| 10:55 Uhr

Kultur
Der ganz normale Wahnsinn in der Pension Spreewald

Lübbenau. Gelungene Premiere von Teil 3 der Reihe an der Bunten Bühne in Lübbenau. Von Uwe Hegewald

In der Kultherberge Pension Spreewald ist die Belegschaft um Empfangschef Rico Hannemann weit davon entfernt, sich in den Advents- oder Weihnachtsmodus fallen zu lassen. Hektik ist angesagt. Wie jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit. Ein zwielichtiges, gräfliches Paar quartiert sich ein, mittellose ungarische Touristinnen, ein Generalmajor im Ruhestand und weitere, „sehr spezielle“ Gäste.

Frau Marleen, stellvertretende Empfangs-Chefin, fällt es leicht, die Gästeschar mit nur einem Satz zu skizzieren: „Typen triffste auf der Welt, meine Fresse.“ Doch es kommt immer schlimmer: Ein Hotelkritiker von Euro-Hotels hat sein Kommen angekündigt, um die Pension für das Hotelfachblatt genauestens unter die Lupe zu nehmen.

Hannemann sieht seine Felle entlang der Spreewaldfließe davonschwimmen. Statt des begehrten Eintrags ins „Buch der 100 besten Herbergen im deutschsprachigen Raum“, werde er von der Zunft nur Spott und Gelächter ernten, prophezeit er. Dabei wollte die Pension doch endlich aus dem Schatten übermächtiger Unterkünfte in Burg/Spreewald und des feinen Schlosshotels heraustreten.

In unterhaltsamen 90 Minuten, gespickt mit amüsanten Dialogen, viel Musik und unerwarteten Wendungen erfahren Besucher des dritten Teiles von Pension Spreewald, wie selbige dem ganz normalen Wahnsinn entgegentritt.

„Im Sommer fiel die Entscheidung, ein neues, drittes Stück aufzuführen. Seit Oktober wurde tüchtig geprobt“, erzählt Matthias Härtig. Als Darsteller, Regisseur und Stückeschreiber sind seine Fähigkeiten gleich dreifach gefragt. „Ferienheim Bergkristall“ lautete der Titel einer DDR-Sendereihe zur Weihnachtszeit, an der sich Härtig seinerzeit orientierte.

Dass eine Festtagskomödie in der Adventszeit funktioniert, macht er unter anderem an einer verstärkten, temporären Kulturnachfrage fest. Demnach sehen Belegschaften von Firmen, Verwaltungen oder Institutionen einen beschwingten Theaterbesuch als willkommene Alternative oder Ergänzung zur klassischen Weihnachtsfeier.

Ein Vorteil der Pensions-Reihe: Jedes der drei bisher aufgeführten Stücke hat einen abschließenden Rahmen. „Das macht es für Besucher interessant, die vorangegangene Stücke verpasst haben“, prophezeit Härtig einen unkomplizierten Einstieg.

Bei den Darstellern fällt die Wahl auf bewährte Schauspieler der beiden vorangegangenen Stücke und auf hinzugezogene Künstler: Sylvia Burza, Nico Bobrzik, Jenny Natusch, Hans Strzelczyk, Tim Jaeger, Julius Köhler, Anna-Lena Rössel, Matthias Härtig und ein überragender Michael Apel, der in der Doppelrolle als Empfangschef und Koch brilliert.

Welche Rolle Bunte-Bühne-Juwel Matthias Greupner zukommt, der sich in der Pause an der Theater-Bar nützlich macht, soll an dieser Stelle geheim bleiben. Wer wissen will, ob es mit einem Eintrag ins „Buch der 100 besten Herbergen im deutschsprachigen Raum“ geklappt hat und was es mit dem Pensions-Festtagsmenü  „Maritim, Tradition vs. Moderne“ auf sich hat, sollte sich Tickets für eine der kommenden Vorstellungen sichern.

So wie es Kerstin Schulz und Martina Liersch getan haben. „Wir statten der Bunten Bühne immer mal wieder einen Besuch ab. Ist mal was anderes, als immer nur Fernsehen, wo man allzu oft einschläft“, begründen die beiden Lübbenauerinnen ihre gelegentliche Lust auf Theater.

Im Kern gehe es ihnen darum, „einfach mal einen schönen, unbeschwerten Abend zu genießen.“