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| 18:19 Uhr

Hospizdienst
Helfer in dunklen Stunden

Michael Doll hatte wesentlichen Anteil, in Lübbenau eine ehrenamtliche Sterbebegleitung zu initiieren. Katrin Brauer ist heute das Gesicht der ambulanten Hospizhilfe.
Michael Doll hatte wesentlichen Anteil, in Lübbenau eine ehrenamtliche Sterbebegleitung zu initiieren. Katrin Brauer ist heute das Gesicht der ambulanten Hospizhilfe. FOTO: LR / Daniel Preikschat
Lübbenau. Seit jetzt zehn Jahren begleiten Ehrenamtliche in Lübbenau Sterbende und ihre Angehörigen.

„Vor mir sitzt viel Nächstenliebe.“ Beatrix Gräfin zu Lynar sprach den Sterbebegleitern und ihren Unterstützern, die vor ihr im Zuschauerraum der Bunten Bühne saßen, das vielleicht größte Lob aus. Zwölf Ehrenamtliche sind es derzeit in der Spreewaldstadt, die für Sterbende und ihre Angehörigen da sind. Ob zu Hause, im Pflegeheim oder Krankenhaus. Nicht nur ab und zu Mal, sondern regelmäßig über Monate oder Jahre hinweg. Die Zeit, die den Leidgeprüften geschenkt wird, war denn bei der Feier von zehn Jahren Hospizdienst in Lübbenau auch das Leitmotiv in Reden, Workshops und Pantomime-Vorführung.

Es gab viel Dank auszusprechen bei der Festveranstaltung, aber auch viel zu erzählen und zu erinnern. Die entscheidende Anschubhilfe gaben vor zehn Jahren Erika Seeliger und Michael Doll. Die Frau des damaligen Bürgermeisters war bereits in Cottbus im Hospizdienst engagiert gewesen, als sie den stellvertretenden Diözesangeschäftsführer der Malteser und Leiter der Hospizhilfe auf Lübbenau ansprach. Ob nicht auch in der Spreewaldstadt Ehrenamtliche gewonnen werden könnten für das wichtige Amt.

In Lübbenau zeigte man sich aufgeschlossen. Erst in der Stadtverordnetenversammlung, dann auch bei einer Info-Veranstaltung. Noch heute ist Michael Doll bewegt über den vollen Versammlungssaal damals, das große Interesse am Thema, das Potential an Hilfsbereitschaft. 20 Interessanten schrieben sich seinerzeit in eine Liste ein. Die Ausbildung der Ehrenamtlichen konnte beginnen, noch 2008 der Hospizdienst in Lübbenau und Umgebung mit acht Ehrenamtlichen aufgenommen werden. Kirche, Stadtverwaltung und Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald (WiS) unterstützen das Team.

Das Gesicht der Lübbenauer Sterbebegleiter ist heute Katrin Braucher, die den ambulanten Hospizdienst der Maltester auch in Lübben und Luckau koordiniert. In Lübbenau erzählt sie, haben oder hatten die Helfer die verschiedensten Berufe: Kinderärztin, Krankenschwester, Lokführer, Erzieherin und Bürgermeister. 50 Jahre, schätzt die gelernte Krankenschwester, seien ihre Mitstreiter im Durchschnitt alt, verfügten alle über ein gutes Maß Lebenserfahrung und auch Demut, die es braucht für die anspruchsvolle Tätigkeit.

Katrin Brauer setzt die Sterbehelfer mit Bedacht ein. Es würden sich in den wenigsten Fällen die Sterbenden selbst beim Hospizdienst melden. Es sind die Angehörigen, Ärzte oder Pflegestellen, die den Kontakt suchen. Das erste Gespräch mit Sterbenden und Angehörigen führt Katrin Brauer selbst, spricht dann mit dem Ehrenamtlichen, der für sie infrage kommt. „Entscheidend für uns ist“, sagt sie, „zuverlässig zu sein und bei der Sache.“ Sie dürfe niemanden überlasten. In den vergangenen Jahren haben um die zwölf Hospizhelfer etwa doppelt so viele Sterbende begleitet. Manch einer könne mehreren Menschen helfen, manch einer braucht auch erst Mal wieder eine Auszeit.

Was immer gebraucht wird, ist der Austausch untereinander und mit der Koordinatorin, mindestens ein Mal im Monat. Auch hierfür steht in der Alten Huttung das „Trauercafé unterm Regenbogen“ zur Verfügung. Bei diesen Aussprachen, so Katrin Brauer, werde auch immer wieder deutlich, dass die Sterbebegleiter nicht nur die Sterbenden beschenken, sondern die Sterbenden auch die Sterbebegleiter. Jeder lerne dabei, das eigene Leben und das Leben überhaupt mehr wertzuschätzen.