Über Brücken redet es sich am besten, wenn man vor einer Brücke steht. Das haben diese Woche die Mitglieder des Lübbenauer Bauausschusses beherzigt. Denn Stadtverordnete, sachkundige Einwohner und Rathaus-Mitarbeiter hatten sich an der Stufenbrücke am Kahnhafen in Lübbenau verabredet. Auf den Stufen des Bauwerks nahe der Orangerie ließen sie Bohlen auslegen, außerdem waren lange Seile am Geländer befestigt. Ziel war, so eine bessere Vorstellung davon zu bekommen, wie die geplante neue Brücke über das Lehder Fließ aussehen könnte.

Neue Brücke wird ortsteilprägend für Lehde

Dieses geplante Bauwerk ist für Lehde von großer Bedeutung. Es liegt ortsbildprägend mitten im touristischen Kleinod. Zudem sind über die Brücke fünf Grundstücke sowie Wochenendhäuser erreichbar. Es werden daher an der Brücke auch ein Umladeplatz und eine Kahnanlegestelle neu gestaltet. Der abrissreife Vorgängerbau war noch Privatbesitz gewesen und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

In Sitzungen und Diskussionsrunden war aufgrund verschiedener Varianten aus dem Planungsbüro die Bauart diskutiert worden. Die Breite, vor allem aber die Höhe war umstritten. Die Idee, die Brücke überfahrbar für Autos zu machen, wurde recht bald verworfen. Dafür wollte man zumindest Rampen in die Treppe einbauen, um beispielsweise Rollkoffer oder Bollerwagen über das Fließ ziehen zu können. Die Rollflächen sollten aber auch wieder nicht zu viel Platz wegnehmen. Die AWG-Fraktion beantragte daher eigens eine Stufenbreite von einem Meter. Den Lehdern selbst war außerdem eine Brückenhöhe von 2,55 Meter ganz wichtig, damit auch Kähne, die hoch aufragende Technik geladen haben, drunter passen.

An vielen Schrauben also musste gedreht und viel diskutiert werden, um sich auf ein Konsens-Bauwerk zu einigen, mit dem alle zufrieden sind. Bei der Stadtverordnetenversammlung (SVV) Ende September gelang das noch nicht. Der „Ersatzneubau“ mit Merkmalbeschreibung sollte zwar beschlossen werden, doch die Meinungen gingen zu weit auseinander. Im Bauausschuss sollte nochmals beraten werden.

Gewünschte Brückenhöhe von 2,50 Meter

Das geschah nun diese Woche vor der Brücke am Kahnhafen. Fachbereichsleiter Sven Blümel machte hier nicht mehr wie noch in der SVV den Versuch, gegen die gewünschte Brückenhöhe von 2,50 Meter im Sommerstau zu argumentieren. Als gewünschte Breite wiederum für die Stufenbrücke hielt er 1,80 Meter fest. Überraschenderweise bekommt das neue Brückenbauwerk nun doch keine Rampe. Im Winter könne so eine glatte Rollfläche „kreuzgefährlich“ werden, hieß es, außerdem hindere sie Fußgänger zu zweit nebeneinander oder mit Rad sicher über das Bauwerk zu kommen. Und schließlich haben andere Stufenbrücken in Lehde auch keine Rampe. Das einheitliche Brückenbild sei ein Markenzeichen von Lehde, damit punkte man. Wie die anderen Lehder Brücken wird auch der Neubau jedoch einseitig eine Radführung bekommen. Auch das hielt Fachbereichsleiter Sven Blümel fest, um im Rathaus eine neue Beschlussvorlage für die nächste SVV zu formulieren, die endlich mehrheitsfähig sein dürfte.

Wie werden Stufenbrücken barrierefrei? Die Brückenschieber sind passé

Lübbenau

Bei dem Vor-Ort-Termin waren es vor allem die Lehder Ulf Richter und Günter Brandt, die das Wort ergriffen und Gründe vortrugen. Stadtverordnete und auch Ausschussvorsitzender Siegmar Feldheim äußerten sich dahingehend, dass man in der Sache auf die Lehder hören sollte. Es sei zwar lange diskutiert worden, sagte Sebastian Liedke (Linke). Doch wenn am Ende ein guter Kompromiss steht, dann sei doch alles gut.