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| 17:36 Uhr

Serie Herzensmenschen
Der Bastler

 Der rote Tank brachte dem Gefährt den Namen „Blutblase“ ein: Udo Klauke auf seinem DKW-Motorrad von 1928.
Der rote Tank brachte dem Gefährt den Namen „Blutblase“ ein: Udo Klauke auf seinem DKW-Motorrad von 1928. FOTO: LR / Liesa Hellmann
Lübbenau. Seine Leidenschaften rattern, summen und laufen bestenfalls wie geschmiert: Udo Klauke liebt Oldtimer und hat kein Problem damit, wenn es mal schmutzig wird. Manchmal jedoch gibt es Probleme. Von Liesa Hellmann

„Blutblase“ ist ein Wort, das das Herz von Udo Klauke höher schlagen lässt. Aber nicht aus Angst oder Ekel und auch nicht aus medizinischem Interesse. Seine „Blutblase“ will auch nicht versteckt, sondern gezeigt werden. Hinter der ungewöhnlichen Bezeichnung versteckt sich ein Motorrad mit knallrotem Tank, mit gut 90 Jahren ein wahrer Oldtimer, den Udo Klauke selbst zusammengebaut hat.

Sein erstes Motorrad war eine Stock von 1924, „ein stabiler Herrenfahrradrahmen mit Zweitaktmotor, ohne Kupplung ohne Gangschaltung“, wie Udo Klauke erklärt. „Im Flachland relativ angenehm zu fahren, aber an jeder Kreuzung muss man wieder anschieben.“ Denn sobald man anhielt, war er Motor wieder aus, losfahren ging nur mit Anlauf.

Udo Klauke hat in seinem Leben einiges zusammengebaut. Maschinen sind seine Leidenschaft, nicht nur Fahrzeuge. „Als ich ein Kind war, gab es nur ein Auto bei uns im Ort“, erzählt der gebürtige Groß Beuchower. Aber einen Handwerksmeister gab es im Ort, Albert George. „Ob Fahrrad, Motorrad oder Wartburg, alles was fuhr konnte er reparieren“, erinnert sich Klauke. Als Junge hatte er dem Handwerksmeister über die Schulter geschaut und mit der Zeit immer mehr gelernt, etwa, wie man die Zündung eines Mopeds installiert oder ordentlich an Fahrzeugen arbeitet. Mit 16 Jahren schraubte Klauke dann seine „Blutblase“ der Firma DKW zusammen und fuhr erste Rallyes.

 Ein Motorrad der Neckarsulmer Motorenwerke von 1929, das Udo Klauke gemeinsam mit seinem Sohn restauriert und fahrtüchtig gemacht hat.
Ein Motorrad der Neckarsulmer Motorenwerke von 1929, das Udo Klauke gemeinsam mit seinem Sohn restauriert und fahrtüchtig gemacht hat. FOTO: LR / Liesa Hellmann

Udo Klauke: „Ich habe mich nie gescheut, ins Öl zu kriechen.“

Die Begeisterung für technisches Arbeiten führte den heute 67-Jährigen erst zu einer Ausbildung als Techniker im Lübbenauer Kraftwerk und schließlich zu einem Studium im Bereich Kraftwerksanlagen und Energieumwandlung in Zittau. 13 Jahre lang arbeitete er als Ingenieur für Kraftwerk- und Maschinentechnik im Lübbenauer Kraftwerk und war dort zuständig „für alles was sich drehte und den Wärmekreislauf betraf, von der Turbine bis zum Kühlturm.“ Die Arbeit war hart und schmutzig – und zugleich etwas, was Udo Klauke nicht missen möchte: „Ich habe mich nicht gescheut auch mal in Öl zu kriechen und von oben bis unten dreckig zu sein. Das gehörte ja dazu. Und ich habe dabei sehr viel gelernt.“

Auch jetzt, nach über zwei Jahren im Ruhestand, kann Udo Klauke noch genau erklären, wie man Kraftwerksturbinen plant, installiert und überwacht. Er ist ein Mann, der jedes Detail seiner Arbeit noch immer kennt und auch einer Laiin verständlich erklären kann. In den 1990er Jahren wechselte er in den Kraftwerksneubau – eine seiner besten Entscheidungen, wie er rückblickend sagt. Sie führte ihn in die Kraftwerke Boxberg und Jänschwalde und bis nach Serbien, wo er zweieinhalb Jahre lang an der Modernisierung eines Kraftwerks in der Nähe von Belgrad mitarbeitete.

Was Udo Klauke anfängt, bringt er zu Ende. Sogar seinen Ruhestand hat er mehrfach verschoben, um ein Projekt, bei dem er von der Planung an beteiligt war, bis zur Übergabe an das Kraftwerk zu begleiten. Gründlichkeit in der Planung, Detailgenauigkeit bei der Arbeit und Hartnäckigkeit bis zum erfolgreichen Projektabschluss sind Tugenden, die ihm wichtig sind, auch bei seinem Hobby, dem restaurieren von Oldtimern.

 Natürlich ist auch die Wachtel, die dem Ford als Kühlerfigur dient, ein Original.
Natürlich ist auch die Wachtel, die dem Ford als Kühlerfigur dient, ein Original. FOTO: LR / Liesa Hellmann

Alte Motoren sind seine Leidenschaft

„Ich habe schon immer an alten Fahrrädern und Motorrädern gebastelt und zum Ärger meiner Mutter auch Schrott gesammelt“, erzählt Udo Klauke. Während des Studiums kaufte er einen Opel P4, „eine Krücke“, wie er sagt. In Zittau entdeckte er durch Zufall das Vorgängermodell Opel 1,2 Liter und kaufte es für 100 DDR-Mark. „Das war eine ganz schöne Mühle, die Ventile im Motor waren verbrannt, das Dach hing durch, die Türen gingen nicht richtig zu.“ Noch vor Ort reparierte Klauke das Gefährt so weit, dass er es nach Lübbenau fahren konnte. Aus beiden Modellen aus den Jahren 1933 und 1934 baute Udo Klauke sich dann ein Auto, mit dem zur täglichen Arbeit ins Kraftwerk fuhr. So lag es für ihn nahe, in den Motorsportclub Lübbenau einzutreten, bei dem er seit 2010 Vorstandsvorsitzender ist.

In all den Jahren an seiner Seite: seine Frau Sabine, die ehemalige Nachbarstochter aus Groß Beuchow. Dass sie sein Hobby unterstützt, bedeutet ihm viel, verwundert ihn jedoch auch nicht: „Meine Frau kennt mich gar nicht anders als mit öligen Händen.“

 Herzensmenschen
Herzensmenschen FOTO: LR / Schubert, Sebastian

Nervenkitzel bei der Arbeit: Funktioniert es oder funktioniert es nicht?

Auch die beiden Söhne hat Klauke mit seiner Leidenschaft „angesteckt“, wie er sagt, und die nächste Generation scheint bereits in den Startlöchern zu stehen. „Mein bald 6 -jähriger Enkel weiß schon, wie die Drehmaschine eingeschaltet wird“, so Udo Klauke. Noch darf er nicht an die Maschinen seines Großvaters, doch Klauke hofft, dass das technische Interesse nicht verfliegt.

Was Udo Klauke auch mit fast 68 Jahren am Schrauben begeistert? Der Spaß und der Nervenkitzel: Bei der Arbeit im Kraftwerk war es „am spannendsten, wenn der erste Dampf auf die Turbine kommt. Funktioniert es oder funktioniert es nicht?“ Ganz ähnlich sei es, wenn er einen Oldtimer zum Leben erweckt. „Ein bisschen Nervenkitzel ist schon dabei. Wenn es dann läuft, ist das ein schönes Gefühl und man ist auch ein bisschen stolz.“

Und das Werkeln nimmt vorerst kein Ende. Vor kurzem wollte Udo Klauke seinen Ford aus den 1930er Jahren aus der Garage fahren. „In 15 Jahren bin ich über 20 000 Kilometer mit dem Ford gefahren, immer störungsfrei“, erzählt Klauke. Beim letzten Mal gab es dann einen lauten Knack. Diagnose: Getriebeschaden. Noch wenige Tage hat Udo Klauke Zeit, um das Fahrzeug zu reparieren: Am ersten Mai steht das nächste Oldtimer-Treffen an. Udo Klauke vertraut auf sein Geschick: „Das werde ich schon schaffen.“

 Mit dem Ford aus den 1930er Jahren fahren Udo Klauke und seine Frau regelmäßig zu Oldtimertreffen.
Mit dem Ford aus den 1930er Jahren fahren Udo Klauke und seine Frau regelmäßig zu Oldtimertreffen. FOTO: LR / Liesa Hellmann

In einer Serie stellt die RUNDSCHAU jede Woche Herzensmenschen vor. Es geht um Männer und Frauen, die mit Leidenschaft und großem Engagement ihre Sache verfolgen – oder in ihrem Leben eine Herzens­entscheidung treffen mussten, die nicht ohne Risiko war und vieles verändert hat.

Wenn Sie Vorschläge haben, wer im Rahmen dieser Serie vorgestellt werden sollte, wenden Sie sich gern an die LR, am besten per E-Mail an red.spreewald@lr-online.de.