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Hörprobleme im Großen Sitzungssaal

Ohne Mikro hört es sich schlecht in den hinteren Sitzreihen. Das soll nächstes Jahr besser werden im Großen Sitzungssaal.
Ohne Mikro hört es sich schlecht in den hinteren Sitzreihen. Das soll nächstes Jahr besser werden im Großen Sitzungssaal. FOTO: dpr
Lübbenau. Im Großen Sitzungssaal des Lübbenauer Rathauses wird Kommunalpolitik gemacht – aber Besucher und auch Stadtverordnete verstehen mitunter gar nicht, was gesagt wird. Experten sind erneut mit dem Problem befasst, das so alt ist wie der Sitzungssaal selbst. Daniel Preikschat

Schon als noch PDS-Politiker zur Stadtverordnetenversammlung zählten, hörte es sich schlecht in dem Saal mit den Ausmaßen eines Kirchenschiffs. So sind von Günter Penschke folgende Worte aus dem Jahre 1999 überliefert: "Wenn sich die Akustik nicht ändert, sehe ich mich gezwungen, mein Mandat niederzulegen, weil ich nicht jedes Wort verstehe." Seither wurden Versuche unternommen, für bessere Verständlichkeit zu sorgen in dem Großen Sitzungssaal, in dem die Stadtverordneten tagen. Ein Cottbuser Ingenieurbüro arbeitete daran, den Nachhalleffekt zu unterbinden, eine Wandverkleidung wurde eingebaut. Doch die Hörprobleme blieben.

Zuletzt wies Erwin Lieke, treuer Besucher der Stadtverordnetenversammlung, in der Bürgerfragestunde Ende September erneut auf das Problem hin. Nur allzu bekannt ist es aber zum Beispiel auch dem Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung Uwe Pielenz (SPD).

Pielenz ist seit 1993 Kommunalpolitiker in Lübbenau. Die schlechte Akustik, sagt er, habe so manche Debatte über strittige Themen wie die Schulentwicklung erschwert. Nicht nur Besucher der Stadtverordnetenversammlungen und Ausschuss-Sitzungen hatten Mühe, jedes Wort zu verstehen. Auch die Stadtverordneten selbst. Jahrelang gab es immer wieder Hinweise und Beschwerden. Pielenz vermutet, dass dem Bauherrn die Optik des Saals schlichtweg wichtiger war als die Akustik. Einmal gemachte Baufehler ließen sich im Nachhinein nur schwer wieder korrigieren, wie man jetzt sehe. Dabei sei es gerade in einem Sitzungssaal für die Stadtverordneten wichtig, dass jeder jedes Wort versteht. Demokratische Prozesse könne nicht richtig begleiten und verfolgen, wer nicht alles hören kann.

Kerstin Schäfer vom Grundstücks- und Gebäudemanagement der Stadt indes ist zuversichtlich, dass sich dieses Problem nicht mehr lange stellen wird. In der Sommersitzungspause im nächsten Jahr, so zumindest das Ziel, soll der große Saal bauakustisch entsprechend ertüchtigt werden. 180 000 Euro samt Planung sind dafür vorgesehen. Experten eines Akustik- und Medientechnikplanungsbüros haben bereits Messungen und Analyse durchgeführt.

Die Ergebnisse belegten Probleme mit der Nachhallzeit und seien Grundlage für verschiedene Varianten der Sanierung. Die wiederum erarbeite ein anderes, darauf spezialisiertes Architektenbüro. Weiter ins Detail will die Rathaus-Mitarbeiterin derzeit noch nicht gehen. Grundsätzlich denkbar wäre etwa, Verkleidungen oder Schalen anzubringen. Möglicherweise müsse man aber auch die Statik des Saals anfassen, was genehmigungsrechtlich Konsequenzen hätte.

Der Vorwurf, einen nur bedingt sitzungstauglichen Sitzungssaal gebaut zu haben, könne man der Stadt nicht machen, stellt Kerstin Schäfer klar. Die Stadt sei damals nicht Bauherr gewesen. Sie habe den Ende der 1990er-Jahre gebauten Saal samt des kompletten Gebäudes lediglich fertig übernommen.

Zum Thema:
Im Zuge der bauakustischen Ertüchtigung des Großen Sitzungssaals soll zugleich die Medientechnik erneuert werden, unter anderem Lautsprecher, Beamer und Mikrofone. Flur, Kleiner Sitzungssaal und Vorraum werden dabei mit berücksichtigt. Hier plant die Stadt Lübbenau im Haushalt mit weiteren Kosten in Höhe von 150 000 Euro. Abstimmungen mit den Fachplanern sind noch erforderlich.