Dem hollywoodreifen Beginn folgt eine ebenso gelungene Musikauswahl. Mit dem Drafi-Deutscher-Klassiker "Weine nicht, wenn der Regen fällt (...), es gibt einen, der zu dir hält" treffen die Veranstalter ins Gefühlszentrum der rund 300 Gäste. Menschen mit körperlicher, psychischer, geistiger oder Sinnesbehinderung sind aus allen Teilen des Landkreises nach Großräschen gereist, um mit Freunden zu feiern, die oft verwandte Schicksale zu tragen haben.
Das Programm gestalten andere, die auf der Sonnenseite des Lebens zu Hause sind. Dort, wo Regen nur gelegentlich fällt - mit Ausnahme der Männerballett-Darbietung, wo sich nach den Melodien des Ohrwurms "Singin' in the Rain" Straßenlaternen in Windeseile zu Schirmherren verwandeln. Doch das ist mehr dem diesjährigen Räschener Karnevals-Motto geschuldet. "Film im Kasten - Klappe fällt, ein Oscar für den Leinwandheld", schmettert GCC-Präsident Peter Weiser den Leitsatz in die Menge und schickt ein dreifaches "Räschen Helau" hinterher.
Das Publikum erwidert mit Begeisterung, ebenso Carola Wolschke, die einst die Idee zur Durchführung eines Karnevals für Behinderte hatte. "Beim Großräschener Carneval Club bin ich seinerzeit sofort auf offene Ohren gestoßen. Als die Premiere gelungen war und wir auch Zweifler, die von einem gewagten Experiment sprachen, überzeugen konnten, war uns klar, dass sich daraus etwas Dauerhaftes entwickeln könnte", erzählt sie. "Wir haben in den 16 Jahren Erfahrungswerte gesammelt und freuen uns über den anhaltenden regen Zuspruch", so die Behindertenbeauftragte des OSL-Kreises.
"Es ist ein dankbares Publikum, das sofort mitgeht", berichtet das Frontgirl der Räschener Karnevalsmusikanten, Ellen Berg. "Auf der Bühne spürt man so etwas", lobt sie und staunt, wie sich zur ersten Tanzrunde das Parkett in Sekundenschnelle füllt. "Ich komme jedes Mal gern hier her", schwärmt Mathias Buse, der pausenlos durch den Saal zieht, um Freunde zu begrüßen. Die Frage, was ihm denn an diesem Abend am besten gefällt, beantwortet der Mitbewohner aus dem Lübbenauer AWO-Wohnverbund mit nur einem Wort: "Alles!" "Ich freue mich schon heute auf das nächste Mal", betont der 25-Jährige und stürzt sich wieder in die tanzende Menge. Dass sich in dieser auch das Rot-Weiße Prinzenpaar Thomas I. nebst Monique I. und GCC-Mitglieder tummeln, zeigt, zu welchem integrativen Charme die beliebte Karneval sfeier in all den Jahren gereift ist. Auch eine Gruppe von Gästen aus dem Heilpädagogischen Heim der AWO in Altdöbern feiert in diesem Jahr zum wiederholten Male kräftig mit.
Die Veranstaltung präsentiert sich als ein Fest, auf dem Behinderte nicht als Bittsteller und Nichtbehinderte nicht als Gönner auftreten müssen. Daran durften auch die zahlreichen Vertreter aus der Politik wie Landrat Georg Dürrschmidt (CDU) und der Landtagsabgeordneten Gerd-Rüdiger Hoffmann (PDS) teilhaben, ebenso die Delegation vom Karnevalverband Lausitz (KVL) mit ihrem Präsidenten Frank Czepok und das Lausitzer Prinzenpaar Rudi I. und Antje II.
"Eine wunderbare Atmosphäre und eine Begeisterung, die bis zum Ende der Veranstaltung anhielt", resümiert Steffen Schwadt. "Weder die Gäste, noch deren Betreuer, die Mitwirkenden und Organisatoren gönnten sich eine Ruhepause. Das habe ich so noch nie erlebt", so der "GCC-Minister" für Öffentlichkeitsarbeit. Wohl wissend, dass die Räschener Karnevalisten mit ihrem unterhaltsamen Programm selbst den Grundstein für den rundum gelungenen Abend gelegt haben und dafür eigentlich einen "Oscar" verdient hätten.

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 Der GCC informiert, das für die folgenden Veranstaltungen am 15. Februar (1. Weiberfastnacht), am 17. Februar (Gala-Abend) und am 19. Februar (Rosenmontagsparty für Senioren) noch Karten erhältlich sind.Der GCC informiert, dass für die folgenden Veranstaltungen am 15. Februar (1. Weiberfastnacht), am 17. Februar (Gala-Abend) und am 19. Februar (Rosenmontagsparty für Senioren) noch Karten erhältlich sind.