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"Haus am See" in Altdöbern feiert Silberhochzeit

Für Bewohner, die seit 25 Jahren in der heilpädagogischen Einrichtung "Haus am See" leben, gab es Urkunden und ein gebackenes Herz, das mit dem jeweiligen Namen versehen war.
Für Bewohner, die seit 25 Jahren in der heilpädagogischen Einrichtung "Haus am See" leben, gab es Urkunden und ein gebackenes Herz, das mit dem jeweiligen Namen versehen war. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Altdöbern. Nein, einfach sind die ersten Altdöberner Wochen in der Heilpädagogischen Wohnstätte (HPW) der Arbeiterwohlfahrt (AWO) nicht gewesen. Für das Gros der Belegschaft hieß es, Neuland zu betreten. uhd1

"Wir waren als Krankenschwestern, Hebammen oder Laborantinnen tätig und standen nach dem Aus der Altdöberner Frauenklinik vor dem Neuanfang", bemerkte Simone Grund am Rande der Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen der Einrichtung.

Wie Gudrun Werner berichtete, ging es seinerzeit für zwei Monate ins Rheinland, um sich einen Einblick über die Arbeit mit Menschen mit Handicap zu verschaffen. "Neben dem Job haben wir binnen drei Jahren in Potsdam oder Lübbenau eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin absolviert", so die Jubilarin, die seit der ersten Stunde zum Team gehört. "Nicht alle ehemaligen Mitarbeiterinnen der Frauenklinik haben sich für diesen Schritt entschieden. Diejenigen, die geblieben und hinzugekommen sind, machen ihre Arbeit mit Herzblut", sagte Gudrun Werner.

Auch Hannelore Schnepp erinnerte sich an turbulente Zeiten. "Erst wurde uns gesagt, dass das Objekt zu einem Altersheim umgebaut wird. Zwei Tage später kam von Brandenburgs damaliger Gesundheitsministerin Regine Hildebrandt die Nachricht: Es entsteht eine Wohnstätte für körperlich, geistig Schwerstbehinderte."

Für seine Arbeit erntet das 38-köpfige Team weit über Altdöbern hinaus großen Respekt. Mit 42 Bewohnern, die rund um die Uhr betreut werden, ist die AWO-Einrichtung komplett belegt. "Es gibt eine Warteliste und regelmäßig Nachfragen von Personen, die ihre Familienangehörigen bei uns unterbringen wollen", so Einrichtungsleiterin Andrea Schulz zum guten Ruf, der der Heilpädagogischen Wohnstätte vorauseilt. Seit 2010 trägt sie den Namen "Haus am See".

Worte des Geschäftsführers des AWO-Regionalverbandes Brandenburg-Süd, Wolfgang Luplow, gingen bei der Belegschaft sprichwörtlich runter wie Öl: "Diese Einrichtung ist die beste ihrer Art, weit und breit", bemerkte er hinter vorgehaltener Hand. An einem Beispiel skizzierte er die nachhaltige Arbeit in der Einrichtung. So habe er vor langer Zeit eine Person mit Handicap "aus einem Käfig befreit" und bei einer Begegnung, drei Jahre später, deren Entwicklung bewundert. "Der Mann saß selbstständig mit anderen Mitbewohnern entspannt an einem Tisch", so Luplow.

Kornelia "Conny" Schütz berichtete über die Herausforderungen der Anfangsjahre. "Aufgabe war es, unsere Bewohner auf ihrem Weg zu mehr Selbstständigkeit zu begleiten. Darunter zählten vermeintlich kleine Dinge wie das eigenständige Waschen, Einnehmen von Mahlzeiten oder das Benutzen von Bad und Toilette", erklärte die Mitarbeiterin, die ebenfalls seit 25 Jahren in der Einrichtung tätig ist.

Große Freude bereitete den Mitarbeitern der Besuch des AWO-Ehrenvorsitzenden und Pioniers der Einrichtung Christoph Eigenwillig: "Ich habe hier in Altdöbern immer ein besonderes Klima vorgefunden", so der Lübbenauer.

Gefeiert wurde zünftig in Oktoberfest-Atmosphäre mit Buden, Attraktionen, Fotoausstellung und Blasmusikklängen der Scheunenmusikanten aus dem Landkreis Elbe-Elster. So entstanden gesellige wie unbeschwerte Momente am "Haus am (Altdöberner) See".