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| 16:37 Uhr

Ehrenamtler gewürdigt
„Helfen ist für uns selbstverständlich“

Neben Landrat Siegurd Heinze zählten Dr. Colin von Ettingshausen, Kaufmännischer Geschäftsführer der BASF und Martina Gregor-Ness, Vorsitzende des Kreistages zu den Rednern der Dankeschön-Veranstaltung.
Neben Landrat Siegurd Heinze zählten Dr. Colin von Ettingshausen, Kaufmännischer Geschäftsführer der BASF und Martina Gregor-Ness, Vorsitzende des Kreistages zu den Rednern der Dankeschön-Veranstaltung. FOTO: Uwe Hegewald
Schwarzheide/Lübbenau. Der Landkreis hat Ehrenamtler für ihren Einsatz im Bereich Integration gewürdigt. Von Uwe Hegewald

39 Prozent der über 14-Jährigen engagiert sich in Deutschland ehrenamtlich. In Brandenburg, so Landrat Siegurd Heinze (parteilos), sind es 835 000 Personen, bei rund 2,4 Millionen Einwohnern. 48 von ihnen waren am Samstagnachmittag einer Einladung ins Kulturhaus der BASF Schwarzheide GmbH gefolgt, um Dankesworte entgegenzunehmen und kulturelle Augenblicke zu genießen. Geehrt wurden Frauen und Männer, die sich oftmals seit mehreren Jahren im Bereich der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund engagieren. Ehrenamtlich. „Für unsere Vereinsstrukturen und Ehrenamts-Aktivitäten finden wir weltweit große Bewunderung. Vergleichbares habe ich anderswo nicht erlebt“, befand Dr. Colin von Ettingshausen, Kaufmännischer Geschäftsführer der BASF. Seit 19 Jahren arbeite er für das Unternehmen, unter anderem in Österreich, Japan und Südafrika. Von Ettingshausen forderte die geladenen Gäste auf, sich selbst einen Beifall zu gönnen und applaudierte als Erster. Mit einer Busfahrt durchs BASF-Objekt, musikalischer Umrahmung des Saiten-Ensembles der Musikschule OSL und einem Imbiss sorgte der wirtschaftliche Leuchtturm der Lausitz für abwechslungsreiche Stunden.

„Tragen sie den Geist dieses Nachmittags in ihre Initiativen“, appellierte Martina Gregor-Ness (SPD) in ihrem Redebeitrag. Zuvor haderte die Vorsitzende des Kreistages mit zurückliegenden Entwicklungen innerhalb der Gesellschaft: „Was ist aus unserer Aufbruchsstimmung aus 1989 geworden? Ich kann sie nur bitten: Machen sie weiter, auch wenn die Zeiten dazu schwieriger geworden sind“, so Martina Gregor-Ness. Kathrin Tupaj, Integrationsbeauftragte der Kreisverwaltung, würdigte die Teilnehmer, die den Mut hatten, sich die Zeit nahmen und das Interesse entwickelten, um ankommende Personen in den Landkreis zu integrieren. Wirtschaft, Politik und Verwaltung seien gleichermaßen gefordert, damit Integration gelinge. Dass sie Teilnehmer der Veranstaltung unter dem Titel „Dank dem Ehrenamt“ zu einer spontanen Talk-Runde aufforderte und mit überfallartigen Fragen konfrontierte, trug erheblich dazu bei, die Arbeit der vielen Helfer transparent zu machen.

Brigitte Gärtner, Vorsitzende des DRK-Ortsverbandes Ruhland, betonte: „Helfen ist für uns selbstverständlich.“ Noch sehr genau erinnerte sie sich, wie seinerzeit Kinder mit Bandmaßen vermessen wurden, um sie mit Garderobe aus der Ruhlander Kleiderkammer einzukleiden. Ulrich Forkel lobte das „gute Miteinander mit der Stadtverwaltung Großräschen“ und nannte ein Beispiel, wie Flüchtlinge selbst ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen. So eröffnete Omar Kassab in der Seestadt ein eigenes Geschäft mit orientalischen Produkten. Wie er sagte, diene der kleine Laden auch dazu, um mit Leuten ins Gespräch zu kommen.

Olga Hoffmann kam 2000 als Spätaussiedlerin von Kasachstan nach Deutschland, hat in Lübbenau eine Frauengruppe gegründet und ist Mitglied im Integrationsbeirat des Landkreises. „Ich nehme mir die Zeit, um den Leuten zu helfen, so wie ich es zu meiner Zeit erfahren habe. Die Initiative, mich als Dolmetscherin einzubringen kam vom Diakonischen Werk Lübben“, so die Lübbenauerin, die Familien in der Spreewaldstadt, in Senftenberg, Altdöbern und Vetschau betreut. Dass es noch viel zu tun gibt, erläuterte Eckhart Stein am Beispiel eines Flüchtlings, dessen Fähigkeiten hierzulande bisher noch nicht anerkannt sind. „In Syrien leitete er eine Kardiologische Klinik mit internationalem Ruf. Die Hürden, seine Arbeit in Deutschland fortzusetzen sind jedoch zu hoch. Momentan macht er sich in der Altenpflege nützlich“, berichtete der Senftenberger.

Musikalisch ist die Dankeschön-Veranstaltung des Landkreises OSL vom elfköpfigen Saiten-Ensemble der Kreismusikschule begleitet worden.
Musikalisch ist die Dankeschön-Veranstaltung des Landkreises OSL vom elfköpfigen Saiten-Ensemble der Kreismusikschule begleitet worden. FOTO: Uwe Hegewald