Ein besonderes Konzert-Ereignis warf seine Schatten voraus: Der international renommierte Pianist Andreas Staier - Preisträger in vielen internationalen Wettbewerben und Konzert-Solist auf fast allen Kontinenten - hatte sein Kommen zu einem Benefizkonzert zugunsten des Lübbenauer Schlossensembles zugesagt. Der Deutschlandfunk (DLF) zeichnete dieses Konzert auf.
Der DLF veranstaltet seit 15 Jahren gemeinsam mit der Stiftung Deutscher Denkmalschutz in Bonn die Konzertreihe „Grundton D“ , mit der Gutes für den Denkmalschutz in den östlichen Bundesländern getan wird. Dr. Matthias Sträßner, Kulturchef des Senders, hob das besondere Engagement im Schlossensemble in Lübbenau hervor. Zwei förderungswürdige Projekte je Bundesland in jedem Jahr würden für Benefizkonzerte ausgesucht - Lübbenau wurde in diesem Jahr neben dem Landgut Borsig in Groß Behnitz (bei Nauen) im Land Brandenburg für würdig befunden.
Im klassizistischen Lübbenauer Schloss aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden seit 1992 Ost- und Südflügel sowie die Außenfassade des Schlosses rekonstruiert, die Renovierung des Gebäude-Inneren, des Treppenhauses und des Tagungsflügels abgeschlossen. Die Orangerie - nun Veranstaltungsort des Konzertes - wurde gerade wieder in alter Schönheit vollendet. Die Kanzlei ist mit einer rekonstruierten Fassade versehen worden, und noch viel Arbeit wartet auf die Restauratoren. Das anerkannten die Juroren mit der Vergabe einer der beiden Konzerte des DLF in dieser Konzertreihe in das Schloss Lübbenau.
Rochus Graf zu Lynar dankte für die Würdigung. Er unterstrich die Verpflichtung seiner Familie, das Erbe an Werten weiter zu bereichern, die Bauwerke wieder herzustellen und sie einer Nutzung zuzuführen. Er bekräftigte den Willen der Lynars, das Schlossensemble auch künftig für die Öffentlichkeit zugänglich zu halten.
Werke von Mozart und Schubert standen auf dem heiteren Programm des Konzertes. Andreas Staier spielte auf einem seltenen Instrument: Sein Hammerflügel von Christopher Clarke ist ein Nachbau des Instruments des Wiener Instrumentenbauers Conrad Graf aus dem Jahr 1826.
Das Hammerklavier - 1709 vom Italiener Cristofori aus dem Cembalo entwickelt - hat einen besonderen, weichen Klang, weil die Saiten des Instrumentes von Filzhämmern angeschlagen werden und sich in der Intensität nach dem Anschlag des Künstlers richten. Andreas Staier als Meister seines Faches hatte mit Franz Schuberts „Impromptu c-Moll“ ein Eingangsstück mit lyrischer Aussage gewählt. Warme Töne ließen aufhorchen. Das blieb bei der heiter-verspielten Mozart-Sonate für Klavier Es-Dur anrührend, und das Allegro entwickelte sich zum Tasten-Feuerwerk.
Selten gehört sind Mozarts zehn Variationen in G-Dur über Christoph Willibald Glucks „Unser dummer Pöbel meint“ . Das einfache liedhafte Thema wird durch ein ganzes klingendes Prisma gebrochen, und das in einer Art, die musikalische Variationen beispielhaft zeigen kann: spielerisch wie tragisch, in der Art einer kleinen Fuge als Beweis der Virtuosität des Interpreten. Staier konnte das alles ohne jede Mühe. Wie auch bei Mozarts „Fantasie c-Moll“ in der die künstlerischen Gestaltungsmöglichkeiten des dramatisch-lyrischen Werkes ausgeschöpft wurden.
Franz Schubert sollte mit seiner „Sonate für Klavier in B-Dur“ den Schlusspunkt setzen, um mit der Interpretation des späten Meisterwerkes viele Facetten der musikalischen Möglichkeiten auszuleuchten, was Staier zur Freude seiner Hörer ohne Zweifel auch gelang. Herzlicher Beifall nach dem eigentlichen Konzert bewegte ihn zur Zugabe: Es erklang das heitere Allegro aus Schuberts f-Moll-Sonate.
Im Rahmen der Reihe „Musikforum“ werden im Deutschlandfunk Ausschnitte des Konzerts aus der Orangerie des Lübbenauer Schlosses am Dienstag, dem 12. Oktober, ab 21.05 Uhr gesendet. Der DLF ist im Altkreis Calau und angrenzenden Kreisen über Antenne auf den UKW-Frequenzen 88,6 und 97,3 sowie 94,5 MHz und im Kabel oder über Satellit zu empfangen. )