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| 18:12 Uhr

Hilfsaktion
Kinder bekommen Fürsorge

Die beiden Zwillinge sind acht-Monats-Kinder. Die Vetschauer Ärztin hat beide ins Krankenhaus eingewiesen.
Die beiden Zwillinge sind acht-Monats-Kinder. Die Vetschauer Ärztin hat beide ins Krankenhaus eingewiesen. FOTO: Ute Arend
Chittagong. Die Vetschauer Ärztin Ute Arend ist seit vier Wochen für German Doctors unterwegs. Sie hilft den Armen in Chittagong, der zweitgrößten Stadt im Südosten von Bangladesch. Heute berichtet sie über das Ernährungsprogramm für Kinder.

Immer wenn wir einmal wöchentlich hier direkt im Slum in unserem Community based Center (CbC) arbeiten, kann ich durch ein schmales Fenster einen Blick in den schönen großen Raum mit dem gefliesten Fußboden neben mir werfen. Hier versammeln sich ab 9 Uhr Mütter mit ihren unterernährten Kindern in unserem „feeding programm“. Zunächst werden die Kinder genau auf zehn Gramm gewogenen und es wird gefragt, ob sie irgendwelche Beschwerden haben. Danach nehmen alle auf einem langen Läufer Platz, und jedes Kind bekommt seine Reisschüssel und einen Becher mit einem speziellen eiweißreichen Drink. Nicht jedes Kind mag den Reis, so manche Mutter muss sich mühen. Aber andere Kinder hauen richtig rein.

Eine Mitarbeiterin wacht mit Argusaugen darüber, dass alle Kinder aufessen. Zum Schluss gibt es noch eine kleine Banane. Aktuell sind 31 Kinder in das Ernährungsprogramm eingeschrieben, aber leider sich nicht immer alle da. Bereits kurz nach der Eröffnung des CbC durch die German Doctors wurde mit dem „feeding programm“ begonnen. 2012 waren dann 217 kleine Patienten im Ernährungsprogramm eingeschrieben. 2013 waren es 96 und seitdem bewegt sich die Zahl zwischen 78 und 56 pro Jahr. 2017 waren es 73 kleine unterernährte Patienten.

Ich glaube, dass kann man als großen Erfolg werten, wenn auch leider nicht alle Kinder überlebt haben. Die Kinder bekommen hier drei Mahlzeiten am Tag; morgens, mittags und abends. Den ganzen Vormittag verbringen sie hier.

Nach dem Frühstück krabbeln die Kleinen herum und die Mütter tauschen sich sicher auch untereinander aus und bekommen täglich eine Schulung, zum Beispiel wie man richtig stillt, wie man sich bei Durchfall verhält, zur Hygiene. Gelegentlich gehe ich mal rüber und setze mich kurz dazu.

Sie spielen so lieb und ausgelassen miteinander. Die Mütter haben einige auf kleine Schaukelpferde gesetzt und das gefällt den Kleinen. Nacheinander werden mir die Kleinen einfach so in die Hand gedrückt. Sie haben gar keine Angst.

Besonders gefreut habe ich mich über ein kleines Mädchen. Sie ist erst seit 12. Januar dabei und hat schon 700 Gramm zugenommen. Mit ihren 13 Monaten war sie aber auch klein. Sie hatte nur 4,21 Kilogramm zu Beginn gewogen. Jetzt bringt die Mutti sie allerdings, da sie eine Bronchitis entwickelt hat.

Anders sah es da schon bei einer Kleinen aus, die ich schon einmal gleich am Anfang gesehen habe. Sie hat überhaupt nicht zugenommen, im Gegenteil innerhalb der letzten Woche sind es sogar noch 100 Gramm weniger geworden. Da mache ich mir richtig Sorgen. Aber der Grund ist leider, dass die Mutti nicht täglich mit ihrem Kind kommt.

Nach der Mittag und Abendmahlzeit gehen die Mütter und Kinder nach Hause. Regelmäßig bekommen wir die Kinder in der Sprechstunde vorgestellt. So begutachten wir, ob Fortschritte zu erkennen sind und müssen leider immer wieder Infekte und Durchfall behandeln. Die unterernährten Kinder sind nicht nur aus diesem Slum, sondern werden generell von unserer Ambulanz ins CbC überwiesen.

Um festzustellen, ob ein Kind unter fünf Jahren an Unterernährung leidet, messen wir einfach den mittleren Oberarmumfang. Ist er zu niedrig, ist dies ein sicheres Zeichen. Die Ursache für Unterernährung ist vor allem die Armut unserer Patienten. Sie können sich keine teure Babynahrung leisten, nicht einmal eine Banane, die fünf Cent kostet Die vielen Infekte, Tuberkulose, Masern und die Wurmerkrankungen der Kinder führen ebenfalls dazu, dass sie nicht richtig gedeihen. So bekommen alle unsere Kinder zwei Mal Jahr eine Tablette gegen Würmer. mit Eisen- und Multivitamintabletten gehen wir recht großzügig um. 

Drei Mahlzeiten bekommen die Kinder pro Tag. Im vergangenen Jahr waren 73 Kinder im Ernährungsprogramm der German Doctors.
Drei Mahlzeiten bekommen die Kinder pro Tag. Im vergangenen Jahr waren 73 Kinder im Ernährungsprogramm der German Doctors. FOTO: Ute Arend
Die Vetschauer Ärztin Ute Arend.
Die Vetschauer Ärztin Ute Arend. FOTO: Ute Arend