Von Ingvil Schirling, Andreas Staindl und Rüdiger Hofmann

In Lübben steckt die Entwicklung noch in den Anfängen. Doch das Interesse ist von Seiten der jungen Leute da. „Wie wollen Sie das Thema weiter voranbringen?“, fragte kürzlich Robin in der Stadtverordnetenversammlung. Den Beratungen ist regelmäßig eine Einwohnerfragestunde vorgeschaltet, und die nutzte er für seinen Beitrag. Ein Jahr sei es her, dass Kinder und Jugendliche zu ihrer möglichen Beteiligung angesprochen worden seien. „Unserer Meinung nach ist seither nichts passiert“, kritisierte er und hatte dabei auch die Kommunalwahl im Mai im Blick. „Wie sollen Erstwähler einen Anreiz bekommen, ihre Stimme abzugeben? Viele werden nicht wählen gehen, obwohl sie das Anrecht hätten“, warnte er.

Lübbens Bürgermeister Lars Kolan (SPD) musste einräumen: „Sicher hätten wir etwas mehr oder überhaupt etwas machen können.“ Er kritisierte in diesem Zuge, dass die Kommunen mit dem Thema alleingelassen würden. Dörthe Ziemer als Zuständige für Öffentlichkeitsarbeit stellte klar: „Wir haben an dem Thema gearbeitet, leider noch nicht sichtbar.“ Gespräche hätte es gegeben, aber man habe nicht so richtig zueinander gefunden. Die entscheidende Frage sei: Wie fängt man es an? Mache der Bürgermeister oder die Verwaltung Vorschläge, wisse man nicht, ob man die Lebenswirklichkeit der jüngeren Generation treffe. Deshalb habe man den umgekehrten Weg gewählt und mit Hilfe der Kinder- und Jugendbegegnungsstätte „Die Insel“ zunächst Jugendliche nach ihren Wünschen befragt. Die Ergebnisse würden noch ausgewertet.

Eine Netzwerkkonferenz mit der BTU Cottbus-Senftenberg zur Kinder- und Jugendbeteiligung planen auch Calaus Stadtverordnete in den kommenden Wochen – mit der Fachstelle Kinder- und Jugendbeteiligung des Landes Brandenburg. Gute Ansätze gibt es in der Witzestadt: So werden die Trafostationen von Jugendlichen mit Graffiti gestaltet. Bürgermeister Werner Suchner (parteilos) bietet seit Jahren Sprechstunden für die Jugend an. Eine geschickte Verzahnung von Schule und Kommunalpolitik soll bald auch durch eine Kinder- und Jugendvertretung in verschiedenen Gremien, einem Jugendparlament oder durch die Teilnahme an öffentlichen Ausschusssitzungen sichergestellt werden. Vereine wie SV Lok Calau oder Blau-Weiß Vetschau leisten ihrerseits gute Arbeit im Nachwuchsbereich. „In die Hauptsatzung soll die Jugendbeteiligung fest verankert werden“, sagte Kathrin Dannenberg (Die Linke) im jüngsten Sozialausschuss.

Lübbenau ist da schon einen Schritt weiter und der Passus bereits enthalten. Zur eigenständigen Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen werden in der Stadt künftig ein Kinder- und Jugendforum geschaffen oder die Teilnahme an Arbeitsgruppen des Stadtforums zugesichert. Auch sollen Stadtrundgänge durchgeführt werden, in denen die Jugendlichen Vorschläge unterbreiten können, wie ihre Heimatstadt noch kind- und jugendgerechter gestaltet werden kann. Ebenso bei der Entwurfsplanung von Freizeitanlagen und Freianlagen an Kindereinrichtungen und Schulen wird die Lübbenauer Jugend einbezogen, heißt es in der Satzung.

Auch in Luckau wollen die jungen Leute mitgestalten und sich aktiv einbringen. „Ich finde es super, dass wir künftig beteiligt werden müssen“, sagt Kai Zeibig. Der 15-jährige Schüler hat seine Meinung nicht exklusiv. Auch andere Jugendliche wollen mitreden, wenn es um sie betreffende Belange in Luckau geht. Das wurde während des Kinder- und Jugendstammtischs kürzlich in der Berstestadt deutlich. Sozialarbeiter und Verwaltung hatten eingeladen. Ziel war es, den Nachwuchs über Beteiligungsmöglichkeiten zu informieren und über geeignete Strukturen sowie Instrumente zu diskutieren. Das Interesse war „erstaunlich groß. Ich habe so viele Teilnehmer nicht erwartet“, sagt die Sozialarbeiterin Birgit Neumann von der Arbeiterwohlfahrt (AWO).

Die Beteiligungsmöglichkeiten der Kinder und Jugendlichen sollen auch in Luckau in der Hauptsatzung festgeschrieben werden. Hauptamtsleiterin Birgit Lehmann hat erste Hinweise erhalten. Dazu gehört, dass die Jugendlichen kein starres Gremium, auch keinen Beirat wünschen, sondern ihr Recht in einem offenen Forum wahrnehmen wollen, durchaus jedoch mit einem Vorstand als Sprachrohr für den Nachwuchs.

Zudem sollen Kommunalpolitiker und Verwaltung Kinder und Jugendliche direkt an deren Wirkungsstätten wie Schulen und Horte aufsuchen, um mit ihnen Vorhaben zu diskutieren. Geplant ist auch, eine Kinder-und Jugendfragestunde zu Beginn von Stadtverordnetenversammlungen in der Hauptsatzung festzuschreiben. Im Februar soll es die erste Lesung der Satzung, zwei Monate später die Beschlussfassung, geben.

Außerdem wird nach Möglichkeiten gesucht, sich gegenseitig zu informieren oder in Kontakt zu treten. Der Nachwuchs favorisiert den Online-Dienst Instagram. Er sprach sich für regelmäßige Stammtische aus, zu denen alle Kinder und Jugendlichen von Luckau inklusive der Ortsteile eingeladen sind. Vorbereitung und Einladung sind Sache der jungen Leute. Verwaltung und Sozialarbeiter bleiben Ansprechpartner.