ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:52 Uhr

"Keine Experimente am Gräbendorfer See"

Der Gräbendorfer See hat sich als Naherholungsgebiet etabliert. Radlern, Skatern, Seglern, Surfern aber auch Anglern und Tauchern bietet der Solitärsee beste Bedingungen. Und die touristische Entwicklung schreitet voran: Die Altdöberner Uferseite soll demnächst infrastrukturell aufgepeppt werden in Casel (SPN) entsteht ein Umwelt- und Begegnungszentrum.
Der Gräbendorfer See hat sich als Naherholungsgebiet etabliert. Radlern, Skatern, Seglern, Surfern aber auch Anglern und Tauchern bietet der Solitärsee beste Bedingungen. Und die touristische Entwicklung schreitet voran: Die Altdöberner Uferseite soll demnächst infrastrukturell aufgepeppt werden in Casel (SPN) entsteht ein Umwelt- und Begegnungszentrum. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Vetschau/Altdöbern/Casel. Was einen Wunsch für das noch junge Jahr angeht, sind sich Bürgermeister Bengt Kanzler (Vetschau) und Dietmar Horke (Drebkau) sowie der Altdöberner Amtsdirektor Detlef Höhl einig. Sie zeigen keinerlei Verständnis für Überlegungen des Bergbausanierers LMBV, den Gräbendorfer See als mögliches Absatzbecken für Eisenhydroxidschlamm (EHS) zu nutzen. Uwe Hegewald / uhd1

Die Eisenhydroxid-Verspülung in Tagebaurestgewässer ist eine von mehreren Optionen, die die LMBV in Sachen Ockerschlammbeseitigung verfolgt. Im Rahmen der Sofortmaßnahmen gegen eine zunehmende Verockerung der Spree untersucht die LMBV mehrere Varianten. Überrascht zeigten sich die Mitglieder des Arbeitskreises Gräbendorf/Greifenhain, als sie kürzlich mit der Lösungsvariante konfrontiert wurden, den Gräbendorfer See als EHS-Absatzbecken zu legitimieren. "Dem Greifenhainer Fließ kommt als Spreewaldzufluss eine bedeutende Rolle bei der Eisenbekämpfung zu. Eine Einbeziehung des Gräbendorfer Sees in dieses Projekt wird geprüft. Es handelt sich jedoch nicht um eine Lösungsvariante, die wir favorisieren", erklärte Sven Radigk den Teilnehmern des Arbeitskreis-Treffens. "Wir sehen uns jedoch dazu verpflichtet, alle Optionen auf Tragfähigkeit und Wirtschaftlichkeit zu prüfen", so der LMBV-Fachreferent Planungsgebiet Lausitz.

Eine von drei Lösungsvarianten sieht die Rückführung eisenhaltigen Grundwassers aus dem Zwickelbereich zwischen Einmündung des Buchholzer Fließes in das Greifenhainer Fließ, durch Wasserfassung (Brunnen) und dessen Abführung über eine Rohrleitung zur Tiefeneinleitung in den Gräbendorfer See vor. Dieser Vorschlag schmeckt den Anrainerkommunen gar nicht: "Den Gräbendorfer See als Absatzgewässer zu nutzen, scheidet aus", erteilt Bengt Kanzler den Überlegungen eine klare Absage. "Andere Varianten, wie etwa das Reaktivieren der Grubenwasserreinigungsanlage in Wüstenhain erscheinen greifbarer", betont der Vetschauer Bürgermeister. Bei seinem Amtskollegen (beide parteilos) aus Drebkau findet er uneingeschränkte Zustimmung: "Dass ein See mit einer so außergewöhnlichen Wasserqualität für solche Vorhaben missbraucht wird, dürfte nicht einmal in Erwägung gezogen werden", tadelt Dietmar Horke. Das Drebkauer Stadtoberhaupt warnt: "Die Überlegungen widersprechen jeglicher touristischen Entwicklung, mit der wir am Gräbendorfer See schon so weit vorangekommen sind." Investoren würden zurücktreten und Seebesucher dem Gewässer fern bleiben, warnt er. Altdöberns Amtsdirektor Detlef Höhl teilt die Meinungen seiner Amtskollegen: "Die Wasserqualität und die Entwicklungen an den Ufern der Anrainerkommunen dürfen nicht gefährdet werden. Da müssen andere Lösungen her", lautet seine Forderung.

Gegenüber der RUNDSCHAU erklären sich Detlef Höhl, Dietmar Horke und Bengt Kanzler zur Solidarität verpflichtet. Eisenhydroxid habe im Gräbendorfer See nichts zu suchen, betonen sie und kündigen energischen Widerstand an. "Notfalls mit Demonstrationen vor dem LMBV-Verwaltungsgebäude in Senftenberg", untermauert Vetschaus Bürgermeister Bengt Kanzler die Forderung: "Keine Experimente am Gräbendorfer See."

Zum Thema:
Hans-Joachim Thierbach, Vorsitzender des 1991 gegründeten Arbeitskreises Gräbendorf/Greifenhain kann es sich ebenso nicht vorstellen, gehobenes ockerhaltiges Grundwasser in den Gräbendorfer See zurückzuführen. "Wir wollen, dass das Wasser in dieser Qualität erhalten bleibt und das zarte Pflänzchen Tourismus nicht zertreten wird", sagt er. Der Regionalmanager, der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) "Energieregion im Lausitzer Seenland" ist Anfang des Jahres von dieser Funktion in den Ruhestand getreten.