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| 02:32 Uhr

"Kein Urlaub, sondern ein Friedensmarsch"

Erstmals und wohl auch zum einzigen Mal verbrachten Deutsche, Brasilianer, Polen, Dänen oder Franzosen ihren Jahreswechsel in Calau. Am gestrigen Neujahrstag ging es für die rund 70 Teilnehmer des Bürgermarsches für Aleppo nach einer kleinen Kundgebung auf dem Calauer Marktplatz in Richtung Großräschen.
Erstmals und wohl auch zum einzigen Mal verbrachten Deutsche, Brasilianer, Polen, Dänen oder Franzosen ihren Jahreswechsel in Calau. Am gestrigen Neujahrstag ging es für die rund 70 Teilnehmer des Bürgermarsches für Aleppo nach einer kleinen Kundgebung auf dem Calauer Marktplatz in Richtung Großräschen. FOTO: Uwe Hegewald
Calau/Luckau. Nach ihrem Silvester-Marsch von Luckau in die Schusterjungenstadt ging es am gestrigen Neujahrstag über Muckwar (Gemeinde Luckaitztal) und Altdöbern bis nach Großräschen. Im späten Frühjahr soll das syrische Aleppo erreicht sein. Uwe Hegewald

Weihnachten in Berlin, Silvester in Calau und Ostern in Aleppo - so lautete der ursprüngliche Zeitplan des Bürgermarsches. Wie Anna Saraste, vom Organisations-Komitee, gegenüber der RUNDSCHAU mitteilt, sei man von dem ambitionierten Ziel inzwischen etwas abgerückt. "Wir wissen nicht, wie sich die Situation in Syrien entwickelt, wie es um die Dynamik der Gruppe bestellt ist, wir hatten keine Ruhetage eingeplant", räumt die Finnin eventuelle Verzögerungen ein.

So soll etwa in Dresden (5./6. Januar) ein erster Zwischenstopp eingelegt werden. Also Pfingsten in Aleppo? "Wir müssen nichts übers Knie brechen. Der Weg ist das Ziel", erklärt Anna Saraste die Strategie des Marsches, bei dem sich Teilnehmer mit spartanischen Gegebenheiten arrangieren müssen. Eine Garantie, die Nächte in festen Wohnunterkünften zu verbringen, könne vom Veranstalter-Team nicht gegeben werden. Ebenso werde keine Verpflegung bereitgestellt, sich aber darum bemüht, zumindest die Bereitstellung von heißem Wasser abzusichern.

Vor ihrem Abmarsch aus Calau bedankten sich die Teilnehmer mit kräftigem Applaus für das Entgegenkommen der Stadt. In den Räumlichkeiten auf dem Jahnsportplatz wurde ihnen ein Quartier bereitgestellt und am Neujahrsmorgen die Offerte zum Duschen unterbreitet. Zuvor hatten sich Bürgermeister Werner Suchner (parteilos) und die Fraktionsvorsitzenden über den kurzen, telefonischen Dienstweg über das Angebot verständigt.

"Am kommenden Zielort Großräschen müssen wir uns erstmals darauf einstellen, die Nacht in einem Zelt zu verbringen", kündigte Sebastian Olényi, ehrenamtlicher Unterstützer des Bürgermarsches für Aleppo an. Zufrieden zeigte sich der Presseunterstützer vor Ort vom kollektiven Einreihen "temporärer Weggefährten, die sich auf kleineren Etappen hinzugesellen".

"Auf dem Weg von Luckau in Richtung Calau waren das bis zu 90 Leute", so Olényi. Unter ihnen Ahmad Albarqouni, ein junger Syrer der 2015 nach Deutschland flüchtete. Über Eisenhüttenstadt und Berlin verschlug es den 28-Jährigen im März vergangenen Jahres nach Luckau. Vor drei Monaten hat der ehemalige BWL-Student mit einem Bachelor-Abschluss "Buchhaltung" in Calau eine eigene Wohnung zugewiesen bekommen. "In seiner Heimatstadt Damaskus sind seine Eltern zurückgeblieben, die Verlobte, zwei Schwestern und ein Bruder", teilt Übersetzerin Antje Kaczmarek mit. Über den Bundes-Freiwilligendienst mit Einsatzstellen in Calau und Lübbenau leistet sie aktive Integrationshilfe - wenn es die Situation erfordert, eben auch zu Neujahr auf dem Calauer Marktplatz.

Aus dem sächsischen Stollberg machten sich Angela und Steffen Müller auf den Weg nach Calau, um die Gruppe auf dem 21 Kilometer langen Abschnitt nach Großräschen zu begleiten. Der Grund ihrer Teilnahme: "Der freie Tag bietet sich an. Zudem fühlten wir uns vom Apell der Initiatorin des Marsches, Anna Alboth angesprochen, dass wir hier in Deutschland nicht ruhig sitzen und einfach nur zugucken können, was in Aleppo und generell in Syrien passiert."

In der Calauer Unterkunft nahmen sich die Durchreisenden die Zeit, für einen unterhaltsamen aber auch nachdenklichen Jahreswechsel. Teilnehmer hatten ein kleines Programm vorbereitet, in Luckau lebende Syrer besuchten das Camp und wünschte alles Gute für den weiteren Weg. Mit einer Schweigeminute wurde allen Opfern und Betroffenen der kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien gedacht, so Anna Saraste, vom Org.-Team.