnen Filmen bringt Fritz Heese anschaulich Wissenswerte s über Anbau, Ernte und Verarbeitung des Meerrettichs nahe. Wolfgang Ader erzählt interessante Fakten aus der Entwicklung der Schulen in Lübbenau.
Dass die Kinogeschichte in der Stadt bis ins Jahr 1904 zurückgeht, hat Gabriela Müller bei ihren Nachforschungen für die Stadtchronik herausgefunden. "Ein Schreiben an den Magistrat lässt vermuten, dass schon damals ein Wanderkino in der Stadt gastierte", legt sie dar. Im Jahr 1914 habe Max Lange in "Trimolt's Sälen" in der Vorstädtischen Hauptstraße mit Filmvorführungen begonnen. Während des 1. Weltkrieges habe seine Frau den Kinobetrieb aufrechterhalten. Nach dem zweiten Weltkrieg habe sich die Kinolandschaft noch erweitert, auch im Kulturhaus der Gewerkschaften (Holzoper) sowie dem Reichsbahnkulturhaus "Neues Leben" hätten Filmvorführungen stattgefunden. Im Jahr 1962 sei das "Deutsche Haus" in "Spreewaldlichtspiele" umbenannt worden, berichtet die Chronistin.