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Kahnfährleute unterstützen Landwirt

Sebastian Kilka füttert seine Rinder. Denen schmeckt es offensichtlich sehr gut.
Sebastian Kilka füttert seine Rinder. Denen schmeckt es offensichtlich sehr gut. FOTO: Daniel Preikschat
Lehde. Genüsslich mampfen die drei Rinder das frische Gras. Bulle, Jungbulle und Färse der Rasse Blonde d' Aquitaine stehen im offenen Stall, weil sie sich noch nicht in den Rinderkahn trauen, mit dem der Lehder Landwirt Sebastian Kilka seine kleine Herde täglich zur Koppel fährt. Daniel Preikschat

Fahren muss, da sein Hof auf einer Insel liegt, umflossen von Fließen. Kilka will mit den drei Tieren den Einstieg in den Kahn noch etwas "trainieren", dann sollte es bald klappen, ist er guter Dinge. Immerhin zwanzig Minuten dauere es, die Tiere vom Stall in den Kahn zu bugsieren, sie zur Weidefläche zu staken, um sie dort dann wieder zu entladen. Tagtäglich hin und zurück, den ganzen Frühling und Sommer über. Haben sich die Rinder einmal an diese Touren gewöhnt, ginge das ganz einfach.

14 Tiere hält Kilka in seinem Zuchtbetrieb, alle Kälber mitgezählt. Drei Rinder, zwei Färsen und einen Bullen, hat er erst im Dezember vergangenen Jahres in einem Zuchtbetrieb nördlich von Berlin dazugekauft, alle reinrassige Blonde d' Aquitaine. Den Viehbestand auf diese Weise aufzustocken, war nur möglich dank der Finanzhilfe von der Lübbenauer Kahnfährgenossenschaft, sagt der 37-jährige dankbar. Kilkas Frau Anja, im Vorstand der Genossenschaft, hatte das dort angeregt. Schließlich sei bekannt, dass die Lübbenauer Kahnfährleute in Pflege und Erhalt der Spreewaldlandschaft investieren, die sie ihren Fahrgästen zeigen.

Beispielsweise, so der Vorstandsvorsitzende Steffen Franke, kauft die Genossenschaft Wiesenaktien von der Bürgerstiftung Kulturlandschaft Spreewald und unterstützt Imker im Spreewald. Dem Vorschlag Anja Kilkas habe der Vorstand gern zugestimmt. Denn, so Steffen Franke: "Diese Rinderzucht ist ein Beitrag zur Pflege unserer Natur." Da die Tiere tagsüber draußen weiden, werde auch die Wiesenfläche gepflegt. Sebastian Kilka müsse außerdem zusehen, die Rinder ausreichend mit Heu und Gras zu versorgen. Schließlich, so Steffen Franke, geben grasende Rinder auf Wiesenflächen für Kahnfährgäste auch ein schönes Bild ab.

Sebastian Kilka ist mit seinem Viehbestand noch nicht ganz dort, wo er hin will. Sein Ziel sind zehn Mutterkühe, fünf hat er aktuell. Reine Aufzucht wolle er betreiben. Für seine Mutterkühe bedeutet das, dass sie sich eines langen Lebens in freier Natur erfreuen dürfen. Bis zu 13 Jahre können sie alt werden.

Die Bullen hingegen werden mit zwei, spätestens mit zweieinhalb Jahren geschlachtet. Ein Blonde d' Aquitaine-Rind könne dann schon seine 1100 Kilogramm wiegen. Die Rasse zeichne sich durch hohe "Schlachtausbeute" aus. Für die Wirtschaftlichkeit seines Betriebs in Lehde spiele das nun Mal eine wichtige Rolle, erklärt Sebastian Kilka.

Steffen Franke kann sich gut vorstellen, auf ähnliche Weise auch andere Landwirte finanziell im Sinne der Kahnfährgenossenschaft zu unterstützen. In Lehde allerdings gibt es nur noch zwei Landwirte mit Viehbestand. Sebastian Kilka führt den Hof seiner Vorfahren in Lehde bereits in fünfter Generation. Außer der Genossenschaft würden ihn auch andere Kahnfährbetriebe mit Sachspenden oder auch Naturalien unterstützen, sagt er. Bei der Produktion von Heu und Grassilage helfen sich die benachbarten Landwirte gegenseitig.

Kilka hat aber auch noch einen Job beim Wasser- und Bodenverband "Oberland Calau". Darüber hinaus arbeiten er und seine Frau als Touristiker. Zwei Ferienwohnungen im spreewaldtypischen Blockhaus stehen auf ihrem Hof-Areal zur Verfügung. Die Gäste können bei Kilkas unmittelbar das Spreewälder Landleben genießen und Einblick bekommen in gesunde Nahrungsmittelproduktion. Für viele, so Anja Kilka, sei schon die Anreise mit dem Kahn ein Erlebnis.

Zum Thema:
Über die Hälfte der Fläche des Biosphärenreservates Spreewald wird landwirtschaftlich genutzt. Aus Sicht des Biosphärenreservates Spreewald müssen dabei traditionelle wie auch neue Nutzungsarten angewandt werden, die naturverträglich sind. Gesunde Lebensmittel aus der Region seien zum Programm für den Spreewald geworden. Beispiele sind Gurke, Fleisch und Wurst.