Anglerglück aber stellt sich heute wohl noch nicht so üppig ein. Die wenigen Fische, die sich hier aufhalten, gelangen über das Flutungswasser in das Tagebaurestloch.
Wie eine Studie des Instituts für Binnenfischerei Potsdam im Auftrag der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV) ergab, habe das Wasser hier einen noch zu niedrigen pH-Wert, um den unterschiedlichen Fischarten die auf lange Dauer nötigen Lebensbedingungen zu bieten.

Vor allem Badesee
Dr. Frank Rümmler vom Potsdamer Institut stellte gegenüber der RUNDSCHAU fest, dass sich der Gräbendorfer See wegen seiner zu erwartenden hohen Wasserqualität zu allererst als ausgezeichneter Badesee eignen werde. „Entgegen den natürlichen Seen, die sehr belastet sind mit Nährstoffen und demzufolge auch mit Algen, sind die Bergbaurestlöcher ganz jungfräuliche Gewässer mit einem sehr geringen Nährstoffgehalt und entsprechend kaum Algen. Die Fische wachsen da nicht wie in anderen Seen. Der Schönfelder See ist da schon ein klein wenig weiter“ , erzählt Dr. Rümmler.
Über den Südumfluter, der sehr fischreich ist - hier leben etwa 20 Fischarten - gelangen Fischbrut und Larven durch die Flutungsleitung mit einem relativ großen Durchmesser nahezu unbeschadet in den Gräbendorfer See.

Fischreiche Zukunft?
In der Studie heißt es: „Mit der weiteren Entwicklung des Gewässers, insbewsondere der Ausbildung von Unter- und Überwasserpflanzenbeständen und des Übergangs zu mesotrophen (Nährstoff-Zustand - d. Red.) Verhältnissen werden Hecht, Plötze, Rotfeder und Blei gute bis ausreichende Lebens- und Ernährungsbedingungen finden. Weiterhin wird Aalbesatz sinnvoll sein. Unter mittleren mesotrophen Verhältnissen ist auch das Auftreten von Zanderbeständen möglich. Die Leitfischart Kleine Maräne aber auch Großmaräne und später Aal können nur durch Besatzmaßnahmen eingebürgert werden. Die übrigen Arten werden wahrscheinlich im Ei-, Larven- oder Kleinfischstadium mit dem zugeführten Flutungswasser einwandern.“
Wie bereits erwähnt, werden die Lebensbedingungen derzeit durch die niedrigen pH-Werte begrenzt. Im Sommer 2002 hatten sich die Flutungsmengen verringert. Damit einher gingen auch viel zu geringe pH-Werte, die zwischen 4,2 und 4,8 lagen. Wie es künftig im Gräbendorfer See damit aussehen wird, kann nicht prognostiziert werden. Für das Überleben von Brut und Jungfischen sind Werte über 5 im Spätsommer und Herbst sowie um 6 im Winter, Frühjahr und Frühsommer vonnöten. Die Studie spricht davon, dass solche Werte unter ungünstigsten Voraussetzungen mit Erreichen des Endwasserzustandes oder erst dann möglich werden, wenn sich stationär hydrologische Verhältnisse einstellen, also etwa ab 2009.
Bis heute wurde einige Male bereits befischt. Insgesamt neun Fischarten konnten nachgewiesen werden: Barsch, Blei, Plötze, Güster, Karpfen, Kaul barsch, Gründling, Neunstachliger Stichling und Hasel. Bis 2004 allerdings reduzierten sich die Vorkommen auf lediglich den Barsch.

Zur Geschichte des Sees
Der Gräbendorfer See liegt im OSL- und im Spree-Neiße-Kreis am Südrand des Altdöberner Beckens, bei Laasow. Er entstand aus dem Restloch des Tagebaus Gräbendorf. Die Förderung wurde 1992 eingestellt. Der Braunkohleausschuss des Landes erarbeitete den Sanierungsplan Gräbendorf, der 1994 in Kraft trat. Die Böschung des Restlochs wurde von 1993 bis 1996 saniert. Mit seiner Flutung wurde im April 1996 begonnen. Entstehen soll hier ein attraktives Erholungsgebiet. Das Landesumweltamt schlug vor, die Insel und das Ostufer als Naturschutzgebiet auszuweisen.