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| 19:00 Uhr

Naturschutz-Projekt
Kampf um jeden Quadratmeter

Gabriele Kühnel, Bernd Elsner (l.) und Manfred Lehmann vom Nabu-Regionalverband Calau sehen Inselten auch in der Region akut bedoht.
Gabriele Kühnel, Bernd Elsner (l.) und Manfred Lehmann vom Nabu-Regionalverband Calau sehen Inselten auch in der Region akut bedoht. FOTO: LR / Daniel Preikschat
Calau. Nabu-Regionalverband Calau schiebt Intiative an, Lebensräume für Insekten zu bewahren. Von Daniel Preikschat

Im Raum Lübbenau, Calau, Vetschau bekommen Flächenbesitzer die Chance, Flagge zu zeigen als Naturschützer. Das Wir-machen-mit-Schild, das sie aufstellen können, ist im Entwurf schon fertig. Es zeigt einen Schwalbenschwanz, der auf einer Blüte die Flügel spreizt. Darüber steht „Lebensraum für Insekten“, unten rechts ist das Logo des Nabu-Regionalverbands Calau abgebildet.

Gabriele Kühnel vom Nabu hofft, dass diese Schilder in hoffentlich großer Zahl möglichst bald auch gefertigt werden können. Freilich bekommt es nur, wer auf seinen Flächen auch Lebensraum für Biene, Hummel und Co schafft. Heißt: Der Rasen sollte nur ein- oder zweimal im Jahr gemäht werden. Möglichst nach der Blüte, wenn die Samen ausgereift sind. Wild wachsende Inseln stehen zu lassen, nur Wegstreifen in den Rasen zu mähen oder zumindest nicht die ganze Fläche auf einmal zu mähen, wären für Insekten die Rettung.

Entsprechende Flyer mit den lebenserhaltenden Hinweisen werden demnächst verteilt. Gabriele Kühnel und ihre Mitstreiter vom Nabu wissen, wie schwer es ist, sich für Insekten stark zu machen, ein Bewusstsein zu wecken für ihre Schutzwürdigkeit. Schmetterlinge finden viele schön, Bienen gelten als nützlich wegen dem Honig. Schon Käfer, Spinnen oder Grillen aber haben kein so tolles Image mehr und keine Lobby. Hinzu komme die typisch deutsche Ordentlichkeit. Außenanlagen vor dem Eigenheim, Wiesen vor Betrieben in Gewerbegebieten oder Grünstreifen entlang von Straßen haben kurz geschoren zu sein und frei von so genanntem Unkraut. Damit aber wird Insekten die Lebensgrundlage entzogen, für sie entstehen Wüsten, so Gabriele Kühnel. Ohne Nahrungspflanzen, ohne Nektarquellen.

Auf die für die Pflanzenwelt so wichtige Bestäubung durch die Biene wurde schon oft hingewiesen, sagt Nabu-Mann Bernd Elsner aus Kittlitz. Etliche Regale in den Einkaufsmärkten werden künftig leer bleiben, wenn sich das Bienensterben so fortsetzt. Aber auch alle anderen Insekten erfüllen ihren wichtigen Zweck für den Erhalt der Natur. Und sei es nur als Nahrung für Vögel und andere höher entwickelte Tiere.

Gerade den Spreewäldern, ergänzt Manfred Lehmann, Nabu-Mitglied aus Koßwig, stünde es gut zu Gesicht, Lebensräume für Insekten zu bewahren. Ungemähte Flächen haben zudem ihren ästhetischen Reiz, so Gabriele Kühnel, die regelmäßig zu Kräuterwanderungen beispielsweise rund um die Slawenburg in Raddusch einlädt. Wahrscheinlich war es ihre Idee, auf den Flyern Fotos von gemähten und ungemähten Flächen einander gegenüber zu stellen – und zu fragen: „Ist eine blühende Fläche mit verschiedenartigen einheimischen Pflanzen, die den Standort- und Bodenansprüchen entsprechen, letztendlich nicht viel schöner und erhält zusätzlich die Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren?“

Zehn Unternehmen in der Region, sagt Gabriele Kühnel, seien bereits vom Nabu angeschrieben und um Teilnahme gebeten worden. Man wolle aber noch viel mehr Entscheidungsträger ansprechen, Briefe auch an Stadt- und Gemeindeverwaltungen verschicken, an Wohnungsunternehmen und Kleingartenvereine. Jeder Mitmacher setze ein Zeichen und bewege wiederum andere, sich zu engagieren. „Wir hoffen auf den sprichwörtlichen Schneeballeffekt“, sagt die Naturschützerin. Und auf dem Flyer steht der Alarmsatz: „Es gibt noch Hoffnung, wenn wir alle handeln.“