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| 13:35 Uhr

Erntezeit
„Der Kürbis ist unsere letzte große Hoffnung“

Wenn Uwe Koal die Kartons mit den Halloween-Kürbissen verladen hat, steigt er vom Radlader in den Traktor um und transportiert die dicken Dinger nach Raddusch. Von dort geht die Fracht zur Kaufland-Logistik und anschließend in die entsprechenden Verkaufsstellen.
Wenn Uwe Koal die Kartons mit den Halloween-Kürbissen verladen hat, steigt er vom Radlader in den Traktor um und transportiert die dicken Dinger nach Raddusch. Von dort geht die Fracht zur Kaufland-Logistik und anschließend in die entsprechenden Verkaufsstellen. FOTO: Uwe Hegewald
Lipten/Raddusch. Im Wirtschaftsraum Spreewald läuft die Kürbisernte auf Hochtouren und die Bauern hoffen auf einen guten Ertrag. Von Uwe Hegewald

  In diesem Jahr erweist es sich als schwierig, in lächelnde Gesichter von Landwirten zu blicken. Dauer-Sonnenstrahlen haben diese gebräunt aber auch für Sorgenfalten auf den Stirnen der Bauern gesorgt. „Die anhaltende Trockenheit hat auch uns zugesetzt. Erträge, die wir auf unseren 200 Hektar Acker- und 40 Hektar Grünflächen eingefahren haben, reichen gerade einmal, um den eigenen Viehbestand zu versorgen“, hadert Harald Lehmann. Acht Rinder, 24 Schweine und jeweils 50 Gänse und Enten hat der Landwirt aus Lipten (Gemeinde Bronkow) zu versorgen. „In vergangenen Jahren konnten wir nicht benötigte Erträge verkaufen. Der Kürbis ist nun unsere letzte große Hoffnung“, so Lehmann. Und die scheint sich zu erfüllen.

Seit einer Woche werden die dicken Dinger auf den Liptener Feldern im Wirtschaftsraum Spreewald geerntet. „Zwischen drei und sieben Kilo dürfen Halloween-Kürbisse wiegen. Alles was drunter oder drüber liegt wird uns nicht abgenommen“, erklärt der Landwirt, der seine Kürbisse an die TOGAZ Thüringer Obst- und Gemüseabsatzzentrale, Zweigstelle Raddusch liefert. Um die gewünschten Größen und Gewichte zu erreichen, kommt es auf die Wahl der idealen Sorte, optimale Reihenabstände und Pflanzendichte an. „Und in diesem Jahr auf ausreichende Bewässerung“, fügt Lehmann hinzu.

Auf dem rund elf Hektar großen Kürbisfeld liefen die Regner in diesem Sommer Tag und Nacht. Mit zwei Festangestellten und fünf polnischen Erntehelfern hofft er 20 000 bis 30 000 Kürbisse zu ernten.

Die „internationale Belegschaft“ war es auch, die bereits bei der diesjährigen Spargelernte am Wirbeln war. Auch bei dieser war die Schönwetterperiode das sprichwörtliche Zünglein an der Waage: Konstant gute Erträge – Überangebot – Dauertiefstpreise – schmaler Gewinn. Ob der Liptener Landwirtschaftsbetrieb Anträge auf die in Aussicht gestellten Dürren-Hilfen stellen kann, steht bisher noch in den Sternen. Wie Harald Lehmann informiert, erstreckt sich diese vorerst auf Betriebe, die Futtermittel zukaufen müssen, um nicht ihre Tierbestände reduzieren zu müssen. „Bei einer Anfrage beim zuständigen Landwirtschaftsamt, ob auch Mittel zur Liquidität von betroffenen Betrieben zur Verfügung stehen, konnte man mir keine konkrete Aussage machen“, sagt er. Da der Betrieb mit Spargel-, Kürbis- und Getreideproduktion sowie der Nutztierhaltung mit anschließender Direktvermarktung von Fleisch- und Wurstwaren auf mehreren Säulen steht, sieht sich Bauer Lehmann noch nicht in so aussichtsloser Lage, wie viele andere Kollegen in Brandenburg oder anderen Bundesländern.

Auch habe es nie Überlegungen geben, aufgrund der Extremsituation das jährliche Liptener Kürbisfest abzusagen. In Zusammenarbeit mit dem Heimatverein geht es am Samstag, 29. September, auf dem Festplatz hinter dem Schloss und in der Heimatscheune wieder bunt zur Sache. Kürbisküche und -präsentationen, Blasmusik, Kaffeetafel, Kürbisschnitzen und unterhaltsame Wettbewerbe kündigt Harald Lehman an. „Los geht’s um 14 Uhr“, so der Landwirt, der im Kürbisfest auch immer ein „kleines Hoffest“ sieht.