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| 02:42 Uhr

Hilfe für rumänisches Waisenkind

Im Evangelischen Pfarramt in der Schlosstraße 7 in Vetschau können Spendenwillige weiterhin werktags von 9 bis 12 Uhr Geld spenden.
Im Evangelischen Pfarramt in der Schlosstraße 7 in Vetschau können Spendenwillige weiterhin werktags von 9 bis 12 Uhr Geld spenden. FOTO: dpr
Vetschau. Eine ganze schwere Reise mussten am Freitag Bruder und Schwester der 29-jährigen Erntehelferin antreten, die am Montag vergangener Woche tödlich verunglückt ist. Die beiden Angehörigen haben den Sarg mit Hilfe eines Bestattungsunternehmens nach Rumänien überführt. Daniel Preikschat

Die Kosten dafür, wie auch für die Beerdigung, übernimmt die Berufsgenossenschaft. Gernot Prowatschke, Assistent der Geschäftsleitung bei dem betroffenen Arbeitgeber Spreewaldbauer Ricken in Vetschau, ist am Telefon noch immer hörbar berührt: "Wir bedauern zutiefst dieses tragische Unglück und hoffen, dass so etwas nie wieder bei uns passiert." Bisher sei so etwas auch noch nie passiert.

Derweil haben in Vetschau zwei Bürger der Stadt, die anonym bleiben wollen, gleich nach dem Tod der Rumänin eine Spendenaktion angeschoben. Seit Mittwoch werden im Evangelischen Pfarrbüro von 9 bis 12 Uhr Geldspenden entgegengenommen. Gedacht ist das Geld für die elfjährige Tochter der Verunglückten, die nun ohne leibliche Mutter aufwachsen muss. Auch bei einem Gottesdienst am Sonntag in Vetschau wurde gespendet. Die Hilfsaktion laufe gut, so der Eindruck des Unternehmers. Selbst aus Lübbenau und Calau kommen Spendenwillige nach Vetschau und lassen Geld zurück.

Ob das nur ein Euro ist oder sogar ein Schein - für den Vetschauer ist "die Geste der Hilfsbereitschaft" entscheidend. Immerhin habe hier eine Frau eine Arbeit gemacht, die "von uns doch längst keiner mehr machen will." Das sei kein gewöhnlicher Arbeitsunfall gewesen, der sich ereignet habe. Ihn mache das sehr nachdenklich.

Die Initiatoren der Hilfsaktion wissen nicht, welche Summe bisher schon zusammengekommen ist. Am Ende soll die Sammelbüchse an einen Angehörigen übergeben werden - wahrscheinlich wird das der Lebensgefährte der verstorbenen Rumänin sein, der dafür nach Vetschau kommt. Wann, stehe noch nicht fest. Ein Spendenkonto einzurichten, so der Vetschauer, sei schwieriger als gedacht. Man habe davon abgesehen.

Abgewichen sei man auch von dem ursprünglichen Plan, den Angehörigen das Geld gleich bei der Überführung des Leichnams mit auf den Weg zu geben. Die Zeitspanne für die Spendenaktion wäre zu kurz bemessen gewesen. Wie Torsten Wendt, Sprecher der Polizeidirektion Cottbus auf Nachfrage bestätigt, habe die Staatsanwaltschaft Cottbus den Leichnam schon kurz nach dem Unglück freigegeben. Für eine Obduktion habe man keinen Anlass gesehen. Es habe sich um einen Verkehrsunfall gehandelt. Die 29-Jährige wurde an der Verbindungsstraße zwischen Dubrau und Belten von einem Transporter erfasst, der rückwärts gefahren ist.

In den zehn Gurkenanbaubetrieben, die dem Spreewaldverein angehören, sind in dieser Saison seit Juni rund 3000 Erntehelfer im Einsatz. Sie kommen überwiegend aus Rumänien, Polen sowie aus der Ukraine und bekommen aktuell 8,60 Euro Mindestlohn