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"Jetzt nicht in Panik verfallen"

Hans-Peter Lange, Inhaber einer freien Werkstatt in Vetschau und Präsident des Landesverbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Berlin-Brandenburg, sieht keine Alternative zum Dieselmotor.
Hans-Peter Lange, Inhaber einer freien Werkstatt in Vetschau und Präsident des Landesverbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Berlin-Brandenburg, sieht keine Alternative zum Dieselmotor. FOTO: M.-C. Zeidler
Vetschau. Besitzer von Dieselautos in der Region sind verunsichert. Kfz-Experte Hans-Peter Lange rät jedoch zum Abwarten und Durchatmen: Der Dieselmotor dürfe nicht verteufelt werden. Michèle-Cathrin Zeidler

Die Verunsicherung rund um Fahrverbote für Dieselfahrzeuge ist in der Spreewaldregion groß - das spürt Hans-Peter Lange, Präsident des Landesverbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Berlin-Brandenburg, bei seinen Kunden. "Dieselfahrer dürfen jetzt nicht in Panik verfallen", rät der Inhaber einer freien Kfz-Werkstatt in Vetschau. "Die Entscheidungen der Politik und der Gerichte müssen erst einmal abgewartet werden". Er warnt dabei ausdrücklich vor den Folgen eines Fahrverbotes. "Das würde einer faktischen Enteignung der Autofahrer gleichkommen und hätte extreme Auswirkungen auf die Preise für gebrauchte Dieselfahrzeuge im Handel."

Bereits jetzt seien die Auswirkungen in den Autohäusern spürbar. "Die Standzeiten für gebrauchte Diesel sind deutlich höher", weiß Hans-Peter Lange, der auch der Obermeister der Kfz-Innung Cottbus ist. Während ein Dieselfahrzeug sonst im Schnitt 30 Tage auf einen neuen Käufer gewartet hat, sind es aktuell 80 Tage. Weiterhin sei der Wertverlust der Fahrzeuge zwar schwer pauschal zu beziffern, aber die Branche spricht von 10 Prozent.

"Der Dieselmotor darf jetzt nicht verteufelt werden", sagt Hans-Peter Lange. "Die meisten Busse und Lkws sowie sämtliche kommunale Technik, Krankenwagen und Feuerwehrautos sind Dieselfahrzeuge." Die könnten nicht alle auf einen Schlag aus dem Verkehr gezogen werden. "Außerdem ist die Kohlendioxid-Bilanz der Benziner schlechter", weiß der Vetschauer. "Ohne den Diesel schaffen wir unsere Umweltbilanz nicht mehr." Auch das Elektroauto sei noch keine wirkliche Alternative. "Die Technik ist noch nicht ausgereift, die Reichweite ist noch zu gering", findet der Kfz-Experte. "Verbrennungsmotoren mit Diesel und Benzin werden noch die nächsten 30 Jahre anhalten."

Beim Autokauf rät der Präsident des Landesverbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Berlin-Brandenburg dazu, ganz klassisch die Bedürfnisse der Fahrer zu berücksichtigen: "Ein Diesel ist und bleibt die beste Wahl für einen Langstreckenfahrer."

Auch aktuell würde er sich weiterhin einen Dieselwagen kaufen. "Der Motor ist einfach am weitesten entwickelt was den Kraftstoffverbrauch, das Drehmoment und die Leistung betrifft", begründet der 72-Jährige seine Entscheidung.

Hans-Peter Lange möchte keine Kaffeesatzleserei betreiben, aber er hofft, dass kein Fahrverbot ausgesprochen wird. "Eine erste Lösung wäre ein Softwareupdate und danach muss sich die Industrie um weitere saubere Lösungen für den Dieselmotor bemühen." Schließlich hätten wir nur eine Erde.

Wenn ein Softwareupdate erforderlich ist, erhalten die Besitzer eine Benachrichtigung. "Die Nachrüstung der Software darf nicht zulasten der Autohäuser und Kunden stattfinden", betont Hans-Peter Lange. "Die Industrie hat es verbockt und muss nun auch dafür geradestehen."

Zum Thema:
In Oberspreewald-Lausitz sind derzeit etwa 96 000 Fahrzeuge zugelassen. Davon werden etwa 27 000 mit Dieselkraftstoff angetrieben. Lediglich 20 Gefährte sind reine Elektrofahrzeuge (ohne Krankenfahrstühle). Hybridfahrzeuge sind der Zulassungsbehörde zufolge etwa 300 in der Spur.