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In Calau wächst ein neuer Schuhbaum

Aktivisten haben für Calau wieder das Wahrzeichen und einen Platz für ganz persönliche Wünsche geschaffen: einen Schuhbaum.
Aktivisten haben für Calau wieder das Wahrzeichen und einen Platz für ganz persönliche Wünsche geschaffen: einen Schuhbaum. FOTO: Stephan Uhlig
Calau. Obwohl die Knospen an den Bäumen noch nicht ganz aufgebrochen sind, wächst und gedeiht in Calau ein neuer Schuhbaum. Nachdem im März 2011 ein solches Kunstwerk an der Lübbenauer Straße abgeputzt wurde, gibt es offenbar in der Schusterstadt rührige Aktivisten, die nicht auf die Ankündigung der Administrative warten, sondern selbst kreativ tätig werden. Stephan Uhlig

Er wurde beschimpft und gefeiert, der Schuhbaum an der Lübbenauer Straße. Damals, im März 2011 hieß es offiziell, dass vom Schuhbaum "eine Gefahr für den Straßenverkehr ausgeht", da er zu nahe an der Fahrbahn steht. Er wurde letztlich abgeputzt und sorgte zunehmend für Diskussionen. Während die einen schimpften, dass solche Bräuche, die hier gar keine Tradition hätten, auch nicht in den öffentlichen Verkehrsraum gehören, fand die Idee wegen ihrer Kreativität zur Schaffung eines kostenneutralen Werbeschilds für die ehemalige Schusterstadt Calau breite Anerkennung. Die Urheber blieben bis heute unbekannt. Die "Beschuhung" eines Baums hat eine tiefere Bedeutung. Der Brauch lässt sich historisch zwar nicht bestimmen. Es geht darum, dass auf ein altes Paar Schuhe, die an den Schnürsenkeln zusammengebunden wurden, persönliche Wünsche für die Zukunft geschrieben und dann auf den Baum geschleudert werden. Somit stellt der Schuhbaum einen Ort dar, an dem jeder einen Platz für seine Wünsche finden kann. So ein "Kunstwerk" gehört einfach auch in die Schusterstadt Calau, sind sich einige Einwohner sicher. Das "Abputzen" des Schuhbaums durch die Straßenmeisterei war seinerzeit rechtlich völlig korrekt. Dennoch blieb die Idee im Raum stehen, darüber nachzudenken, eventuell an anderer Stelle einen Schuhbaum entstehen zu lassen. Scheinbar trauten kreative Calauer den Ankündigungen der Administrative von damals nicht oder wollten nicht abwarten, bis vielleicht eine Entscheidung zu einem richtig teuren Kunstwerk gefallen wäre. Stattdessen wurden sie spontan selbst aktiv und schufen für Calau ein neues Wahrzeichen. Zumindest muss sich diesmal die Straßenmeisterei keine Sorgen machen.