Die Gurken im Gewächshaus Fleißdorf blühen. Nicht mehr lange wird es dauern, bis über den Tomatenpflanzen wieder Hummeln aus einer Baruther Zucht fliegen und die Blüten bestäuben. "Denn seit wir sie einsetzen, haben sich die Erträge um 20 Prozent erhöht", sagt Thomas Goebel, Geschäftsführer der Göritzer Agrar GmbH. Sein Betrieb gehört zu den wenigen im Spreewald, die noch Frischgemüse dieses Umfangs produzieren. Seinen erfahrenen Mitarbeitern habe er zu verdanken, dass auch Blumenkohl weiter angebaut werde.

Die Direktvermarktung ist für die Göritzer ein festes Standbein. 80 Prozent der Ernte gelangen auf diesem Weg zum Verbraucher. Das sei noch vor sieben Jahren anders gewesen. "Wir machen nur das, was wir können und wo wir gut sind", so der Landwirt. Kartoffeln und Spargel beispielsweise überlasse er anderen.

Die Kosten der Gemüseproduktion allerdings würden den Göritzern zu schaffen machen. Goebel vergleicht: "Der finanzielle Aufwand zur Bestellung der 1300 Hektar Ackerfläche ist genauso hoch wie für das Frischgemüse auf 30 Hektar und in den Gewächshäusern auf einem halben Hektar." Das Billiggemüse aus dem Ausland mache die Landwirte hierzulande gegenüber anderen EU-Staaten wettbewerbsunfähig. Hinzu käme, dass Obst und Gemüse in Deutschland nicht über die Qualität, sondern über den Preis beworben werde. "Für die Landwirte bedeutet das mehr Druck. Sie müssen mehr pro Quadratmeter produzieren", schlussfolgert Thomas Goebel. Der Rattenschwanz aber sei noch länger. Die Verwaltung, die eigentlich die Arbeit der Landwirte erleichtern soll, werde nicht mehr als Dienstleister, sondern als Verhinderer empfunden. Die Bürokratie raube Zeit und koste mehr Geld.

Auf den von der SPD angestrebten Mindestlohn hin angesprochen, sagt der Göritzer Landwirt und Vorsitzende des Bauernverbandes Südbrandenburg: "Wir sind für eine vernünftige Bezahlung. Mit der Einführung eines Mindestlohns werden nicht gleichzeitig teurere Produkte durchsetzbar sein. Viele Betriebe werden diesen Spagat nicht schaffen." Die Göritzer Agrar GmbH beschäftigt in der Saison rund 70 Erntehelfer. Ihre Zahl habe abgenommen, so Goebel. Denn die Hotellerie und Gastronomie im Spreewald würde viele Saisonkräfte abziehen.

Derzeit aber kämpfen die Landwirte noch mit den Winterfolgen. 2500 Euro Verluste musste Thomas Goebel allein bei Gurken- und Tomatenpflanzen sowie Blumen hinnehmen. Durch den wochenlangen Verzug lohne es sich für den Göritzer auch nicht mehr, Sommergetreide auszubringen. Stattdessen säe er Lupine und baue mehr Mais an.

SPD-Bundestagskandidatin Kerstin Weide besuchte nach Göritz die Schweinemast Tornitz und "Vetschauer Wurstwaren". Heute wird sie bei Bauer Ricken, beim Tourismusverband Spreewald und in der Slawenburg Raddusch erwartet.