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| 18:15 Uhr

Ehrenamt
Integrieren statt resignieren oder polarisieren

Auf Initiative der Bürgerinitiative „Buntes Lübbenau“ gab es bereits mehrere öffentliche Veranstaltungen für und mit Flüchtlingen. So etwa die Demonstration im April 2016 mit Marsch und einem Kulturprogramm in der Lübbenauer Altstadt.
Auf Initiative der Bürgerinitiative „Buntes Lübbenau“ gab es bereits mehrere öffentliche Veranstaltungen für und mit Flüchtlingen. So etwa die Demonstration im April 2016 mit Marsch und einem Kulturprogramm in der Lübbenauer Altstadt. FOTO: Uwe Hegewald
Lübbenau. Ohne Ehrenamt wäre das Leben im Landkreis OSL nicht so bunt wie es ist. Für ihr Wirken wird verdienstvollen Bürgern regelmäßig gedankt. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche. Heute Bürgerinitiative „Buntes Lübbenau“.

(uhd) Auf den Flüchtlingsstrom vorbereitet sein, ein reibungsloses Miteinander organisieren, Hilfestellungen geben, wo diese erforderlich sind, aber auch Vorurteile abbauen. Eine Fülle von Faktoren hatte Bürger aus Lübbenau bewogen, im Sommer des Jahres 2015 eine Hilfsorganisation für Geflüchtete zu bilden. Es war die Geburtsstunde der Bürgerinitiative „Buntes Lübbenau“, die bis heute aktiv ist. „Uns war nach den Bildern in den Medien schon klar, dass die Flüchtlingswelle irgendwann auch die vermeintlich kleineren Orte wie Lübbenau erreicht“, sagt Thomas Fron.

Neben Sebastian Liedke und Christian Lessing gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der BI. Vorausgegangen waren zahlreiche Treffen und Gespräche auf mehreren Ebenen. Was gilt es zu beachten? Was können wir vorbereiten? Wer kann welche Aufgaben übernehmen? Arbeitsgruppen wurden gebildet, um sich den Herausforderungen zu stellen und um Antworten auf die Fragen zu finden. An Bereitschaft zur Mitarbeit habe es nie gefehlt. Bei der Stadtverwaltung um Elisabeth Jente, bei Bürgermeister Helmut Wenzel oder der TSG Lübbenau, dem Mitglieder stärksten Verein habe man immer auf offene Ohren gefunden, erinnert sich Thomas Fron. Darüber hinaus hätten die lokalen Wohnungsgesellschaften oder -genossenschaften Unterstützung für das Projekt geleistet und sich mehr als 100 Menschen in den E-Mail-Verteiler der Initiative eintragen lassen. Dass die damalige Flüchtlingssituation einen entsprechenden Verlauf genommen hat, macht Thomas Fron auch an den bereits vorhandenen Lübbenauer Strukturen fest. „Gegenüber anderen Kommunen hatten wir einen Vorlauf von rund einem halben Jahr“, erklärt er. Mit der Koordinierungsstelle Gleis 3 hatte die Bürgerinitiative zuverlässige Partner. Als hilfreich erwies sich zum Beispiel das Bereitstellen oder Vermitteln von Räumlichkeiten – sei es für Treffen, Schulungen oder zum Lagern von Möbelspenden. Vom ersten Tag des Ankommens an wurden Flüchtlingen Deutschkurse angeboten. Freiwillige – oftmals pensionierte Lehrer und Muttersprachler – büffelten mit den Ankömmlingen. „Ich kann nicht sagen, dass uns damals irgendwelche gravierenden Fehler passiert sind. Wir würden alles wieder so machen“, resümiert der Lübbenauer.

Inzwischen ist es in der Spreewaldstadt in Flüchtlingsangelegenheiten merklich ruhiger geworden. Zurückzuführen ist das auf den merklichen Rückgang von Asylbewerbern aber auch auf die zunehmende Selbstständigkeit der Familien, die vor Krieg, Verfolgung oder Hungersnot geflüchtet sind. „Dutzende haben inzwischen eine Arbeit gefunden, studieren an der BTU Cottbus-Senftenberg oder haben eine Lehre begonnen“, zeigt Thomas Fron auf, wie Integration funktionieren kann und sollte.

Auch stellt er klar, dass es den Unterstützern in den Reihen der Bürgerinitiative auch immer darum ging, Hilfe zur Selbsthilfe zu entwickeln. Statt ständig Arbeit abzunehmen gehe es darum, Flüchtlinge und Asylbewerber für Behördengänge fit zu machen. Bei vielen Mitbewohnern sei das Engagement für die Hilfebedürftigen nie abgerissen. „Waltraud Walla gibt noch heute Nachhilfeunterricht in Deutsch“, nennt Thomas Fron ein Beispiel. Auch werde an die 14-tägigen Treffen in den Räumlichkeiten der Koordinierungsstelle Gleis 3 festgehalten und an den monatlichen Frauen- und Mädchenstammtischen. Im Fokus stehe das ungezwungene Plaudern, Austauschen von Erfahrungen, das Kennenlernen anderer Kulturen und Bräuche oder die Begegnungen mit Menschen, denen ähnliche Schicksale widerfahren sind.

Bereits 2016 sind Thomas Fron, Sebastian Liedke und Christian Lessing zum „Tag des Ehrenamtes“ im Landkreis Oberspreewald-Lausitz in die Kreisstadt Senftenberg gebeten worden, um dort Dankesworte entgegenzunehmen. Gewürdigt wurde das frühzeitige Reagieren auf die Flüchtlingswelle, die Gründung der Willkommensinitiative sowie das Mobilisieren weiterer Helfer. In der Laudatio nicht unerwähnt blieb der Hinweis über permanente Anfeindungen und latente Bedrohungen  aus der rechten Szene. „Die Lübbenauer Bürgerinitiative ‚Buntes Lübbenau‘ ist ein überaus positives Beispiel, wie die Integration von Flüchtlingen und Asylbewerbern in einer Stadt gelingen kann“, begründete seinerzeit Marita Thümmler vom Kreissozialamt. Der Fortbestand und Zusammenhalt sei gerade deshalb „besonders lobenswert“. Durch die Aktivitäten der Gruppe sei eine Kultur des toleranten Willkommens gegenüber Neubürgern, Gästen und anderen Kulturen entstanden.