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| 18:46 Uhr

Konflikt um Lärmbelästigung schwelt seit Jahren in Göritz
Schlaflose Nächte: Streit um Festival „Wilde Möhre“

 Mit rund 5000 Besuchern pro Veranstaltungstag rechnen die Festivalmacher.
Mit rund 5000 Besuchern pro Veranstaltungstag rechnen die Festivalmacher. FOTO: Wilde Möhre GmbH
Göritz. Eine Familie in Göritz will die Lärmbelastung durch die Großveranstaltung „Wilde Möhre“ nicht länger hinnehmen. Beide Seiten werfen sich vor, nicht miteinander zu reden. Von Daniel Preikschat

Klaus Ludwig lebt mit Ehefrau Simone und zwei Kindern zwischen Gräbendorfer und Altdöberner See auf einem Vierseitenhof in Göritz. Wegen der Verheißung auf Idylle sei man vor sieben Jahren aus Berlin hierher umgezogen. In direkter Nachbarschaft jedoch haben die Macher der jährlich stattfindenden Großveranstaltung „Wilde Möhre“ Festivalgelände gepachtet. Und an diesem Wochenende ist es wieder soweit. 90 DJs und 30 Bands beschallen das Areal, auch nachts. Die Ludwigs rechnen erneut mit schlaflosen Nächten.

Baulärm, Busse, unschöne Hinterlassenschaften

Dieser nächtliche Lärm, so der Wahl-Göritzer aus Berlin, sei die größte, aber nicht die einzige Belastung. Schon Wochen zuvor töne Baulärm bis spät abends aufs Gehöft. Am Wochenende dann hielten ständig Busse vor dem Anwesen der Ludwigs. Viele der aussteigenden Festivalbesucher verrichten im Wald erstmal ihre Notdurft, so Klaus Ludwig. Die Hinterlassenschaften liegen dort noch lange herum. Auch sind sich die Ludwigs sicher, dass auf der gepachteten Fläche gegen Baurecht verstoßen wird. Vor der Veranstaltung errichtete Holzhäuschen werden nach der Veranstaltung nicht wieder zurückgebaut.

Familie beklagt vergebliche Gespräche und Appelle

Die Ludwigs wollen das Festival nicht verhindern, sie fordern aber Rücksichtnahme und, dass entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, sagt Klaus Ludwig. Vergeblich jedoch habe die Familie mit Verpächter, Veranstalter und genehmigender Behörde, der Stadt Drebkau, das Gespräch gesucht. Daher habe man nun mit rechtlichem Beistand den Klageweg beschritten. Unter anderem klagen Ludwigs gegen die Wilde Möhre GmbH wegen der Lärmbelastung.

Veranstalter weist Vorwürfe zurück

Alexander Dettke vom Veranstalter „Wilde Möhre“ weiß um die Belastung, der die Ludwigs ausgesetzt sind, wie er versichert. Gern würde er im gemeinsamen Gespräch auch für Linderung sorgen, etwa durch Schallschutzmaßnahmen. Laut Dettke sei es aber gerade umgekehrt: Nicht Veranstalter und Stadt verweigern das Gespräch, sondern die Ludwigs. Man selbst sei stets dialogbereit und wolle die Anwohner mitnehmen. Die Vorwürfe Klaus Ludwigs weist Dettke zurück. Man halte sich an alle Auflagen.

So werden beispielsweise an die hundert Kompost-Toiletten aufgestellt und Urinale. Der Lärm werde vor dem Hof der Ludwigs gemessen und überschreite nicht die Grenzwerte.

Lautstärke soll nachts deutlich reduziert werden

Richtig sei: Die ganze Nacht von Freitag auf Samstag, von Samstag auf Sonntag und von Sonntag auf Montag dürfen Bands und DJs Musik machen. Die Lautstärke werde nachts jedoch deutlich reduziert.

Dettke bestätigt auch, dass auf der für zehn Jahre gepachteten Fläche errichtete Holzbauten stehen bleiben sollen. Weiterhin sei nicht auszuschließen, künftig mehr als nur eine Veranstaltung im Jahr stattfinden zu lassen. Doch schon vor dem nunmehr siebten „Wilde-Möhre“-Festival habe es mehr als nur eine Veranstaltung jährlich gegeben. Und was das Baugeschehen betrifft, bewege man sich selbstverständlich im rechtlichen Rahmen.

Eine Ausnahmegenehmigung für drei Nächte

Judith Minks, Leiterin des Bürgeramtes, bestätigt: Für die drei Nächte hat der Veranstalter von der Stadt Drebkau eine Ausnahmegenehmigung bekommen. Mit deutlich weniger Dezibel darf zwischen 22 Uhr und 6 Uhr Musik ertönen. In den Morgenstunden, von 6 Uhr bis 10 Uhr, muss nochmals leiser gedreht werden. Laut einer Freizeitlärmrichtlinie dürfen Kommunen bei besonderen Ereignisse solche Ausnahmen zulassen. Man halte das in der Stadtverwaltung in dem Fall für die Anwohner für zumutbar.

Bei der Abwägung habe laut der Amtsleiterin auch eine Rolle gespielt, dass die Veranstalter sichtlich um ein gutes Einvernehmen mit den Anwohnern bemüht sind. Vor dem Anwesen der Ludwigs werde ein Messpunkt eingerichtet, um zu gewährleisten, dass die Grenzwerte eingehalten werden.

Vom Festival Wilde Möhre, so schätze man dies in der Stadtverwaltung ein, profitiere die Region. Bei welcher Gelegenheit sonst, so Judith Minks, kommen so viele junge Menschen in diese Region und lassen hier auch ihr Geld. Einige der Besucher, so die Hoffnung, kommen möglicherweise wieder. Um hier Urlaub zu machen oder gar sich niederzulassen.