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Kein Schub für Kittlitzer Outletpläne

Viel Fläche rechts und links nahe der Autobahn in Kittlitz. Ein kleines Outlet-Center soll es hier aber nicht geben.
Viel Fläche rechts und links nahe der Autobahn in Kittlitz. Ein kleines Outlet-Center soll es hier aber nicht geben. FOTO: Jan Gloßmann
Lübbenau. In Kittlitz wird es kein Factory-Outlet-Center geben, zumindest vorerst. Zu diesem Ergebnis kommen Fachleute in einer umfangreichen Untersuchung des Standortes; es ist zu erwarten, dass sich die Stadtverordneten diesen Erkenntnissen anschließen werden. Jan Gloßmann

Die Papiere sind unterschiedlich dick, die Ergebnisse aber schnell zusammengefasst: Ein Factory-Outlet-Center in der für den Lübbenauer Ortsteil Kittlitz geplanten Form schadet den innerstädtischen Einkaufsstandorten und sogar Nachbarstädten. Zu diesem Ergebnis kommt die Diplom-Volkswirtin Angelina Sobotta von der Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH in einer Wirkungsanalyse. Die Pläne widersprächen sowohl übergeordneten als auch kommunalen Zielen - eine Ansiedlung von drei wenn auch kleineren Märkten mit den Sortimenten Bekleidung, Schuhe, Sport könne nicht empfohlen werden.

Ein Investor wollte im Industriepark an der Autobahn drei Märkte errichten, die jeweils weniger als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche haben - ein solches Gebäude entspricht etwa einem gängigen Supermarkt. Dafür ist der Standort gut gewählt. Es gibt Autobahn-Anschluss, den zugkräftigen Tourismus-Ort Lübbenau, freie Flächen für Parkplätze und ebenerdige Verkaufsangebote sowie Platz für mögliche Erweiterungen. Entstehen sollen zudem Rasthof, Tankstelle und eine Waschanlage für Lkw. Allerdings fahren viele potenzielle Kunden, so aus Berlin, nicht über Kittlitz nach Lübbenau.

Die Auswirkungen aber wären gravierend, sagt Angelina Sobotta. Fachmärkte à la Deichmann oder Kik würden nach Sobottas Berechnungen allein dem Standort Kaufland in Lübbenau etwa 30 Prozent des Umsatzes abziehen, das Kolosseum müsste etwa 18 Prozent verkraften. Leerstände seien so programmiert. "Da werden welche aufgeben und Lücken reißen." Die Anbieter in den Städten Lübben und Finsterwalde müssten mit ähnlichen Verlusten rechnen. Lediglich Calau, Luckau und Vetschau wären wohl weniger betroffen. Bei dieser variante seien kaum neue Kunden, so aus dem Berliner Raum, zu erwarten.

In einem Factory-Outlet-Center bieten nach gängigem Muster Designer und Markenfirmen ihre Waren an: Armani oder Gucci, Benetton oder Gerry Weber sowie Adidas oder Nike. Eine solche Variante würde nach Sobottas Berechnungen etwa zwölf Millionen Euro Umsatz binden, jeweils etwa fünf Millionen aus den Lübbenauer Standorten sowie aus Finsterwalde und Lübben sowie gut zwei Millionen von Anbietern aus Cottbus. Allein die Läden für Bekleidung, Schuhe und Sport in der Altstadt würden ein Viertel ihres Umsatzes einbüßen. Die Zahl zusätzlicher Kunden für ein FO-Center sei schwer abzuschätzen; zur Zahl möglicher Arbeitsplätze in Kittlitz gebe es keine Daten, so Angelina Sobotta.

Lübbenaus Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos) sieht zwei widerstrebende Interessen: "Als Kunde sagt man möglicherweise, lieber in Kittlitz diese Angebote als gar nichts. Als Stadt müssen wir alle Folgen berücksichtigen." Die Kommune könne nicht jede Veränderung im Einzelhandel politisch flankieren. Da müsse jeder Händler auch seine Nische finden, zumal die Herausforderungen durch den Handel im Internet deutlich schneller wachsen. Wenzel: "Wir aber wollen nicht, dass Geschäfte schleichend zu Wohnungen oder Ähnlichem werden und abends die Rollos runter sind." Mit den Unterlagen - die auch im Internet einsehbar sind - müssten die Stadtverordneten nunmehr "keine Entscheidung aus dem Bauch heraus" fällen. Die Outlet-Pläne stehen auf der Tagesordnung der Sitzung am 22. April.

Die Abgeordneten, so schlägt es die Verwaltung vor, mögen den Ergebnissen des Gutachtens folgen. Diese Entscheidung gewinnt in diesen Tagen an politischer Brisanz, selbst wenn dabei Äpfel und Birnen verrührt werden. Denn viele Kittlitzer sagen: Das, was wir wollen, bekommen wir nicht, das, was wir nicht wollen, bekommen wir.