Von Liesa Hellmann

Zweige, Federn, Grasrispen, buntes Laub, verschieden farbiges Moos, Rinde, Wurzeln, Schneckenhäuser – die Auswahl an Naturmaterialien ist groß für die Kinder, die an diesem Wochenende im Lübbenauer Kulturzentrum Gleis 3 gemeinsam kreativ werden wollen. Zum zehnten Mal findet dort das Kinder-Kunst-Festival statt: 24 Mädchen und Jungen im Grundschulalter aus den Partnerstädten Nowogród Bobrzański, Świdnica und Lübbenau gestalten gemeinsam Masken, Baumstämme und spielen Theater.

In drei künstlerischen Workshops nähern sie sich dem Thema „Wurzeln“. Der Begriff darf ganz wörtlich genommen werden, wie die bildende Künstlerin Eva Heitzmann erklärt. Mit ihr werden die Kinder zwölf Baumstämme gestalten, die zur Abschlusspräsentation wie ein kleiner Wald auf der Bühne stehen werden. Bäume im Wald „bilden Symbiosen und wachsen zusammen“, erklärt sie und überträgt das Bild auf die Kindergemeinschaft: „Wurzeln sind die Basis, die man hat und die jedes Kind empfindet, etwa in der Familie, in Geschichten oder auch in Gebräuchen.“

Im Vordergrund steht das entdecken von Gemeinsamkeiten

Um Folklore oder Heimattümelei solle es dabei explizit nicht gehen. „Der Heimatbegriff wird oft abgrenzend gebraucht“, sagt Sylvia Burza. „Die Kinder sollen ihre Gemeinsamkeiten erleben und zusammenwachsen.“ Gemeinsam mit Matthias Greupner leitet die Schauspielerin den Theaterworkshop. Sie freut sich „auf die Fantasie der Kinder, auf das Sprachengewirr, auf das, was im gemeinsamen Spiel wächst.“ Mit den Kindern wollen sie erkunden, was mit Mensch und Natur im Wechsel der Jahreszeiten passiert. Am Ende wird eine Geschichte stehen, die die Kinder bei der Abschlusspräsentation im Wechselspiel mit den gestalteten Bäumen und Masken vorführen werden. Wie genau sie aussieht, kann Sylvia Burza noch nicht sagen: „Beim Theater kommen die Fantasien vieler zusammen. Da kann man nie alles vorher planen.“

Teil der Aufführung werden – wenn die Kinder es wollen – auch Masken sein, die Iris Bösche und Regine Lehmann mit ihnen gestalten wollen. Dafür liegen Farben und kistenweise Naturmaterialien bereit, die von zahlreichen Sammlerinnen und Sammlern gespendet wurden.

Die 25. Teilnehmerin schlägt Wurzeln in Lübbenau

Sorge, dass es mit der Verständigung nicht klappt, haben die Künstlerinnen nicht: „Kinder schaffen es immer, sich zu verständigen. Und Theater und Malerei funktionieren auch nonverbal“, sagt Sylvia Burza, die bereits beim Kinder-Kunst-Festival vor drei Jahren in Lübbenau mitgewirkt hat. Zudem sind zwei Übersetzerinnen dabei, die bei der Kommunikation mit den 24 Kindern aus zwei Ländern unterstützen.

Für die „25. Teilnehmerin“, wie Eva Heitzmann sie nennt, braucht es keine Dolmetscherin: Die Gastgeberstadt Lübbenau hat eine Flatterulme angeschafft, die das Wochenende bei den Kindern im Kulturzentrum Gleis 3 verbringt. Anschließend soll der Baum des Jahres 2019 beim neuen Lübbenauer Spielplatz an der Poststraße eingepflanzt werden. „Die Kinder werden also in Lübbenau gewissermaßen Wurzeln schlagen“, sagt Eva Heitzmann.

Am Sonntag, 14. April, werden die Kinder ihre Ideen auf die Bühne bringen: Bei der öffentlichen Abschlussveranstaltung werden sie zeigen, was „Wurzeln“ für sie bedeuten. Beginn ist um 13 Uhr in der Bunten Bühne, der Eintritt ist frei.