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| 02:32 Uhr

Immer noch kein bisschen leise

Das Orchester und sein Dirigent Frank Kornauke bedankten sich beim Publikum für den langanhaltenden Applaus.
Das Orchester und sein Dirigent Frank Kornauke bedankten sich beim Publikum für den langanhaltenden Applaus. FOTO: P. Becker
Vetschau. Der Vetschauer Klangkörper hat an einem ungewöhnlichen Ort sein 60-jähriges Bestehen gefeiert – in der gut besuchten Solarsporthalle. Für viele Besucher war es ein Wiedersehen nach Jahrzehnten. Peter Becker

Das Gelände des Vetschauer Schulzentrums ist weiträumig zugeparkt gewesen. Die Kennzeichen verrieten, die Herkunft: Von Freiburg bis Stralsund, von Köln bis Frankfurt (Oder) waren Besucher gekommen. Die einen waren selbst einmal im Orchester, die anderen hatten Familienmitglieder im Klangkörper. Sie alle verband die Liebe zu ihrer Herkunft, zur Jugend und zur Heimat. Am Ende des Konzerts gab es noch viele lange Gespräche und Erinnerungen machten bis spät in die Nacht die Runde. Dabei mussten die aktiven Musiker auf ihre Fitness achten, denn schon am nächsten Tag hatten sie gemeinsam mit anderen Orchestern ein weiteres Konzert in der Halle.

Begonnen hatte das Festwochenende mit dem Auftritt des Vetschauer Orchesters, so wie es sich im 60. Jahr seines Bestehens präsentiert: modern, hoch konzentriert, mit alten und neuen Titeln im Repertoire. Unter den 36 Musikern das jüngste Mitglied, der 14-jährige Kilian Schneider und das älteste, Professor Martin Neumann. Er ist zugleich Vorsitzender des Musikvereins und selbst nur sechs Monate älter als der Klangkörper.

Das Orchester wurde 1956 im nahen Krieschow von Herbert Mothes gegründet. Der Name der Musikergruppe wurde im Laufe der Zeit mehrfach geändert. Vom Pionierblasorchester Krieschow zum Pionier- und FDJ-Blasorchester "Erich Weinert" Vetschau, später hieß es FDJ- und Pionierblasorchester, dann Jugendblasorchester Vetschau. Mit der politischen Wende wurde aus dem Klangkörper ein eingetragener Verein mit der Bezeichnung Musikverein Vetschau.

Steffen Mothes, Sohn des Gründers, erinnert sich: "Ich war grad' elf Jahre alt, als mein Vater mich auf Instrumenteneignung testete. Er verordnete mir die Tuba und fortan war ich mit dem Instrument für Jahrzehnte verbunden und bei fast allen Auftritten dabei." Davon gab es viele, kaum ein Großereignis in der DDR, an dem das Vetschauer Orchester nicht teilnahm.

Untrennbar mit dem Klangkörper ist der Name Peter Ettelt verbunden. Der 2009 viel zu früh verstorbene Musiker hinterließ eine spürbare Lücke. Nach einer Besinnungsphase und einer Neuorientierung gelang es dem jetzigen Leiter Frank Kornauke, das Orchester zu altem Glanz zu führen. Er ist Musiker im Stabsmusikkorps der Bundeswehr und pendelt zwischen Berlin und Vetschau. Jede zweite Woche finden im Vetschauer Haus der Musik Proben statt.

Während des Festkonzerts gab es Grußworte von Martina Münch (SPD), Brandenburgs Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, und Vetschaus Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos). Letzterer würdigte die Leistungen des Orchesters für die Stadt und nahm Auszeichnungen vor. Die Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände ehrte unter anderem Frank Kornauke mit der Dirigentennadel in Silber, Martin Neumann mit der Verdienstmedaille in Gold und den Vereinsschatzmeister Harald Hoffmann mit der Verdienstmedaille in Gold mit Diamant. Petra Mothes, eine Tochter des Gründers, erhielt für 50 Jahre aktive Tätigkeit zur Förderung der Musik ebenfalls diese Medaille.

Komponist Hans Hütten hatte ein besonderes Geburtstagsgeschenk dabei: Er überreichte Frank Kornauke die Partituren für "Rokokodance", eigens von ihm für das Orchester zum Jubiläum geschrieben.

Für gelegentliche "Unruhe" sorgte die Bilderschau auf der Großleinwand, die parallel zum Konzert lief. Heike Lehmann und Andreas Munitz hatten alte Fotos zusammengetragen. So mancher Besucher erkannte sich wieder und konnte seine Erheiterung kaum verbergen. Still wurde es im Publikum, als Bilder von Peter Ettelt und der ebenfalls verstorbenen Musikerin Silke Miesner gezeigt wurden.

Nach den Vetschauern kam die Express-Partyband auf die Bühne. Gründe zum Feiern mit alten und neuen Bekannten gab es reichlich.

Zum Thema:
Das Posaunen-Quartett "Tagesform" und das Saxofon-Quartett "Blattwerk" gehören zur Familie des Vetschauer Musikvereins. Beide Formationen gestalten eigenständige Konzerte und werden zu Veranstaltungen und Festen gebucht.Weitere Informationen gibt es auf der Homepage www.musikverein-vetschau.de .