Von Uwe Hegewald

Es sind „kein Dampfmaschin“ die regelmäßig über die Hindenberger Pisten brettern, sondern leistungsstarke Spezialmaschinen für Sandbahnen sowie Crossräder, Enduros oder Quads, die im Innenring ihre Runden drehen. Möglich macht das der rührige Motorsportclub (MSC) „Jugend“ Lübbenau e.V. im ADMV um ihren Vorsitzenden Henry Pfeiffer.

Unter den rund 40 Mitgliedern befinden sich Motorsportler, die behaupten, dass es Rennbenzin sei, was durch die Arterien ihres Vereinschefs fließt. Die Adern, die bekanntlich vom Herzen kommen. „Ich mache ‚nur’ meinen Job“, winkt der Lübbenauer ab, der 2005 erstmals mit dem MSC in Berührung kam. „Mit meinem Jeep war ich bei einem klassischen Enduro-Event dabei“, erklärt er. Nach längerem Drängen ist es dem Ex-Präsidenten Udo Scheibe (1937-2014) schließlich gelungen, Henry Pfeiffer dauerhaft an den Club zu binden.

2007 erfolgte bereits die Wahl zum Sportleiter, in einem Verein mit eher trüben Aussichten. „Lasst uns einfach wieder anfangen und das Motorsportzentrum zu dem machen, was es einmal war“, appellierte er: Eine Begegnungsstätte für Motorsportler und Interessierte, die gerne bei Rennen zusehen. Leichter gesagt, als getan, galt es, das Areal doch an mehreren Stellen Runderneuerungen zu unterziehen. „Am Zielrichterturm standen Arbeiten an, am Garagenkomplex, den sanitären Anlagen sowie an verschiedenen Wasserleitungen“, zählt der heutige Vereinsvorsitzende auf.

Wie seinem Film-Pendant in der „Feuerzangenbowle“ gelang es dem aufgeweckten Pfeiffer, wichtige Personen um sich zu scharen, um die anstehenden Herausforderungen zu stemmen. Dazu zählt er auch treue Sponsoren, die mit ihren Zuwendungen oder Bereitstellung von Material und Technik den Bestand des Hindenberger Motorsportzentrums sichern. „Wir müssen jeden Cent selbst erwirtschaften und dazu beitragen, dass das Interesse nicht verloren geht“, stellt der Lübbenauer klar. Denn tiefgründiges Präparieren des Sandbahn-Speedways mit Grauwacke schlagen schnell mal mit vierstelligen Euro-Beträgen zu Buche. Doch solche Investitionen in die noch einzig funktionierende Langbahnstrecke für hochkarätige Sandbahnrennen in Ostdeutschland zeigen Wirkung.

„Wir haben uns wieder einen Namen gemacht. Auch international“, erklärt Henry Pfeiffer. Als Beispiel führt er unter anderem das Lübbenauer Sandbahnrennen an, dass traditionell am 1. Mai ausgetragen wird und in diesem Jahr seine 72. Auflage erlebte – mit einem 500 ccm Solo-Wettbewerb um den „Goldhelm des ADMV“, der Seitenwagen Masters Serie, dem Lübbenauer Quadcup und Speedkarts.

Besonders stolz ist der Verein auch auf den Kids-Cup, eine Prüfung für Nachwuchssportler im Endurosport, die inzwischen von anderen Rennveranstaltern übernommen worden ist. Ein Novum stellen hingegen die Hindenberg Dirt Track Races dar, bei denen es auf Renn-Oldtimern um Podiumsplätze, Ehre und skurrile Pokale geht. Im Zielrichterturm hält dann Henry Pfeiffer die Stellung, um alles im Blick zu behalten. „Im kommenden Jahr gibt es bereits die zehnte Durchführung“, informiert der Lübbenauer, ohne dabei zu erwähnen, dass es zum großen Teil sein Verdienst ist, dieses Vintage-Spektakel vor den Toren der Stadt zu etablieren. „Beim ersten Lauf habe ich noch die Hände über den Kopf zusammengeschlagen und eine Fortführung davon abhängig gemacht, das zwingende Sicherheitsbestimmungen Einzug halten“, erklärt er. „Zum Schutz der Fahrerinnen und Fahrer aber auch im Interesse der Zuschauer.“ Diese Bedingung und weitere knüpft „Sir Henry“ aber an alle Veranstaltungen. Dass er dafür in engen Kontakten zum Umweltamt, zu Behörden oder der Stadt Lübbenau, als Eigentümer des Areals steht, rechnen ihm die seelenverwandten Motorsportenthusiasten hoch an.

Ein fester Kern habe sich gebildet, der Veranstaltungen vor- und nachbereitet, sich an Renntagen einbringt und auch sonst Verantwortung mitträgt. Stellvertretend nennt er Jenny, Robert und Daniel Siebert, Lutz Noack, Daniel Borchert, Enrico Beck, Mario Hohnke sowie Silke und Dirk Mager. Ebenso Christoph Pudenz, der den Endurosport unter seine Fittiche hat, den Schatzmeister Jens Rohloff, aber auch Marco Rähm vom benachbarten Spreewald Natur Camping „Am See“ Hindenberg. „Wir pflegen ein faires und freundschaftliches Miteinander“, so der frühere Orientierungsläufer und touristische Mehrkämpfer, der erst dann zufrieden ist, wenn auch alle anderen weitestgehend zufrieden sind. Beim Herzensmenschen Henry Pfeiffer falle erst dann die Anspannung, wenn Wettbewerbe reibungslos und unfallfrei über die Bühne gegangen sind und alle lächelnd den Platz verlassen.

In einer Serie stellt die RUNDSCHAU Herzensmenschen vor. Es geht um Männer und Frauen, die mit Leidenschaft und großem Engagement ihre Sache verfolgen – oder in ihrem Leben eine Herzensentscheidung treffen mussten, die nicht ohne Risiko war und vieles verändert hat. Wenn Sie Vorschläge haben, wenden Sie sich an die LR, am besten per E-Mail an red.spreewald@lr-online.de.