Am kommenden Samstag, 17. November, geht es in der Bunten Bühne Lübbenau so richtig zu Sache. Die „Haystackers“ – abgeleitet von Haystack, zu Deutsch Heuschober – haben den Kulturtempel gemietet, um darin ihr Jubiläumskonzert zu veranstalten. Im Vorfeld blickt Mitbegründer und Frontmann Daniel Schmidgunst (git/voc) auf 20 Bandjahre zurück.

Daniel, im Gegensatz zu den Rolling Stones klingen 20 Musikjahre noch sehr bescheiden. Aber auch die müssen erst einmal musikalisch gefüllt werden. Können Sie sich noch an die Anfangsjahre erinnern?

Schmidgunst Na klar. Mit Ingolf Tessmer haben wir schon zu Schulzeiten zur Gitarre gegriffen. Ich kann mich noch dunkel an ein Schulkonzert erinnern. Geprobt haben wir die ersten Jahre im Probenhaus auf dem Kraftwerksgelände, das damals auch von anderen Bands genutzt wurde. Unter ihnen Heavy-Metal-Gruppen. Ich glaube, wir waren die bravste Truppe.

Nach etwa fünf Jahren seid Ihr dann aber in einen eigenen Probenraum gezogen?

Schmidgunst In der Lübbenauer Altstadt haben wir entsprechende Räumlichkeiten gefunden. Die Zeit auf dem Kraftwerksgelände werden wir jedoch nicht vergessen, schließlich konnten wir uns dort von den gestandenen Bands einiges abgucken.

Am 18. November 1998 gegründet, seid Ihr aber mit sechs Musikern an den Start gegangen?

Schmidgunst Richtig. Daher auch unserer früherer Bandname „Six Pack“. Bei der Besetzung gab es immer mal wieder Wechsel, was bei jungen Bands durchaus normal und auch gut ist. Von der Ursprungsbesetzung sind neben mir noch Ingolf Tessmer (git/voc) und Alexander Bertram (bass) dabei. Vor zehn Jahren stieß Drummer Konrad Laske zu uns. Er bildet das musikalische Puzzleteil, das uns noch gefehlt hat, und kann als studierter Schlagzeuger die solideste Ausbildung von uns allen aufweisen. Als Quartett genießen wir den Vorteil, auch auf kleineren Bühnen in Clubs oder Bars auftreten zu können.

Und wie kam es zur Namensänderung?

Schmidgunst Eine Band aus dem Rheinland hatte sich die Namensrechte für „Six Pack“ gesichert, wodurch wir uns gezwungen sahen, einen neuen Bandnamen zu finden. Auf dem Weg zu einer Mugge nach Cottbus kam uns kurz hinter der Lübbenauer Doppelschranke die Blitzidee „Haystackers“. In dem Namen vereinen sich lokale Nähe, unsere musikalische Ausrichtung zu überwiegend englischsprachigen Texten und unsere Philosophie „More than Rock’n’Roll“.

Mehr als Rock’n’Roll heißt?

Schmidgunst Wir sehen uns nicht als Nischenband oder reine Oldie-Kapelle. Zum Repertoire gehören Rock, Soul, Blues, Party Classics, Rock’n’Roll aber auch Balladen. Letztendlich geht es uns darum, die Musik zu spielen, die wir auch verkörpern. Auch wenn uns in den Anfangsjahren nicht jedes Konzert optimal gelungen ist, wurde uns immer Authentizität bestätigt. Auf der Bühne drehen wir quasi den Schalter um und haben einfach Spaß an der Sache.

Und den wollt Ihr auch am Samstag verbreiten?

Schmidgunst Zu unserer Party haben wir eine Reihe von treuen Weggefährten eingeladen. Darunter frühere Bandmitglieder, Musikerkollegen wie Knut Petrick (Vetschau), unseren Lübbenauer Licht- und Tontechniker Guido Lerch und langjährige Veranstalter wie den Wirt von Molly Malone‘s Irish Pub in Riesa. Dort sind wir schon 2019 für das 25. Kneipenjubiläum gebucht worden. Generell mögen wir die Kneipen- und Clubatmosphäre, wie etwa bei den Altstadtnächten in Cottbus.

Es gab aber auch die großen Open-Air-Konzerte vor tausendfachem Publikum?

Schmidgunst Richtig. Auftritte in Leipzig, Magdeburg oder Berlin sind in Erinnerung geblieben. Oder die Calauer Rocknächte vor schätzungsweise 4000 bis 5000 Zuhörern. Unvergessen bleibt die ganztägige Show zum Stadtjubiläum „700 Jahre Lübbenau“, bei der nahezu alles aufgefahren wurde, was unsere Stadt musikalisch zu bieten hat: HGD (heute Black Barrel), UC, Rudi Babben, Andreas Schenker, wir und eine Reihe weiterer Interpreten.

Und da gab es noch dieses legendäre Abschlusskonzert der Folklorelawine 2013 in Burg ...

Schmidgunst Das war schon verrückt. Trotz Regens sind die einzelnen Folkloregruppen und viele Gäste geblieben, um uns zuzuhören. Die Stimmung war fantastisch. Irgendeine Folkloregruppe hat mit ihren Holzpantoffeln im Takt mitgeklappert, und uns haben nach dem Konzert junge Mädchen aus der Ukraine besucht, um sich ein Autogramm abzuholen. In dem Moment haben wir uns alle ein bisschen wie Rockstars gefühlt.

Erinnerungen können einem nicht genommen werden, doch wie sieht es mit der Zukunft von den Haystackers aus?

Schmidgunst Auf alle Fälle haben wir noch Lust für weitere 20 Jahre. Entscheidend ist, dass wir das Musizieren als Hobby betreiben und uns nicht unter Druck setzen müssen. Was nicht ausschließt, dass wir Qualität liefern wollen. Inzwischen hat sich schon eine kleine Fangemeinde formiert, die uns zu Konzerten nachreist. Da werden wir am Samstag sicher einige wiedertreffen. Wir freuen uns schon auf die Party in der Bunten Bühne.

Mit Daniel Schmidgunst sprach
Uwe Hegewald