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| 18:40 Uhr

Graffiti-Aktion
Schüler sprühen Riesen-Regal

 So soll sie aussehen, die Graffiti-Arbeit, wenn sie fertig ist.
So soll sie aussehen, die Graffiti-Arbeit, wenn sie fertig ist. FOTO: LR / Daniel Preikschat
Lübbenau. Jugendliche bringen eine eigene Zukunftsvision für ihre Heimatstadt auf eine Betonwand in der Lübbenauer Neustadt. Von Daniel Preikschat

Ein überdimensionales Bücherregal entsteht derzeit auf der Grünfläche zwischen der Kraftwerkstraße und der Güterbahnhof­straße. Genauer gesagt, ist es das Bild von einem Bücherregal, das 20 Lübbenauer Schüler seit Montag auf eine 60 Quadratmeter große Betonwand aufsprühen. Bis Donnerstag, erklärt Christian Hipp von der Potsdamer Firma Art-efx, soll das Werk vollendet sein. Er zeigt die dazugehörige Skizze: Mehrere große Bände stehen nebeneinander im Regal. Sie tragen Aufschriften wie „Integration“, „Geschichte“, „Perfektion“, „Zukunft“, „Veränderung“. Ein Buch liegt offen aufgeschlagen da.

Mit dem Bücherregal wird die bislang unansehnliche Rückseite eines Mosaik-Wandbilds der POS Gerhard Eisler gestaltet. Die Schule wurde 2012 abgerissen und nur die eine Wand stehen gelassen. Im Koordinierungsbüro Lübbenaubrücke hatte man schon vor einiger Zeit die Idee, den blanken Beton Jugendlichen für ihren Zukunftsentwurf von Lübbenau zur Verfügung zu stellen. Im vergangenen Jahr gab es dafür dann auch die finanzielle Unterstützung vom „Bündnis für Brandenburg“, der Landkreis OSL reichte die Mittel weiter nach Lübbenau. Fachleute von Art-efx, die in Lübbenau schon etliche Flächen schick gemacht haben, sollten die Schüler anleiten. Im Dezember, so Christian Hipp, hatten sich die Schüler dann mit dem Objekt vertraut gemacht, selbst Gestaltungsentwürfe gefertigt und sich untereinander auf einen Favoriten geeinigt.

 Jugendliche sprühen ihren Zukunftsentwurf für Lübbenau auf die Rückwand einer Mosaikwand, Überbleibsel der POS Gerhart Eisler auf der Grünfläche zwischen Kraftwerkstraße und Güterbahnhofstraße.
Jugendliche sprühen ihren Zukunftsentwurf für Lübbenau auf die Rückwand einer Mosaikwand, Überbleibsel der POS Gerhart Eisler auf der Grünfläche zwischen Kraftwerkstraße und Güterbahnhofstraße. FOTO: LR / Daniel Preikschat

Adam und Fritz aus der achten Klasse am Paul-Fahlisch-Gymnasium, waren Montag schon etwas stolz, dass ihre Idee realisiert wird. Mit den Büchern lasse sich so viel über Lübbenau zum Ausdruck bringen, sagt Adam, die Vielseitigkeit der Stadt, ihre Offenheit, ihre Potenziale. Ein „cooles Projekt“, sagt Fritz. Das Sprühen selbst mache Spaß, auch wenn man irgendwann die beanspruchten Muskeln deutlich spürt.

50, 60 Sprühdosen, so Graffiti-Profi Hipp, werde man bis Donnerstag verbrauchen. Das Wetter mache mit. Umstehende Bäume werfen wohltuenden Schatten, und zum Glück liege die zu besprühende Fläche nicht auf der Sonnenseite. Wichtige Vorarbeit wurde den Schülern überdies abgenommen. Eine Malerfirma hat die Betonwand bereits vergangene Woche grundiert und holzbraunfarben angestrichen. Die Jugendlichen, so Hipp, seien zwar keine Profis. Das Gute beim Sprayen sei aber, dass sich Fehler leicht ausbügeln lassen. „Einfach drüber sprühen.“

Fritz und Adam fänden es gut, wenn um das „Lübbenauer Fenster“ herum – so heißt das Graffiti-Werk – auf der Wiese nun auch die Aufenthaltsqualität verbessert werden könnte. Da sei man dran, so Queenie Nopper von der Lübbenaubrücke. Gedacht sei an zwei oder drei spreewaldtypische Heuschobergestelle, die als Sitz- und Liegeflächen dienen können.