Von Rüdiger Hofmann

„Wir wünschen uns eine Verbesserung des Wohnumfelds und der Spielplätze, dass der Müll in der Stadt beseitigt wird, und dass wir nicht immer erst ins Schwimmbad nach Lübbenau fahren müssen“, sagen Sarah Eckinger, Haylee Ackermann und Selin Eker. Sarah geht in die vierte, Haylee und Selin in die sechste Klasse am Dr. Albert Schweitzer Schulzentrum in Vetschau. Interessiert nehmen die drei Mädels neben weiteren Jugendlichen an der ersten von der Stadt Vetschau organisierten Netzwerkkonferenz zur Kinder- und Jugendbeteiligung teil. Im Bürgerhaus nehmen auch Eltern, Lehrer, Ortsvorsteher und Sozialarbeiter Platz.

Die Wünsche und Ideen formulieren Sarah, Haylee und Selin in einer von drei Arbeitsgruppen, die an diesem Nachmittag ins Leben gerufen werden. „Was verbindet ihr mit den Themen Bauen, Wohnen und Leben?“, fragt Schuldirektor Steffen Bretschneider, der die Moderation der Gruppe übernimmt und wichtige Punkte auf ein Flipchart projiziert. Über den Erhalt des Vetschauer Sommerbades inklusive neuer Rutsche würden sich die Jugendlichen beispielsweise freuen. Ein Jugendclub fehle aktuell, zudem wollen die angehenden Erwachsenen über den Zwischenstand der Arbeiten am Haus 4 des Schulzentrums gern unterrichtet werden.

Was die Kommunikation zwischen Stadt und Jugendlichen anbelangt, wäre ein elektronischer Briefkasten mit entsprechendem Ansprechpartner sinnvoll, heißt es in der Gruppe weiter. Auch sollten Informationen, die von der Stadt kommen, zum besseren Verständnis kinder- oder jugendgerechter formuliert werden.

In der zweiten Gruppe geht es um  Kultur, Sport und Freizeit. „Wir wünschen uns mehr Angebote für die 13- bis 16-Jährigen“, fassen die Teilnehmer zusammen. „Und einen Raum zum Chillen im Jugendfreizeithaus.“ Beim Thema Sport wird eine AG Handball ins Spiel gebracht. Und was stört die Jugend? „Dass einige Erwachsene regelmäßig an öffentlichen Plätzen herumlungern“, so die Jugendlichen.

Die dritte Gruppe diskutiert mit Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos) über weitere Möglichkeiten der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Eine Gruppe Gleichgesinnter müsse gebildet werden, wobei Schulleiter ebenso wie Schülersprecher bei Gesprächen einbezogen werden sollten. Bei der Stadt wünscht sich die Jugend einen zentralen Ansprechpartner, der die Themen im Rathaus bündelt und an den sich die Schüler wenden können.

Seit Juni 2018 ist im Paragraf 18 a der Brandenburgischen Kommunalverfassung die Kinder- und Jugendbeteiligung mit vielen Facetten verankert. Die Formen der Beteiligung werden in den Hauptsatzungen der Kommunen festgeschrieben. „Es gibt sieben Argumente für eine Beteiligung der Sechs- bis 18-Jährigen in einer Stadt“, sagt Dominik Ringler vom Kompetenzzentrum Kinder- und Jugendbeteiligung Brandenburg, der als Moderator durch die Netzwerkkonferenz führt. „Sie macht stark, ist bereichernd, gerecht, fördert Demokratie, ist legal, bildet, und sie ist notwendig“, fasst Ringler kurz und knackig zusammen.

Nadine Wegner, Fachbereichsleiterin Ordnung und Soziales der Stadt Vetschau, zeigt während der Konferenz, wie Vetschau Kinder und Jugendliche bereits beteiligt. „In den Kitas haben wir unter anderem die Hortsprecher oder die Kindersprechstunde mit Erziehern des Vertrauens. In den Schulen treten Schülersprecher in Aktion, und es finden Schulkonferenzen statt. Und im Bereich der Jugend- und Sozialarbeit gibt es Klassenräte, die Stadtrallye, Streitschlichter und die mobile Cocktailbar“, so Wegner. Jugendliche dürften auch an der Einwohnerfragestunde in den Fachausschüssen oder der Stadtverordnetenversammlung teilnehmen und Einsicht nehmen in Sitzungsunterlagen.

Generell wird die erste Netzwerkkonferenz von den Akteuren als Erfolg bewertet. „Wir sehen, es ist Interesse da an diesem wichtigen Thema, das wir aber nicht überfrachten sollten“, fasst Bürgermeister Kanzler zusammen. Ein Folgetreffen soll es geben. Und Moderator Ringler ergänzt: „Die Stadt kann sich glücklich schätzen über die vielen Schülerideen. Manch ein externer Berater würde dafür ein horrendes Honorar kassieren.“