ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:12 Uhr

Fischzeit im Spreewald
Kahnfahrt mit Glücksmomenten

Doppeltes Glück für Karl-Heinz Marschner: Dass sich im Rahmen der limitierten Kahnfahrt mit dem Spreewaldfischer gleich zwei Hechte in den Netzen verfangen hatten, stufte selbst er als Überraschung ein. Die Teilnehmer zückten ihre Smartphones, um die Augenblicke festzuhalten und diese umgehend an Freunde weiterzuleiten.
Doppeltes Glück für Karl-Heinz Marschner: Dass sich im Rahmen der limitierten Kahnfahrt mit dem Spreewaldfischer gleich zwei Hechte in den Netzen verfangen hatten, stufte selbst er als Überraschung ein. Die Teilnehmer zückten ihre Smartphones, um die Augenblicke festzuhalten und diese umgehend an Freunde weiterzuleiten. FOTO: Uwe Hegewald
Lübbenau/Lehde. Karl-Heinz Marschner entführt Kahngäste ins Reich der Spreewaldfischer. Von Uwe Hegewald

Glück ist kostbar und bei manchen Leuten nur selten zu Gast. Eine Ausnahme bilden Ausflügler, die Sonntagvormittag in den Kahn von Karl-Heinz Marschner steigen. 13 Personen nehmen auf den Bänken Platz sowie die aufgeweckte Anni, eine dreijährige Hündin, die am Bug die Rolle einer Gallionsfigur ausfüllt. „Sie haben Glück, zu den Auserwählten zu zählen, die an diesem besonderen Ausflug teilnehmen dürfen.

Denn Fischers Kahnfahrt wird nur ein einziges Mal im Jahr angeboten“, lässt Marschner seine Gästen wissen. Was die Mitreisenden nicht wissen: Sie gehen an Bord eines Fährmannes mit Herzblut, dessen Kahnfährscheinerwerb sich in diesem Jahr zum 50. Mal jährt. „Den Fischereischein besitze ich seit mehr als 30 Jahren“, erzählt er an Bord des Aluminiumkahns.

„Eine halbe Stunde vor dem Ablegen haben Mädels von der Lübbenauer Touristinformation die Tische mit Aal-Häppchen, verschiedenen Gurkenvariationen, Bohnenkaffee oder Tee bestückt. Greifen sie zu“, regt er an. Auch Karl-Heinz Marschner greift zu: zuerst zum hölzernen Rudel, dann zu einem der tags zuvor ausgelegten Fangnetze. „Was für ein Glück“, kommentiert er beim Einholen des Netzes, in dem sich ein rund sechs Jahre alter Hecht verfangen hat.

Am zweiten Standort wiederholt sich des Fischers Glück. Abermals zappelt ein kapitaler Hecht in der Reuse, weshalb sich ein Mitreisender eine selbstkritische Anmerkung nicht verkneifen kann. „Und ich fahre zwei Wochen nach Schweden und fange keinen einzigen Fisch.“ Der erfahrene Spreewaldfischer relativiert: „Eigentlich wollte ich an dieser Reuse einen Aal fangen und habe die ein paar Stunden zuvor in Fließrichtung gedreht. Dadurch läuft man zwar Gefahr, dass sich die Reusen schnell mit Laub und abgestorbenen Wasserpflanzen füllen, aber es erhöhen sich die Chancen, einen Aal zu fangen“, erklärt er. Warum das so ist? Zum Laichen zieht es geschlechtsreife Aale in den Sargassosee (in der Nähe der Bahamas), wodurch sie sich in heimischen Flüssen und Fließen mit der Strömung ins Meer treiben lassen.

Nahezu unerschöpflich ist das Fachwissen mit dem Karl-Heinz Marschner seine Gäste füttert. Interessantes zum Spreewald, über dessen Geschichte und deren Bewohner bekommen die Ausflügler vermittelt, wie auch Lehrreiches zu Fangtechniken und zu einzelnen Fischarten, von denen es in der Lagunenlandschaft 36 gibt.

„Das war die richtige Entscheidung, an dieser Kahnfahrt teilzunehmen“, konstatieren Claudia und Dieter Hupe. Mit Hündin Anni („das letzte Kind hat Fell“) war das Trio aus Paderborn bereits per pedes und mit dem Fahrrad auf Entdeckungstour gegangen und hatte sich spontan entschlossen, den Kurzurlaub um zwei Tage zu verlängern. „Von der Touristinformation haben wir den Tipp für die limitierte Kahnfahrt mit dem Fischer bekommen“, so die Besucher aus Nordrhein-Westfalen. Das vor ihren Augen auch noch ein Eisvogel den (See-)Weg kreuzt, nehmen sie als Erste zur Kenntnis.

Auch Karl-Heinz Marschner bleibt der Glücksmoment mit dem fliegenden Edelstein nicht verborgen. Bevor er mit seinem Kahn im Gasthaus „Kaupen Nr. 6“ zur Fischmalzeit anlegt, verrät er noch etwas über das richtige Zubereiten von Fischgerichten. „Jeder Fang hat seine spezifischen und anatomischen Merkmale, die beachtet werden sollten.“ „Er habe das Glück, eine Frau an seiner Seite zu wissen, die sich damit bestens auskennt. „Die von ihr servierten Gerichte sind immer ein Gedicht“, betont er.