| 02:41 Uhr

Höher, schneller, breiter

Ein Mann hält am 20.08.2014 in Neumünster (Schleswig-Holstein) seine Hand vor einen Verteilerpunkt, in dem zahlreiche Glasfaserkabel unter anderem zur Übertragung von Hochgeschwindigkeitsinternet zusammenlaufen.
Ein Mann hält am 20.08.2014 in Neumünster (Schleswig-Holstein) seine Hand vor einen Verteilerpunkt, in dem zahlreiche Glasfaserkabel unter anderem zur Übertragung von Hochgeschwindigkeitsinternet zusammenlaufen. FOTO: Daniel Reinhardt (dpa)
Buchwäldchen. In Luckaitztal soll die Breitband-Problematik ein Ende finden – in Buchwäldchen haben die Einwohner mit einem Anbieter diskutiert. Uwe Hegewald

Echten Fußball-Liebhabern kann in diesen Momenten die Galle hochkommen: Da will man sich mit Freunden das DFB-Finale anschauen - Breitbandanschluss macht es möglich - und dann fällt ständig das Bild zusammen. In Buchwäldchen (Gemeinde Luckaitztal) war das kürzlich der Fall und der Frust groß genug, um diesen bei Frank Storm abzuladen. Er ist Geschäftsführer der CNS Network GmbH, ein regionaler Internet-Service-Provider, der in Buchwäldchen für die Breitband-Versorgung zuständig ist.

Auf Drängen von Betroffenen hatten die Gemeinde Luckaitztal und die Amtsverwaltung Altdöbern ein Treffen organisiert, um Zusammenhänge zu erklären und den Dialog anzukurbeln. "Eine vernünftige Breitbandversorgung ist auch im Interesse der Politik", unterstrich Amtsdirektor Detlef Höhl (SPD). In der zurückliegenden Woche stellte sich Frank Storm den Fragen der Kunden, die Verträge mit der CNS abgeschlossen haben, diese aber nicht in entsprechender Qualität erfüllt sehen. "Das Internet wird nachmittags immer langsamer und bricht mitunter völlig zusammen. Liegen die Ursachen womöglich in einer zu hohen Netzbelastung, wenn mehrere Verbraucher ihre Geräte anschalten?", wollte ein Einwohner wissen.

"Schwankungen können auftreten. Es gibt keinen Anbieter, der die vertraglich vereinbarten Kapazitäten rund um die Uhr garantiert", erwiderte Storm. Er verwies jedoch auf technische Möglichkeiten, um das hausinterne Netz zu verstärken. Versorgt würden die Buchwäldchener von der CNS-Anlage, die auf dem Feuerwehrschlauchturm installiert ist. Bei eventuellen Problemen stünden Techniker bereit. "Nutzen Sie diesen Service und melden Sie Störungen", unterstrich der CNS-Geschäftsführer. Dass bei einer Familie satt der ausgewiesenen 8000 Kilobits pro Sekunde (29,99 Euro Monatstarif) nur rund 4000 kbit/s verfügbar seien, könne er nicht nachvollziehen. Bei einem Leistungsabfall von unter 25 Prozent gilt das als Störung. In diesem Fall würden Techniker diese beseitigen oder der Tarif entsprechend runtergestuft, beteuerte er.

Der Kritik einiger Buchwäldchener, nur schwer eine kompetente Ansprechperson zu erreichen, hielt eine Einwohnerin entgegen: "Bei uns wurde eine Störung zügig behoben. Das sollte hier auch mal gesagt werden", sendete sie in die teilweise hitzig geführte Diskussion. Reserviertes Aufatmen erntete Frank Storm für eine frohe Botschaft: Demnach investiere CNS in lokale Anlagen, die dann Geschwindigkeiten von bis zu 50 000 kbit/s leisten. "Wir machen das freiwillig, um immer steigenden Ansprüchen zu genügen. Geben Sie uns eine Chance", appellierte er. Ab Mitte Juni sollten die Anpassung in Buchwäldchen vollzogen und die bisherigen Probleme bei Datenübertragungen vom Tisch sein. "Wenn wir das nicht schaffen, laufen wir Gefahr, Sie als Kunden zu verlieren", räumte der Kolkwitzer ein. Meinungen, wonach Breitbandanbieter in ländlichen Regionen gegenüber Kabelanbietern konkurrenzlos seien, widersprach er. So investiere beispielsweise die Telekom auch ohne Zuschüsse aus Fördertöpfen - dann jedoch in bevölkerungsdichten Kommunen. Mit dem Abschluss der technischen Arbeiten besitzen Kunden die Möglichkeit, ihre Tarife auf die individuellen Bedürfnisse anzupassen. Die Tarife (monatliche Flatrate) reichen von 4000 kbits/s (19,99 Euro) bis 16 000 kbits/s (39,99 Euro). Als Zusatzoptionen bietet die CNS Internettelefonie oder Kameraüberwachung mit Alarm- und Notruffunktion (Leitstelle) an.

Zum Thema:
Im Land sind inzwischen zahlreiche Haushalte mit schnellen Internetanschlüssen bis zu 60 Megabit pro Sekunde versorgt. Ende vergangenen Jahres war im Calauer Ortsteil Bolschwitz symbolisch den 1919. Verteilerkasten in Betrieb genommen worden. Brandenburg will in Ostdeutschland einen Spitzenplatz einnehmen. Das 100-Millionen-Euro-Projekt wurde von der EU mit 55 Millionen Euro gefördert. Bis Ende 2017 sollen drei Viertel aller Haushalte Anschlussmöglichkeit bekommen.