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| 15:10 Uhr

Heimatverein zeigt Engagement
Hoffnung für letzte Schmuddel-Ecke von Calau

 Eine Waggonachse der früheren Calauer Pionier-Eisenbahn fasziniert die Herren Lenz, Bareinz (Leihgeber), Emmrich, Lehnigk und Nerenz (v.l.).
Eine Waggonachse der früheren Calauer Pionier-Eisenbahn fasziniert die Herren Lenz, Bareinz (Leihgeber), Emmrich, Lehnigk und Nerenz (v.l.). FOTO: Uwe Hegewald
Calau. Der Lindengarten zieht mit neuer Ausstellung und weiteren Bestrebungen künftig die Aufmerksamkeit der Bürger auf sich. Von Uwe Hegewald

Über ein Jahr haben Mitglieder des Calauer Heimatvereins Material über den städtischen Lindengarten gesammelt, um daraus eine Ausstellung auszuarbeiten. Im Fokus steht das ehemalige „Haus der Gewerkschaften“ (HdG). Der einstige Kulturtempel der Stadt ist verwaist und heute einer der letzten Schmuddel-Ecken im Ort. Die Schau zeigt den Werdegang des (Vielseitigkeits-)Hauses von einer Topadresse zur Schrott-Immobilie.

„Dem Heimatverein ist eine sehenswerte Ausstellung gelungen“, sagt Werner Suchner zur Ausstellungseröffnung. Der Bürgermeister verwies auf die vielen Angebote, die das Volk ins HdG lockten: klassische Konzerte, Jugenddisco, Karnevals-Veranstaltungen, Jugendweihen, Tanzstundenbälle, Restaurant aber auch Schülerspeisung.

In einem Gebäudeteil hatte der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) sein Domizil, die dem HdG auch den Namen gab. „Die Gaststätte mit Bar war über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Zuletzt war dort Conny mit ihrem Billard-Café präsent“, so das Stadtoberhaupt. Dieter Schulze hat die „guten Zeiten“ nicht vergessen. „Funzel“ hieß seine Diskothek, mit der er immer dienstags zum Jugendtanz auflegte. „Immer ab 17 Uhr und immer gut besucht“, sagt Schulze. „Es stimmt mich und viele Calauer traurig, was aus dieser Einrichtung geworden ist“, bedauert er.

Doch es zeichnen sich Veränderungen ab. Wieder einmal, ist dem HdG doch schon mehrere Male eine verheißungsvolle Zukunft prognostiziert worden. Werner Suchner kennt den Grund der leichten Euphorie. „Im Zuge der B-Planungen für die Neugestaltung des Lindengarten-Areals, inklusive Zirkus/Rummelplatz sowie Jahn-Sportplatz sind wir an den Eigentümer herangetreten. Ihm ist nahegelegt worden, sich in dieses Projekt einzureihen“, so das Stadtoberhaupt.

Offen bleibt, ob das Gebäude eine Komplettsanierung erfährt, oder ein Abriss erwogen wird, um die gewonnene Fläche einer Weitervermarktung zuzuführen. Eine Option wäre die Bereitstellung von Bauland. Dann würden letzte Hoffnungen einer Reanimierung schwinden und nur Erinnerungen zurückbleiben.

Zahlreiche Fotos und Dokumente erlauben einen Blick in die Geschichte des Lindengartens. Für Überraschung sorgte der Hinweis auf eine Pioniereisenbahn, die Mitte der 60er-Jahre kurzzeitig durch den Lindengarten gerollt sein soll. Eine vom Altnauer Techniksammler Reinhard Bareinz beigesteuerte Waggonachse und historische Fotos belegen das Vorhandensein der Mini-Bahn.

Matthias Nerenz, Geschäftsführer des Heimatvereins und Motor der Ausstellung, weiß die Zuarbeit zu schätzen. „Dank der Unterstützung vieler Personen können wir Entwicklungen sehr gut reflektieren“, so Nerenz. Stellvertretend nannte er Joachim Liesk, der frühere Veranstaltungsplakate beisteuerte, Gastwirt Kossack (Stammklause), der über einen kompletten Ordner zum Lindengarten verfügt, oder Hans Kober, der Fotos von damaligen Philatelisten-Treffen bereitstellte.

Wer in die Geschichte des Calauer Lindengartens eintauchen will, ist zum Tag des offenen Denkmals sowie zum Calauer Weihnachtsmarkt-Wochenende eingeladen, wenn die Museen geöffnet haben. Was Ausweichtermine betrifft, genügt ein Anruf beim Heimatverein.