Von Uwe Hegewald

Als sich am frühen Samstagvormittag der Festumzug in Richtung Wettkampfplatz bewegt, unterbrechen die Spitzenköche um Helmut Preuß ihren rührenden Job an der Gulaschkanone. Die Calauer Fanfaren ziehen die Blicke auf sich, gefolgt von einer Kutsche mit Feuerwehr-Urgesteinen, marschierendem Fußvolk und einer Armada von Einsatzfahrzeugen der Calauer Feuerwehren.

„Bis zu 250 Personen können wir heute versorgen. Mit Erbsensuppe und Bockwurst oder Spirelli mit Gulasch stehen zwei Gerichte zur Auswahl“, so Helmut Preuß, der die Feldküche bereits um 7 Uhr angeheizt hat. Ein etwas anderes Anheizen, als das der Zinnitzer Feuerwehr-Bambinis, die mit einer Lösch-Vorführung die teilnehmenden Mannschaften des 16. Calauer Stadtfeuerwehrtages auf Betriebstemperatur bringen. Werden die Großen bei den anstehenden Wettbewerben im Feuerwehrsport ebenso couragiert zu Werke gehen wie die Feuerwehr-Zwerge?

Zinnitz ist nicht nur Ausrichter des Kräftemessens im „Löschangriff nass“ und „Knoten binden“, sondern auch Jubilar. Vor 90 Jahren ist im heutigen Calauer Ortsteil die Feuerwehr gegründet worden und seitdem ununterbrochen präsent. Mit allem, was dazugehört – Bau, Erweiterung und Sanierung des Depots, Wartung der Feuerwehrfahrzeuge, Technikpflege, Akquirieren von Nachwuchskräften, Schulungen, Weiterbildungen und vor allem das Ausrücken zu Einsätzen und die Gefahrenabwehr.

Stadtwehrführer André Dreßler würdigt die jüngere Entwicklung der Zinnitzer Wehr um Ortswehrführer Michael Pielenz: „Von einer unscheinbaren Truppe mit traditioneller Tragkraftspritze hat sich Zinnitz zu einer zuverlässigen Ortswehr mit Schlagkraft entwickelt“, so Dreßler beim Begrüßungsappell. Mit Blick auf die bevorstehende Kommunalwahl stellt der Stadtwehrführer die konstruktive, wenn auch nicht immer einhellige Zusammenarbeit mit den Stadtverordneten hervor. „Es wurde ein Baustein gelegt, auf dem sich ein Gebäude errichten lässt. Ich gehe davon aus, dass die Kooperation mit der neuen Stadtverordnetenversammlung fortgeführt wird.“ Dass die jüngste Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Zinnitz die Handschrift von Frank Fiedermann trägt, muss keinem der Teilnehmer des Stadtfeuerwehrtages erklärt werden.

So sieht es auch Bürgermeister Werner Suchner, der insbesondere den Zinnitzer Nachtlauf der Jugendfeuerwehren hervorhebt. Der über die Kreisgrenzen hinaus beliebte Wettbewerb bildet den Jahresabschluss des Wettkampfjahres der Nachwuchs-Feuerwehren. „Den Knirpsen zuzusehen rührt einem das Herz“, bringt Wolfgang Sawade auf dem Punkt, was viele Zuschauer empfinden. Am 1. Oktober 1979 nach Zinnitz gekommen, verfolgt der frühere Landwirt das Wirken seit 40 Jahren und weiß dieses aus eigenen Erfahrungen zu schätzen. Am Morgen des 21. Juni 2008 brannten auf dem Gelände des Landwirtschaftsbetriebes Zinnitz-Groß Jehser 700 Heuballen. Nur durch das schnelle und beherzte Eingreifen der 120 Feuerwehrleute aus der unmittelbaren Nachbarschaft, Lübbenau und Vetschau konnte ein Übergreifen der Flammen auf die nur 25 Meter entfernte Rindermastanlage verhindert werden.

Mit einem Grillabend bedankte sich Wolfgang Sawade später bei allen Einsatzkräften. „Wir unterstützen uns, wo wir können“, so der Landwirt im Ruhestand, dessen Hingabe für die Zinnitzer Wehr, aber auch für die lokale Kita und den Heimatverein von seinem Nachfolger, Robert Häußler, fortgesetzt wird.