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| 12:26 Uhr

Die Meerrettichernte hat begonnen
Trockenheit hat Wurzeln zugesetzt

Der Hänger ist bereits gut gefüllt. Auf den Feldern des Gemüsebaubetriebes „Spreewald“ bei Ragow hat die Ernte des scharfen Gemüses am Donnerstag begonnen. 
Der Hänger ist bereits gut gefüllt. Auf den Feldern des Gemüsebaubetriebes „Spreewald“ bei Ragow hat die Ernte des scharfen Gemüses am Donnerstag begonnen.  FOTO: Spreewaldverein / Andreas Traube,Luebben
Lübbenau. Die Ernte für den Spreewälder Meerrettich hat offiziell im Lübbenauer Ortsteil Ragow begonnen. Trotz Beregnung erwarten Anbauer geringere Erträge. Verarbeiter müssen zukaufen.

Die Ernte des bekannten Spreewälder Meerrettichs ist seit Anfang November im Gange. Den offiziellen Startschuss gab es am Donnerstag auf einer Meerrettichfläche des Gemüsebaubetriebes „Spreewald“ im Lübbenauer Ortsteil Ragow mit Geschäftsführern von Spreewälder Meerrettichanbau- und Verarbeitungsbetrieben, dem Spreewaldverein und Medienvertretern.

Am rund sieben Hektar großen Meerrettichfeld am Ponnischkaweg von Betriebsinhaber Marcel Mich – der in diesem Jahr größten zusammenhängenden Meerrettich-Anbaufläche im Spreewald – diskutierten Experten und Gäste die Herausforderungen der diesjährigen Ernte- und Verarbeitungssaison sowie die Ertragserwartungen. Geerntet wird bis zum Einsetzen der ersten Fröste auf zwei Dritteln der Gesamtfläche. Der Rest folgt im nächsten Frühjahr. Damit ist die frische Rohware über einen längeren Zeitraum für die Verarbeitungsbetriebe verfügbar.

Meerrettich mag es warm und feucht. Der diesjährige zwar warme, aber viel zu trockene Sommer erforderte eine kontinuierliche künstliche Beregnung der Meerrettichkulturen. Zudem verteuerten sich die Kraftstoffe und notwendige Betriebsmittel. Wird dazu noch die Steigerung des Mindestlohnes berücksichtigt, verzeichnen die Landwirtschaftsbetriebe in diesem Jahr wesentlich höhere Produktionskosten gegenüber dem Vorjahr.

In diesem Jahr wird im Spreewald auf insgesamt knapp zehn Hektar Meerrettich angebaut. Das ist dem geringeren Bedarf der Verarbeiter geschuldet. Die dafür notwendigen Erntemengen im Spreewald sichern die Landwirtschaftsbetriebe per Vertragsanbau. Gegenüber dem Vorjahr hat sich damit die Anbaufläche um ein Drittel reduziert. Haupt­erzeuger ist der Gemüsebaubetrieb „Spreewald“, zweitgrößter Produzent der Gemüsebetrieb Dirk Richter in Klein Klessow. Hinzu kommen einige Kleinerzeuger mit Flächengrößen weit unter einem Hektar. Durchschnittlich liegt der Ertrag pro Hektar bei zehn bis zwölf Tonnen des Wurzelgemüses bei normalen Niederschlagsmengen.

Nach den ersten Erntetagen prognostiziert Marcel Mich geringere Ernteerträge. Die extreme Trockenheit habe der Meerrettichkultur trotz Beregnung doch mehr zugesetzt, als der Betriebsinhaber erhofft hatte. Die Folge sind im Vergleich zum Vorjahr weniger stark entwickelte Hauptwurzelstöcke und die Ausbildung von mehr Nebenwurzeln. Auch in der Schärfe stehen die frisch geernteten, geputzten und geriebenen Wurzeln denen des Vorjahres nach, stellt der Spreewaldverein fest. Aus seiner Sicht wäre ein Gesamtertrag von knapp 100 Tonnen Meerrettichwurzeln in der Saison 2018/2019 als Erfolg zu bewerten.

Neben Spreewälder Gurken und Beelitzer Spargel besitzt Spreewälder Meerrettich das EU-Gütesiegel „Geschützte Geographische Angabe“. Für die Verarbeiter besteht damit die Pflicht, überwiegend Meerrettich aus regionalem Anbau zu verwenden. „In der Praxis verarbeitet Spreewald-Rabe im Durchschnitt 80 bis 90 Prozent Rohware aus dem Spreewald“, so Markus Belaschk von der Rabe Spreewälder Konserven GmbH. In schlechteren Erntejahren wie diesem seien die Verarbeiter gezwungen, Rohware  von außerhalb zuzukaufen. Da aber in diesem Jahr fast ganz Europa von der extremen Trockenheit betroffen war und somit auch in anderen Regionen mit Ertragsausfällen zu rechnen ist, befürchten die Verarbeiter, dass ihnen der auf dem Markt verfügbare Meerrettich als Rohware teuer zu stehen kommen wird.

(red/pos)