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Kinder machen Druck im Rathaus

"Herr Bürgermeister, kannst du mal halten", bittet der aufgeweckte Karl Luboch (r.) beim Calauer Stadtoberhaupt Werner Suchner um eine tragende Rolle. Noch im Rathaus wollte der Siebenjährige Mutter Nicole die von ihm geschaffenen Werke zeigen.
"Herr Bürgermeister, kannst du mal halten", bittet der aufgeweckte Karl Luboch (r.) beim Calauer Stadtoberhaupt Werner Suchner um eine tragende Rolle. Noch im Rathaus wollte der Siebenjährige Mutter Nicole die von ihm geschaffenen Werke zeigen. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Calau. Ein Calauer Kunstprojekt ist auf die Zielgerade eingebogen. Fortan zieht eine Ausstellung von Drucktechnik-Werken im Treppenflur des Rathauses die Blicke von Mitarbeitern und Besuchern der Stadtverwaltung auf sich. Hinter dem Projekt steht ein Künstlerkreis von 13 Kindern der Calauer Grundschule um ihren künstlerischen Begleiter Henry Krzysch. Uwe Hegewald / uhd1

Seit der zurückliegenden Woche sieht sich die Calauer Stadtverwaltung unter Druck gesetzt. Zugegeben: angenehmer Druck in Form von bemerkenswerten Werken junger Künstler, die diese während einer Ferienwoche geschaffen haben.

"Was geht mit Druck" lautete der Arbeitstitel während des fünftägigen Treffens, immer in der Zeit von 8 bis 16 Uhr. Wie Henry Krzysch zur Ausstellungseröffnung im Trauzimmer des Rathauses informierte, konnten sich die Nachwuchskünstler dabei gleich an mehreren Drucktechniken ausprobieren. "Linol- und Pappdruck, Holzschnitt, Radierung, aber auch Druck auf Fliesen und Schaumstoffplatten", zählte er auf.

Was die Suche nach Motiven anbetrifft, begab sich der Künstlerkreis mit Darstellungen aus der Sagenwelt auf bewährte Wege. "Die Ausstellung stellt eine weitere Ergänzung zu unseren zwei Calauer Sagentouren, zur WBC-Sagenwohnung und zum Sagenpfad in Werchow dar", ließ Bürgermeister Werner Suchner anklingen.

Partner fanden sich

Fast sagenhafte Formen nahm auch die Entwicklung des Projektes an, eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Um eine Förderung des Projektes aus dem Programm "Kultur macht stark" zu erhalten, galt es eine Bündnispartnerschaft zu gründen: der Förderverein der Grundschule Calau, die "Freie Jugendhilfe Niederlausitz" e. V. (Calau) und das Interforum Cottbus.

"Um überhaupt ein Votum zu bekommen, musste ein tragfähiges Konzept her und dieses nochmals konkretisiert werden", sagte Traute Wiegand vom Interforum. Die Ausstellung und Dokumentation fürs Ministerium bilden nun den finalen Höhepunkt des Projektes "Was geht mit Druck".

Henry Krzysch zeigte sich beeindruckt vom Eifer "seiner" Eleven. Zahlreiche kleine Kunstwerke seien entstanden, viele davon in mehreren Drucketappen, um eine größere Anzahl von Farben aufs Blatt zu bringen. Bester Beleg für die Leidenschaft waren die dunkel gefärbten Finger der Kinder, am Ende eines Arbeitstages im Atelier. Jedes Bild, welches für die Ausstellung im Rathaus ausgewählt wurde, spreche für sich und die experimentierenden Mädchen und Jungen. Unter ihnen überdurchschnittlich begabte Schüler, wie Krzysch am Beispiel von Lukas Krebs zeigte. "Der Elfjährige hat ein Händchen dafür, ein Bild zu bauen. Ihm ist vorher klar, was er ausdrücken möchte und wie er es umsetzt", würdigte der Lehrmeister dessen "vorausschauendes Arbeiten."

Werner Suchner stimmte in den Lobgesang ein: "Ihr seid heute die Stars und der Grund, warum wir zur Ausstellungseröffnung das gute Trauzimmer aufgeschlossen haben. Das passiert nur zu besonderen Anlässen", bemerkte das Stadtoberhaupt im Beisein von Stadtverordneten, Mitarbeitern der Verwaltung, Eltern und Großeltern.

Bis Jahresende zu sehen

Mindestens bis zum Jahresende kann die Ausstellung zu den Öffnungszeiten der Stadtverwaltung besichtigt werden. Zusätzlich zum Calauer Weihnachtsmarkt (3./4. Dezember), wenn Schwibbogen-Sammler Fred Zickert und die Druck-Grafiken ins Rathaus locken. Inklusive der Gelegenheit sich im Gebäude kurzzeitig zu akklimatisieren. Denn Druck - so sagt es die Physik - erzeugt bekanntlich Wärme.