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| 15:31 Uhr

Lübbenau
Kerze lässt Spraydose explodieren

Mehrere Türen und Fenster sind bei der Explosion in der Werner-Seelenbinder-Straße beschädigt worden.
Mehrere Türen und Fenster sind bei der Explosion in der Werner-Seelenbinder-Straße beschädigt worden. FOTO: Peter Becker
Lübbenau. Eine fatale Kettenreaktion hat zur Beinahe-Katastrophe in der Lübbenauer Neustadt geführt. Eine Kerze und eine Spraydose sollen Ursache der Explosion in einer Wohnung gewesen sein. Von Daniel Preikschat

Nach der Explosion in einer Wohnung in der Werner-Seelenbinder-Straße in Lübbenau am frühen Sonntagmorgen zeigt sich der Vermieter erleichtert, dass dabei keine Personen verletzt worden sind. Ein Gutachter der Gemeinschaftlichen Wohnungsbaugenossenschaft (GWG) werde am Dienstag die Schäden aufnehmen, so Vorstand Andreas Rißka weiter. Erst dann könne eine Schadenssumme genannt werden.

Die Wohnung könne trotz der Beschädigungen weiter bewohnt werden, sagt Rißka. Es sei keine tragende Wand gewesen, die durch die Wucht der Explosion einen Riss bekommen habe. Vergleichbare Explosionen im GWG-Wohnungsbestand in der Vergangenheit, bei der mehrere Türen beschädigt und eine Glasscheibe zerstört wurden, habe es nicht gegeben. Was auch daran liege, dass die GWG-Wohnungen keinen Gasanschluss haben.

Nach derzeitigen Erkenntnissen der Polizei hatte eine brennende Kerze Gas entzündet, das aus einer Deo-Spraydose entwichen war, und für eine Verpuffung gesorgt. Den kleineren Brand, der dabei entstand, konnten die Wohnungsmieter selbst löschen. Die Feuerwehr war um kurz vor fünf Uhr früh in der Wohnung, überzeugte sich, dass keine weitere Gefahr mehr droht und die Mieter nicht evakuiert werden müssen, heißt es von der Leitstelle Lausitz. Um 8.20 Uhr war der Einsatz für die Feuerwehren aus Lübbenau, Boblitz, Zerkwitz und Krimnitz beendet.

Wie es von der Leitstelle weiter heißt, sind Verpuffungen aufgrund des unsachgemäßen Gebrauchs von Spraydosen in der Region selten. Dennoch sollten Nutzer die aufgedruckten Hinweise ernst nehmen. Diese Lehre könne man aus dem Vorfall in Lübbenau ziehen. Beispielsweise wird davor gewarnt, die Dosen direkter Wärmestrahlung auszusetzen.

Wie verheerend die Folgen eines falschen Gebrauchs von Spraydosen sein können, dafür gibt es zahlreiche Beispiele: Im September vergangenen Jahres stürzte nahe Meißen in Sachsen ein Fachwerkhaus nach einer Explosion halb ein, obwohl es keinen Gasanschluss hatte. Eine 55-jährige Frau wurde schwer verletzt. Die Feuerwehr fand mehrere Dosen mit Haarfestiger in einem kleinen Zimmer. Das Spray, so ließ sich folgern, hatte sich auf engem Raum verteilt und wurde durch einen Funken zur Explosion gebracht. Möglicherweise durch den Gebrauch eines Elektroföhns.

In einer Berliner Wohnung war es im Mai 2016 keine Kerze wie in Lübbenau, sondern ein Teelicht, das einen Badezimmerschrank in Brand setzte. Eine darin abgestellte Spraydose explodierte mit Wucht. Drei Zwischenwände wurden verschoben, eine Person leicht verletzt.

Eineinhalb Jahre weiter zurück liegt die Explosion in einem Pkw in Nordrhein-Westfalen, in dem zwei junge Frauen Deospray versprühten ohne zu lüften – und sich dann eine Zigarette anzündeten. Beide Frauen erlitten nur leichte Verletztungen, wie damals die Polizei mitteilte. Sie hatten Glück gehabt.

So wie am Sonntag früh offensichtlich auch die 20-jährige Tochter des Mieters in der Werner-Seelenbinder-Straße in der Lübbenauer Neustadt. Sie blieb trotz der Explosion nahe ihres Bettes unbeschadet, ebenso die anderen Wohnungsbewohner.

Feuerwehr und Polizei mussten am Sonntagmorgen zu einer Wohnung in der Lübbenauer Neustadt ausrücken. Dort hatte es eine Explosion gegeben.
Feuerwehr und Polizei mussten am Sonntagmorgen zu einer Wohnung in der Lübbenauer Neustadt ausrücken. Dort hatte es eine Explosion gegeben. FOTO: Peter Becker