| 20:02 Uhr

Lübbenau
Kameradschaft währt drei Jahrzehnte

Den Papa mal kurz in die Mitte genommen. Zum Probesitzen zog es Friedericke (10), Alexander (46) und Charlotte Kohl (12/v. l.) kürzlich  in den fast neuen Mannschaftstransportwagen (MTW-VW T6). Dieser darf auch für Fahrten zu den Feuerwehrfreunden in Dieringhausen genutzt werden.
Den Papa mal kurz in die Mitte genommen. Zum Probesitzen zog es Friedericke (10), Alexander (46) und Charlotte Kohl (12/v. l.) kürzlich in den fast neuen Mannschaftstransportwagen (MTW-VW T6). Dieser darf auch für Fahrten zu den Feuerwehrfreunden in Dieringhausen genutzt werden. FOTO: Uwe Hegewald
Lübbenau. Besondere Brieffreundschaft zwischen Lübbenau und Dieringhausen in Nordrhein-Westfalen.

In der Regel sind es die neuen Vorsätze, die zu Jahresanfang den Alltagsrhythmus mitbestimmen. Dass dabei nicht mit bewährten Traditionen gebrochen werden muss, zeigt eine Lübbenauer Geschichte.

So versenden Feuerwehrleute der Spreewaldstadt Jahr für Jahr Postkarten von der idyllischen Lagunenlandschaft ins ferne Nordrhein-Westfalen. „Dieringhausen heißt der bei Gummersbach gelegene Ort, mit deren Feuerwehrleuten wir eine lang anhaltende Freundschaft pflegen“, berichtet Alexander Kohl.

Langanhaltend reicht in diesem Fall bis in das Jahr 1990 zurück, als der 26. Deutsche Feuerwehrtag rund 100 000 Besucher nach Friedrichshafen (Bodensee) lockte. „Ich hatte seinerzeit davon gelesen und konnte meinen Kumpel Hans-Martin Bethge begeistern, dorthin zu fahren. Unsere Bahnfahrkarten hatten wir damals noch mit DDR-Mark bezahlt“, so Kohl. Was die beiden Lübbenauer nicht wussten: Unterkünfte in Friedrichshafen und im gesamten Bodenseekreis waren komplett ausgebucht. Mitglieder der ausrichtenden Freiwilligen Feuerwehr Friedrichshafen schlugen beim Anrollen der Massen die Hände über ihre Köpfe zusammen. Die etwa 1600 Fremdenbetten des Hotel und Gaststättengewerbes waren in einem Umkreis von 60 Kilometern ausgebucht. Selbst die 11 000 eingerichteten Schlafplätze in Schulen waren fast komplett belegt, halten die Friedrichshafener in ihrer Chronik fest. Für die Tagungen des Deutschen Feuerwehrverbandes reichten die vorhandenen Räume im Ort teilweise nicht aus. Zu einigen Veranstaltungen gab es doppelt so viele Anmeldungen wie Plätze vorhanden waren.

„Als wir den Organisatoren unsere Herkunft und die weite Anreise aus dem Spreewald geschildert haben, gab es ein Einsehen. In einer Lücke hinter einem Versorgungszelt bekamen wir schließlich einen Platz zum Aufstellen unseres kleinen Zeltes zugewiesen“, erinnert sich Alexander Kohl. Und er erinnert sich an eine „phänomenale Veranstaltung“. „Der Feuerwehrtag war riesig aufgezogen. Wir waren massiv überrascht; kannten so etwas nicht“, schwärmt der Lübbenauer noch heute.

Zahlen veranschaulichen die Massenveranstaltung: 38.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, acht Messehallen  sowie weitere 18.000 Quadratmeter Freifläche, auf dem sich 250 Firmen aus fünf Ländern präsentierten. Am Samstag, 16. Juni 1990 setzte sich nach einer Ansprache von Bundeskanzler Helmut Kohl ein sechs Kilometer langer Festzug mit 40.000 Feuerwehrleuten, 50 Feuerwehrfahrzeugen aus drei Jahrhunderten, 723 Fahnen und 81 Jugendfeuerwehr-Wimpeln sowie 79 Musikkapellen und Spielmannszügen in Bewegung. „Beim abendlichen Feuerwerk kam es zu einer Zufallsbegegnung mit Feuerwehrleuten aus Dieringhausen. Bei einem Bierchen saßen wir noch bis tief in die Nacht zusammen und tauschten unsere Adressen aus. Privattelefone hatten wir Ossis im Frühjahr1990 noch nicht“, skizziert Alexander Kohl den „Beginn einer tiefen Freundschaft, mit Michael Schwendt als festen Ansprechpartner“.

Es hätten sich enge familiäre Bindungen entwickelt und es ist zur Tradition gereift, sich mindestens einmal im Jahr gegenseitig zu besuchen. Über 600 Autobahn-Kilometer schrecken auch nicht davor zurück, sich zu Jubiläen und runden Geburtstagen zu besuchen oder gemeinsame Ausflüge zu unternehmen. Als Glücksfall werten die Lübbenauer Feuerwehrleute das Angebot, zu diesem Zweck den kürzlich in den rollen Dienst gestellten MTW-VW T6 in Anspruch nehmen zu dürfen. Eine Reise nach Dieringhausen ist bereits in Planung.