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| 01:03 Uhr

Kesse Sprüche in farbige Bilder verwandelt

Lübbenau.. Ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm hat bei ihrem einwöchigen Besuch die norwegische Schüler-Delegation aus Fredrik stad bei Oslo in der Spreewaldstadt erlebt. Zu einem Höhepunkt ihres Aufenthaltes gestaltete sich der Kunstunterricht der 19 norwegischen Schülerinnen und Schüler am Freitag am Paul-Fahlisch-Gymnasium. Am Abend verabschiedeten Lehrer, Freunde und Gasteltern die Austausch-Schüler in ihre skandinavische Heimat. Von Bernd Marx

"Bei uns in Norwegen gibt es keinen obligatorischen Musik- oder Kunstunterricht an den Schulen", bemerkte Oberstudienrat Per Olavesen (66) als die 19 norwegischen Schülerinnen und Schüler im Kunstkabinett des Paul-Fahlisch-Gymnasiums Platz nahmen.
Stunden vorher hatten die 17-jährigen Jugendlichen aus Fredrikstad, etwa 150 Kilometer südlich von der norwegischen Hauptstadt Oslo gelegen, die Möglichkeit gehabt, Fragen zur zeitweiligen Wahlheimat Deutschland, dem Land Brandenburg oder zur Region Spreewald zu stellen.
Ralph Fritzsch, Lehrer für Deutsch, Geschichte, Politik und langjähriger Betreuer der norwegischen Schüler-Delegationen, beantwortete sach- und fachkundig die Fragen der Austauschschüler. Wanderführer und Bilderserien über den Spreewald wurden den weit gereisten Gästen als Souvenir übergeben. "Mir gefällt es in Deutschland sehr gut und ich finde die Menschen sehr nett und gastfreundlich", sagte Austauschschülerin Kristina Rudnicka in perfektem Deutsch.
"Mittels der Motive der bekannten Stabkirchen in ihrer Heimat, möchte ich ihnen die Techniken der Monotypie vorstellen", erklärte Barbara Rothe, Lehrerin für Deutsch und Kunst, und weihte die Schüler in die Handhabung der Farbrolle und in die Geheimnisse der Farbmischungen ein. Gekonnt walzten die Schüler die gelbe, rote, blaue und schwarze Linoldruckfarbe auf der Arbeitsfläche aus. Schnell wurde ein weißes Blatt Papier über die große Farbfläche gelegt. Beim Abheben des Blattes zeigten sich Strukturen und Muster in allerlei Farbkompositionen. Mit der schwarzen Farbe konnten die jungen Künstler das Thema ihrer Arbeit hervorheben.
Als weitere Aufgabe sollten die Jugendlichen volkstümliche Redewendungen in spektakuläre Bilder verwandeln. "Ich finde Kunstunterricht ganz toll", bemerkte Martin Tandberg und lachte. Der Titel seiner Monotypie: Ich habe ein Hühnchen mit dir zu rupfen.
Silje Pettersen wollte ‚Jemanden auf die Palme bringen‘, während Tiril Kristiansen den Spruch ‚Morgenstunde hat Gold im Munde‘ mit allerlei Farbakzenten und Linien auf das Papier brachte.
"Es zeigt sich, dass die Schüler sehr schnell begriffen haben, in welcher Reihenfolge die einzelnen Farben eingesetzt werden sollten", schätzte Pädagogin Barbara Rothe die Tätigkeiten der Schüler ein. Nicht jeder erste Versuch gelang sofort. Beim nachfolgenden war die Umsetzung der Arbeitsaufgabe und des ausgesuchten Themas schon deutlich besser zu erkennen. Marie Lilleborge zeigte mit ihrer Arbeit, dass sie ‚ein Glückspilz‘ ist, während Marita Saetnan mehr ‚durch die Blume sprach‘. Per Westvang war daran ‚einen Teufel an die Wand zu malen‘ und Espen Jakobsen machte deutlich, dass er ‚auf dem Schlauch stand‘. Cathrine Wenneberg und Anna Gorska versuchten währenddessen ihrem künstlerischen Geschick auf dem Papier Nachdruck zu verleihen und wollten schnell ‚auf Wolke sieben schweben‘.
"Ich war im September 2005 in Norwegen und freue mich, dass wir jetzt die Gelegenheit haben, den ausländischen Freunden unsere Heimat zu zeigen", so Stefan Penschke (17) aus Raddusch. So gehörten Ausflüge nach Berlin, Dresden, Lübben, Lübbenauer Altstadt und in den Spreewald zum abwechslungsreichen Besuchsprogramm. "Es ist immer reizvoll andere Menschen und ihre Kulturen kennen zu lernen", sagte Julia Möllendorf (16) aus der 11. Klasse. Kopfnicken auch bei Franziska Köhler. "So ein Austausch bringt allen Seiten viele Vorteile", erklärte die 16-Jährige. Dem stimmte auch die junge Norwegerin Anne Marte Johnson zu. "Obwohl die Unterschiede zwischen unseren beiden Ländern sehr groß sind, gibt es doch auch viele Gemeinsamkeiten und gute Möglichkeiten einer engen Zusammenarbeit", so die 17-Jährige, die einmal Lehrerin we rden möchte. Mit einer kleinen Ausstellung der Schülerarbeiten wurde die Kunststunde beendet.
"Wir werden auch in Zukunft alles daran setzen, dass dieser Schüleraustausch erhalten bleibt und kontinuierlich ausgebaut wird", so Schulleiter Matthias Nevoigt. "Es ist wichtig, dass wir lernen, über unseren eigenen Tellerrand zu schauen und alle Bildungsmöglichkeiten wahrnehmen", ergänzte er. Er wird im kommenden Jahr der deutschen Delegation des Lübbenauer Paul-Fahlisch-Gymnasium nach Fredrikstad angehören.