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| 16:40 Uhr

Dreharbeiten in Raddusch, Lehde, Burg
Japaner drehen Spreewald-Film

Spreewald-Fotograf Peter Becker hat Donnerstag mit dem japanischen Drehteam unter anderem die Radduscher Kita Marjana Domaškojc besucht. Die Kinder führten ein Theaterstück in sorbischer Sprache auf.
Spreewald-Fotograf Peter Becker hat Donnerstag mit dem japanischen Drehteam unter anderem die Radduscher Kita Marjana Domaškojc besucht. Die Kinder führten ein Theaterstück in sorbischer Sprache auf. FOTO: LR / Daniel Preikschat
Raddusch. Team aus Fernost begleitet den Radduscher Fotografen Peter Becker. Von Daniel Preikschat

So weit strahlt der Spreewald selten aus. Voraussichtlich mindestens eine Million Japaner werden im Juli im Frühstücksfernsehen in einem 30-Minuten-Film Bekanntschaft mit der Region machen. Shinya Kitamura dreht mit seiner Ehefrau Eva regelmäßig für das japanische Fernsehen und ist sich sicher: „Die Japaner werden beeindruckt sein vom Spreewald.“

Die naturschöne Tourismusregion selbst erstmals kennengelernt hat das deutsch-japanische Ehepaar mit Wohnsitz in Berlin vergangenes Jahr im Urlaub. Kitamura fand es so schön in der Lagunenlandschaft, dass er beschloss, den Sendebeitrag anzubieten. Beim zuständigen Produzenten sei der Vorschlag sofort gut angekommen. Es gebe eine Sendereihe in Japan, so Kitamura, die man mit „Reise ins Paradies“ ins Deutsche übersetzen könnte. Woche für Woche werde eine andere fremde und faszinierende Region irgendwo auf der Welt vorgestellt.

Den Spreewald, sagt Kitamuras Produktionsassistent Yuichiro Tashiro, kennt in Japan kaum jemand. Seine Landsleute seien besonders interessiert an Traditionen fremder Länder. Für den Spreewald-Film brauchte man jemanden aus der Region, der diese Traditionen lebt und im Film der Protagonist ist, ein Spreewald-Original.

Ein Kahnfährmann in Lübbenau gab Kitamura den Tipp, es bei Peter Becker zu versuchen. Hatte doch der Radduscher Fotograf in Zeitungsartikeln einige solcher Spreewald-Originale vorgestellt. Nach weiterer Recherche kamen die Japaner dann aber zu dem Schluss: Peter Becker selbst ist der Richtige. Mit seinen guten Kontakten konnte er dem Drehteam viele Türen öffnen. Der pensionierte Lehrer, engagiert im Radduscher Heimatverein und interessiert an der touristischen Entwicklung des Spreewalds, sagte den Japanern gerne zu. Um die Region auch in Fernost bekannt zu machen, dafür nehme er sich gern eine Woche Zeit, sagt er.

Seit Dienstag nun ist Becker mit dem Drehteam unterwegs. Shinya Kitamura nimmt die Töne auf, seine Frau filmt. So auch Donnerstag in der Radduscher Kindereinrichtung „Marjana Domaškojc“. Hier sangen die Kinder sorbische Lieder, führten auch ein ergreifendes Theaterstück in sorbischer Sprache auf: Ein Storchenjunges ruft verzweifelt nach seiner Mutter. Katze, Pferd, Häschen und Hund hören das und kommen. Am Ende des Stücks auch die Storchenmutter, die ihr Kleines umarmt.

Die Radduscher Kita war nur eine Besuchsstation von mehreren. Peter Becker hat einen Wochenplan ausgearbeitet, der die Japaner mit den verschiedensten Traditionen im Spreewald bekannt macht. So geht es unter anderem in die Straupitzer Mühle, in Burg in die Kräutermanufaktur und ins Geschichtsstübchen, in Lehde sind die Japaner zu Gast auf dem Hof von Familie Kilka, um die traditionelle Landwirtschaft kennzulernen. Hier übernachten sie auch. Am Sonntag wird ein sorbischer Gottesdienst besucht. Zum Konzept der Sendereihe gehöre es, die fremde neue Welt mit den Augen des Protagonisten zu betrachten, so Shinya Kitamura. Peter Becker muss sagen, wo es lang geht, was angeschaut wird.

Becker dürfte das wenig ausmachen. Weil er es gewohnt ist. Regelmäßig bietet er Foto-Workshops an mit Wanderungen im Spreewald. Allerdings hatten nicht alle Spreewald-Originale, zu denen er die Japaner führen wollte, auch Zeit. Mitunter sind sie viel beschäftigt, gerade in der Hauptsaison, die jetzt begonnen hat. So musste Becker zum Beispiel der Meerrettich-Produzent und Kahnbauer Karl Koal leider absagen. „Ich denke aber, dass unser Programm dennoch sehr ansprechend ist und den Zweck erfüllt“, so der Spreewälder.

Davon sind auch seine japanischen Begleiter überzeugt. Yuichiro Tashiro glaubt sogar: „Bestimmt kommen nach der Ausstrahlung des Films im nächsten Jahr viel mehr Japaner in den Spreewald als bisher.“