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Kaufland-Mitarbeiter wollen Angleichung

Lübbenau. "Wir sind laut, weil ihr uns die Kohle klaut!" Kaufland-Mitarbeiter aus Lübbenau streiken. Auch 27 Jahre nach der Mauer verdienen sie zu wenig. Steven Wiesner / ang

Doch die Arbeiter warteten nicht auf den nächsten Bus - sie warten auf einen gerechteren Lohn. Deswegen zogen sie circa zwei Stunden lang die Straße rauf und runter und provozierten sogar einen kleinen Lkw-Stau, um auf sich aufmerksam zu machen.

Vor dem Gesetz nämlich sind alle Menschen gleich. Dies ist sogar im Grundgesetz verankert. Vor dem Verhandlungstisch jedoch werden erhebliche Unterschiede gemacht. Auch 27 Jahre nach dem Mauerfall verdienen Menschen im Osten und Westen mitunter anderes Geld für die gleiche Arbeit. Zum Beispiel bei Kaufland. So bekommen die Mitarbeiter hier etwa 400 Euro weniger an Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld im Jahr als so manche Kollegen. Nur weil sie in Lübbenau arbeiten und nicht in Berlin oder anderswo. "Das ist nicht akzeptabel", sagt Heike Plechte. Die Cottbuser Bezirksleiterin der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) führte den Protestmarsch am Mittwoch an.

"Wir sind laut, weil ihr uns die Kohle klaut", skandierten die enttäuschten Arbeitskräfte aus dem Einzelhandel. Im Namen der Gerechtigkeit - und der Ost-West-Angleichung. Eine der aufgebrachten Angestellten ist Carmen Mattis. Die 54-jährige Staplerfahrerin aus Calau arbeitet seit bald 20 Jahren für das Unternehmen. "Der Arbeitgeber verlangt immer mehr Leistung, bietet aber nicht mehr Gehalt", beschreibt sie die verbesserungswürdigen Arbeitsbedingungen. Das Argument der Arbeitgeber, dass an anderen Standorten mehr Profit gemacht werde, hält sie für eine Lüge. "Wir machen die gleiche Arbeit. Wir beliefern 120 Märkte in Berlin und Brandenburg. Wir sind ein Unternehmen. Und da sollte auch das gleiche Geld gezahlt werden."

Carmen Mattis sitzt auch in der Tarifkommission, der man bereits 2015 einen Lohnangleich versprochen hatte. Passiert aber ist nichts. Neben der Ost-West-Angleichung bei den Sonderzahlungen fordern die Kaufland-Mitarbeiter einen Euro mehr pro Stunde, was einer Gehaltssteigerung von sechs Prozent entsprechen würde. Bei den jüngsten Tarifverhandlungen kamen Arbeitgeber und -nehmer aber nicht mal in die Nähe einer Einigung. Noch im August sollen die Verhandlungen wieder aufgenommen werden. Vorher erheben die Angestellten aber nochmal die Stimme. Am Freitag ab 9 Uhr wollen sie diesmal direkt vor der Kaufland-Filiale in Lübbenau ihr Anliegen zum Ausdruck bringen. Es wäre bereits der fünfte Hilferuf in diesem Jahr.

Zum Thema:
Die Schwarz-Gruppe ist der größte Handelskonzern Europas und der viertgrößte der Welt. Der deutsche Konzern mit Sitz in Neckarsulm (Baden-Württemberg) ist das Mutterunternehmen von Lidl und Kaufland. Die Gruppe hat nach eigenen Angaben Filialen in 20 Staaten und 350 000 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2016 erzielte der Konzern einen Umsatz von mehr als 85 Milliarden Euro. Der Konzern peilt in den nächsten fünf Jahren einen Umsatz von 100 Milliarden Euro an. (ang)