Enrico Kullick ist seit Jahresbeginn der neue Ansprechpartner für Kinder- und Jugendbeteiligung der Stadt Calau. Die RUNDSCHAU sprach mit dem 40-Jährigen über seine künftigen Aufgaben und eine wichtige bevorstehende Konferenz in der Stadt.

Herr Kullick, Sie sind ja schon länger im sozialen Bereich tätig. Was haben Sie bislang gemacht und wie kam es nun zu der neuen Aufgabe, die so neu gar nicht ist?

Kullick Ich arbeite seit rund 20 Jahren in der Freien Jugendhilfe Niederlausitz. Da haben wir bereits etliche Projekte durchgeführt, die sich um Kinder- und Jugendbeteiligung drehen. Mein Hauptbüro befindet sich im Kinder- und Jugendbegegnungszentrum in der Mühlenstraße 77.

Ursprünglich aufgewachsen bin ich in dem Lübbenauer Ortsteil Groß Lübbenau, habe Mediengestalter Bild und Ton gelernt und mich anschließend weiter qualifiziert für die Kinder- und Jugendarbeit. Das Ganze habe ich zunächst ehrenamtlich gemacht.

Schnittstelle zwischen Jugend und Verwaltung

Calau setzt nun mit meiner Einstellung den Paragrafen 18a der Brandenburgischen Kommunalverfassung um. Darin ist geregelt, dass alle Prozesse in der Stadt, die Kinder und Jugendliche betreffen, entsprechend berücksichtigt und gesteuert und die Jugendlichen angehört und einbezogen werden müssen.

Ich sehe mich selbst als Schnittstelle zwischen Stadtverwaltung, Kommunalpolitik und den jungen Leuten. Wollen junge Menschen ernst genommen werden, brauchen Sie einen Ansprechpartner, den sie einerseits kennen und dem sie auch vertrauen. Rund zehn Stunden die Woche bin ich in dieser Funktion tätig. Man erreicht mich für Fragen, Ideen und Anregungen immer dienstags oder nach Vereinbarung im Zimmer 3 des Calauer Rathauses.

Enge Zusammenarbeit mit den Schulen

Warum ist es für Sie so wichtig, der Ansprechpartner für die Jugend zu sein?

Kullick Wir wollen, dass sich die Kinder und Jugendlichen in Calau wohlfühlen und später, nach der Schule oder der Ausbildung, auch hier bleiben. Sie sollen frühzeitig eine Bindung aufbauen – neben ihrem Freundeskreis auch zu ihrem Block, zu ihrer Straße, zu ihrem Wohnviertel, zu ihrem Stadtteil.

Dazu arbeiten wir eng mit den Schulen, Vereinen und in verschiedenen Netzwerken zusammen. Kreisweit sind wir beispielsweise gut vernetzt mit Lübbenau und Vetschau. Grundsätzlich ist das Thema Kinder- und Jugendbeteiligung nicht neu, es ist nun aber auch politisch gewollt.

Die Jugend mischt zunehmend mit

Man merkt es schon: Bei städtischen Projekten mischt die Jugend zunehmend mit. Seit dem 30. Juni 2018 sind die Kommunen in Brandenburg auch verpflichtet, Kinder und Jugendliche in allen sie berührenden Gemeindeangelegenheiten zu beteiligen. Das wurde Ende des vergangenen Jahres auch im Sozialausschuss deutlich. Worum ging es da?

Kullick Es ging um die Schulhofgestaltung am Carl-Anwandter-Haus und um Graffitiarbeiten am Giebel des Gebäudes der Freien Jugendhilfe Niederlausitz e. V. Kinder und Jugendliche präsentierten ihre Ideen und Umsetzungen den Abgeordneten.

Besonders stolz sind wir bei diesem Modellprojekt auf den entstandenen Leitfaden für die Kinder- und Jugendbeteiligung, der für künftige Projekte als Handlungsempfehlung dienen wird.

Es geht aber nicht darum, dass die Kinder permanent unzählige unerfüllbare Wünsche äußern, die nicht bezahlbar sind. Sondern darum, Erwachsene und Jugendliche zusammenzubringen, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen und den Wohlfühleffekt beim Leben in der Stadt zu steigern.

Die Wünsche der jungen Leute

Was wünscht sich denn die Jugend von heute?

Kullick Viele Wünsche sind tatsächlich eher klassischer Natur und meist auch konservativ. Guter Job, Familie, Haus. Vielmehr geht es ihnen aber darum, sich altersgerecht einzubringen und mit ihren Ideen dazu beizutragen, dass manche Dinge für sie einfach verbessert werden. Da konnten wir ja in der Vergangenheit bei Aktionen wie der Stadtrallye oder Gesprächsrunden mit dem Bürgermeister wichtige Erkenntnisse gewinnen. Sei es in einer Straße oder auf einem Spielplatz. Viele Calauer Kids und Jugendliche möchten sich einfach für ihre Stadt engagieren. Und genau das wollen wir künftig auch erreichen.

Starterkonferenz am 18. März

Was sind die nächsten Projekte, die Sie ansteuern?

Kullick Im Vordergrund steht nun eine Starterkonferenz am 18. März in der Calauer Stadthalle. Beginn ist um 17 Uhr. Hauptsächlich sind die Kinder und Jugendlichen der Stadt Calau angesprochen. Aber auch jeder andere, der sich mit Ideen einbringen möchte, ist herzlich willkommen. Die Kinder und Jugendlichen sollen mit Multiplikatoren ins Gespräch kommen und Ideen entwickeln, wie sie sich künftig in unserer Stadt einbringen möchten. Wir werden dazu noch schriftliche Einladungen versenden und Schulen direkt ansprechen.

Es soll aber keine Massenveranstaltung werden, nur damit viele Leute kommen. Wir wollen die erreichen, die sich aktiv beteiligen möchten. Ein erstes Multiplikatorentreffen hat es Ende Januar bereits gegeben. Involviert waren die Leute, die mit Kindern zusammenarbeiten: Feuerwehr, Vereine, Schulen, Vertreter vom Karneval und aus den Ortsteilen. Darauf bauen wir jetzt auf.

Zum Thema: Enrico Kullick ist telefonisch im Calauer Rathaus erreichbar unter 03541/891-130 oder per E-Mail unter kjb@calau.de.