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| 17:31 Uhr

Heimflug
Kinder im Spreewald warten auf die Störche

Die Winterquartiere der Störche befinden sich in Ost- bis Südafrika. Die Vögel können eine Flugrouten von bis zu 100 000 Kilometer zurücklegen.
Die Winterquartiere der Störche befinden sich in Ost- bis Südafrika. Die Vögel können eine Flugrouten von bis zu 100 000 Kilometer zurücklegen. FOTO: Jenny Theiler / LR
Boblitz. Eine Experten des Naturschutzbundes Nabu hat beim Nachwuchs in der Kita von Boblitz das Interesse für die faszinierenden Zugvögel geweckt. Jetzt warten die Kinder gemeinsam und mit viel Sachverstand auf die Rückkehr der Spreewald-Störche. Von Jenny Theiler

„Wer weiß denn noch, wie unser Brutpaar heißt“, fragt Gabriele Kühnel in die Nachmittagsrunde der Kita Storchennest. Die sieben- bis neunjährigen Hortkinder stehen vor einer Weltkarte, auf der sich bewegliche Storchenfiguren befinden. Die realen Störche hinter den Figuren haben bereits den Heimflug aus dem Winterquartier im Süden Afrikas angetreten und können, dank Peilsendern im Gefieder, genau lokalisiert werden. „Wer trifft sich im Sommer wieder und heiratet“, fragt die Nabu-Fachfrau die aufmerksame Gruppe. „Ronja und Michael“, erinnert sich ein junger Vogelkundler und zeigt auf der Karte stolz, wo sich die Tiere befinden.

Jeden Dienstag besucht Gabriele Kühnel für eine Stunde die Kita „Storchennest“ in Boblitz. In dieser Zeit beschäftigt sich die Naturbeauftragte eine Stunde lang mit den Hortkindern zu verschiedenen Themen rund um Natur und Umwelt. Passend zum Namen der Kita, aber auch mit Hinblick auf den regionalen Bezug, spielt der Storch und seine Lebensweise hierbei eine besondere Rolle. „Mit dem Storchenprojekt soll den Kindern nicht nur das Verständnis für die Natur, sondern auch ein Heimatbewusstsein vermittelt werden“, erklärt Gabriele Kühnel. Die besenderten Störche haben, auch wenn sie nicht aus der Lausitz, sondern aus Norddeutschland stammen, alle einen Namen. So bauen die Kinder eine emotionale Bindung zu den Tieren auf und entwickeln somit ein erstes Interesse an der Natur.  

Seitdem Gabriele Kühnel vom Nabu-Regionalverband Calau im Ruhestand ist, organisiert sie mit der Kita Naturprojekte, Wanderungen durch den Spreewald und die wöchentlichen Arbeitsgruppen mit den Hortkindern. „Wir achten auch darauf, mit den Kindern viel in der Natur zu unternehmen, aber es ist immer gut, wenn uns jemand mit Fachwissen unterstützen kann“, erklärt Kitaleiterin Heidrun Jahn. Sofern es die Wetterlage zulässt, werden interaktive Spaziergänge und Wanderungen durch die Lausitzer Naturlandschaften von den Kindern immer gern unternommen und sogar gewünscht, wie auch Erzieher Marcel Pehla bestätigt. „Das Wissen bleibt viel schneller hängen, wenn es spielerisch verpackt ist und nicht nur in einem Zimmer vermittelt wird“, so der Erzieher.

Ein Blick auf den Arbeitstisch verrät das aktuelle Thema – heimische Vögel. Aufmerksam und fachkundig diskutieren die Grundschüler über die Nistgewohnheiten von Störchen und offenbaren einen Wissensschatz, der manch Erwachsenem kaum noch aus seiner Schulzeit in Erinnerung geblieben ist. Für die Störche scheinen sich die jungen Naturfreunde besonders zu interessieren. „Wenn die Störche im Frühling wieder zurück sind, wird es das nächste Storchenprojekt geben“, verrät Marcel Pehla. Die Storchenkamera in Raddusch hat Mitte August den letzten Storch in der Gegend gesichtet. Sobald die ersten Zugvögel wieder eintreffen, kann das Brutgeschehen im Nest wieder live im Internet beobachtet werden. Weitere Informationen rund um die Lausitzer Störche unter http://www.storchennest-raddusch.de/

Weißstörche betreiben einen ausgiebigen Nestbau und bleiben dem Brutort über Jahrzehnte lang treu. Foto: Felix Kästle/dpa
Weißstörche betreiben einen ausgiebigen Nestbau und bleiben dem Brutort über Jahrzehnte lang treu. Foto: Felix Kästle/dpa FOTO: Felix Kästle / dpa