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Imker besorgt über Bienenverluste

Es gibt immer weniger Honigbienen – mit ernsten Folgen für die Ökologie. Ein finanzieller Anreiz, glauben Imker, könnte die Motivation, Bienen zu halten, begünstigen. Auch im Spreewald und seinem Umfeld sichern die Bienen nach Überzeugung der Imker den Erhalt der Flora und Fauna. priv.


Willi Franke, einer der Lübbenauer Freizeitimker, hat den Umgang mit Bienen durch Beobachtung bei seinem Vater kennengelernt, der in Tornow und Lichtenau Bienenvölker hatte. Über Jahre war er bei Wanderungen in die Raps- und Rotkleetrachten nach Prenzlau dabei. Später übernahm er die Bienenstöcke und wurde Mitglied im Imkerverein Lübbenau. Dieser Verein wurde bereits vor 100 Jahren gegründet. Zurzeit zählt er 15 Mitglieder. Betreut werden Bienenvölker in Boblitz, Eisdorf, Groß-Radden, Hindenberg, Stennewitz und Zerkwitz.
Die Lübbenauer Imker freuen sich über Interessierte, die Theorie und Praxis erlernen wollen, um auch Imker zu werden. Außerdem betreuen sie Jugendliche mit Interesse für die Imkerei. Ansprechpartner sind unter Telefon 03542/4 65 06 oder 03542/4 43 68 erreichbar.
Willi Franke weist auf die ernste Situation bei den Honigbienen hin: Vor 500 Jahren seien zum Beispiel im Nürnberger Reichswald noch bis zu 77 Bienenvölker pro Quadratkilometer betreut worden. Heute sei die statistische Zahl der Bienenvölker auf einer solchen Fläche im Landesverband Brandenburgischer Imker auf 0,4 Völker gesunken.
Durch die Bestäubung der Blüten oder als Biomasse für Insekten fressende Lebewesen ergebe sich pro Bienenvolk nach aktuellen Berechnungen ein ökologischer Nutzen von durchschnittlich 2270 Euro im Jahr. Honig und Wachs seien in diesem Zusammenhang Nebensache. Vor allem erbringe die Biene als Blütenbestäuber auch wild lebender und seltener Pflanzen, die vom Aussterben bedroht sind, eine unverzichtbare ökologische Leistung. Imker werden nach Willi Frankes Worten für diese ökologische Leistung ihrer Bienenvölker bis heute nicht honoriert. Doch schon eine Vergütung in Höhe von zehn Prozent des ökologischen Nutzens könnte mehr Interessierte dazu animieren, Bienen zu halten.
In allen Gebieten in Wald und Flur sollten mindestens vier Bienenvölker pro Quadratkilometer eingesetzt werden, so der Lübbenauer Imker. Das Verdrängen von Bienen aus dem Wald habe zu einer bedrohlichen Verarmung von Flora und Fauna geführt. Die Honigbiene könne eine Chance für das durch den Menschen geschädigte Ökosystem sein. Mit Rückgang der Bienenhaltung vollziehe sich hingegen eine Verminderung der Artenvielfalt in der Tier- und Pflanzenwelt.
Willi Franke macht noch eine andere Rechnung auf: Jährlich importiere Deutschland rund 100 000 Tonnen Honig. Der Ersatz dieser Menge durch heimische Produktion bei einem durchschnittlichen Ernteergebnis von 30 Kilo pro Bienenvolk entspreche einem zusätzlichen Bedarf von 3 300 000 Bienenvölkern. Die Minimalausstattung zum Beginn der Imkerei sei mit 3500 Euro pro Imker zu kalkulieren. Um die Einfuhren durch heimischen Honig zu ersetzen, würden demnach 1,15 Milliarden Euro für Imkereiausrüstung investiert. (red/ka)