| 18:27 Uhr

Hoffen auf den Win-Win-Effekt

Mit diesem flotten Postkarten-Motiv werben Stadt und WBC für den Rückkehrtag am 19. August.
Mit diesem flotten Postkarten-Motiv werben Stadt und WBC für den Rückkehrtag am 19. August. FOTO: WBC
Calau. Calau will sein Stadtfest nutzen, um ein paar Rückkehrer für sich zu gewinnen. Die Initiatoren der Rückruf-Aktion versuchen dazu sogar, eine Allianz mit den Einwohnern zu bilden. Steven Wiesner

Manche Menschen muss man einfach zu ihrem Glück zwingen. Das denkt sich dieser Tage wohl auch die Wohn- und Baugesellschaft Calau (WBC), die zum Stadtfest vom 18. bis 20. August eine große Rückruf-Aktion für ehemalige Calauer ins Leben gerufen hat. Es geht dabei aber weniger um eine spaßige Festtagsangelegenheit, sondern vielmehr um eine ernste Sache. Denn mit dieser Initiative soll in erster Linie dem Fachkräftemangel in der Region der Kampf angesagt werden. "Die Situation wird für viele Unternehmen immer schlimmer", weiß WBC-Geschäftsführerin Marion Goyn zu berichten.

Vor etwa einem Jahr entstand die Idee, eine derartige Aktion auszuprobieren. Immer öfter werde Marion Goyn damit konfrontiert, dass es nicht genügend Fachkräfte gäbe und viele Unternehmen Aufträge aufgrund personeller Engpässe nicht mehr annehmen könnten. Deswegen sollen Calauer und Lausitzer, die irgendwann das Weite gesucht haben, nun wieder für die Heimat begeistert und nach Möglichkeit auch wieder zurückgeholt werden. Goyn: "Wir wollen aufzeigen, welch gute Bedingungen wir hier eigentlich haben. Das ist doch eine gute Lebensgegend."

Calau könne mit einer guten Infrastruktur, die regionalen Wirtschaftsunternehmen mit Ausbildungs- und Arbeitsplätzen und die WBC mit attraktiven Wohnangeboten werben, so Goyn. Etliche Firmen aus Calau und den Nachbarstädten haben schon ihre Bereitschaft zugesagt und auf der sich noch im Aufbau befindlichen Internetseite rueckkehr.calau-info.de bereits Stellen- und Ausbildungsangebote inseriert. Die Chance jedoch, Menschen zurückzulosten, die sich mittlerweile in Bayern, dem Rheinland oder anderswo niedergelassen haben, steigt natürlich, wenn man sich persönlicher Kontakte bedient. Darum wollen Stadt und WBC auch nicht selbst einladen, sondern eine Allianz mit den Bekannten aus der Heimat bilden. "Mit dem Mittelsmann, der hier wohnt und auch was davon hat, wenn seine Enkeltochter, sein Onkel oder der beste Freund zurückkommen, sind wir bestimmt erfolgreicher", erklärt Goyn.

Unter dem Motto "Calauer werben Calauer" soll dazu in der nächsten Woche eine Postkarten-Aktion starten, mit der die Aufrufe in die Ferne geschickt werden. "Jeder Calauer ist aufgerufen, Werbung zu machen, damit Calau noch lange eine attraktive Kleinstadt bleibt", sagt Marion Goyn. "Da können Win-Win-Effekte für alle entstehen, die teilnehmen." Und damit meint die WBC-Geschäftsführerin sicher nicht nur die Ballonfahrt, die diejenigen gewinnen können, die die Ehemaligen zum Stadtfest zurückholen.

Der 1. Rückkehrtag am 19. August, zu dem es beim Stadtfest einen Info-Punkt (11 bis 17 Uhr) geben soll, ist aber erst der zarte Anfang der Initiative. "Wir werden da natürlich noch keine Miet- oder Arbeitsverträge unterschreiben, aber vielleicht können wir einen Denkanstoß geben", sagt Goyn. In Spremberg, Senftenberg und Großräschen hätten sich solche Aktionen bereits als durchaus vielversprechend erwiesen. "Wir müssen gucken, wie die Reise danach weitergeht mit der Aktion." Marion Goyn jedenfalls weiß, wovon sie spricht und wofür sie wirbt. Als gebürtige Lübbenerin ist sie selbst "eine waschechte Spreewälderin".

Zum Thema:
Die Wohn- und Baugesellschaft Calau mbH (WBC) ist ein Unternehmen, das sich seit vielen Jahren im Stadtumbau und -marketing engagiert. Seit 2011 betreibt das Tochterunternehmen ISG im "Infopunkt" Calaus Touristeninformation. Die WBC kooperiert mit vielen Partnern und ist in einem großen Netzwerk integriert. Gemeinsam mit der Stadt hat die WBC unter anderem schon die Aktion "Willkommen Familien" ins Leben gerufen, bei der jungen Familien, die nach Calau kommen, Sonderkonditionen für die Vermietung angeboten werden.